Ende 2025 kam es zu heftigen Turbulenzen im Private-Credit-Markt. Der Zusammenbruch des US-amerikanischen Autofinanzierers Tricolor und der First Brands Group löste eine Welle von Rücknahmen aus Private-Credit-Vehikeln aus. Besonders stark betroffen war der Investment-Managers Blue Owl mit seinem Flaggschiff-Fonds Technology Income Fund (OTIC), der die Rücknahmeanträge nervöser Anleger zeitweise nicht mehr bedienen konnte.
Die Probleme von Blue Owl und anderen Anbietern säten weltweit Zweifel an der Anlageklasse der Privatmärkte, die bis heute nachwirken. Wie die Financial Times nun enthüllt, stand am Anfang dieser Entwicklung offenbar eine Kundenempfehlung des UBS Wealth Managements. Die Grossbank habe eine Welle von Mittelabflüssen aus dem Blue-Owl-Fonds ausgelöst, schreibt das Blatt.
Im vierten Quartal 2025 begannen Investoren, grosse Summen aus dem rund drei Milliarden Dollar schweren Blue-Owl-Fonds abzuziehen, der hauptsächlich über das Wealth Management der UBS vertrieben worden sei. Kurz nachdem die Bank Kunden mit einem hohen Private-Credit-Engagement geraten hatte, ihre Positionen zurückzufahren, soll es dann zu einer Flut von Rücknahmeanträgen gekommen sein.
60 Prozent UBS-Gelder in Blue-Owl-Fonds
Pikanterweise war es auch die UBS, die den Fonds zuvor mit aufgebaut und zu einem der grössten Private-Credit-Angebote für Privatkunden gemacht hatte. Blue Owl legte den technologieorientierten Fonds im Jahr 2022 auf, nachdem das Unternehmen gemeinsam mit der UBS ein Produkt entwickelt hatte, das auf die Bedürfnisse der Bankkunden zugeschnitten war, berichten zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen. Mindestens 60 Prozent des eingeworbenen Kapitals stammten demnach von UBS-Kunden, von denen die meisten in Asien ansässig waren.
Das ist doppelt so viel, wie einige Branchenvertreter als sinnvolle Obergrenze für die Abhängigkeit von einem einzelnen Vertriebspartner ansehen. Bei vielen gilt eine von 20 bis 30 Prozent je Vertriebsplattform, um das Risiko breiter zu streuen. Offenbar hatten Blue Owl und die UBS auf eine breitere Investorenbasis gehofft. «Tatsächlich fiel sie deutlich konzentrierter aus, als beiden lieb gewesen wäre», sagte eine Quelle der Financial Times.
Nach Angaben der Ratingagentur KBRA zogen Anleger im vierten Quartal 15,4 Prozent des Fondsvermögens ab. Daraus ergaben sich Nettoabflüsse von rund 400 Millionen US-Dollar – ein Vielfaches der Rücknahmen im Vorquartal. Im ersten Quartal dieses Jahres stiegen die Rücknahmeanträge auf mehr als 40 Prozent des Fondsvermögens.
Private-Banking-Gelder abgezapft
Private Credit war lange Zeit eine Anlageklasse, in die ausschliesslich institutionelle Anleger investierten. Um mehr Gelder in den Markt zu bringen, zapfte die Finanzindustrie das Privatkundensegment an. Dadurch verlagerten sich die Machtverhältnisse im Markt zunehmend von professionellen Kreditmanagern auf Banken und Vermögensverwaltungsplattformen, die den Geldfluss der Kunden steuern. Da private Investoren in Krisen selten einen kühlen Kopf bewahren, werden die Märkte krisenanfälliger.
Auch der UBS-eigene Private-Credit-Spezialist UBS O'Connor war betroffen: In einem seiner Fonds entfielen rund 30 Prozent des Engagements auf die First Brands Group. Die UBS lehnte eine Stellungnahme gegenüber der Financial Times ab. Ein Sprecher von Blue Owl erklärte, die konstant gute Kreditqualität des OTIC-Fonds habe eine stabile Ausschüttungsrendite von 9,2 Prozent ermöglicht.

