«Enforcement-Hammer»
Update - Drei Jahre nach dem Untergang der Credit Suisse steht die Finma vor einer doppelten Herausforderung. Zum einen steigen die Risiken für die Finanzwelt, zum anderen schlägt das politische Pendel nach dem CS-Schock zurück.
21. April 2026 • Balz Bruppacher

Der statistische Leistungsausweis der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht Finma für 2025 lässt sich sehen. 55 sogenannte Enforcement-Verfahren wurden abgeschlossen. Es handelt sich um Verwaltungsverfahren zur Durchsetzung des Finanzmarktrechts und um eines der schärfsten Instrumente der Finma. Präsidentin Marlene Amstad sprach am Dienstag an der Jahresmedienkonferenz vom «Enforcement-Hammer». Gegen potenziell unerlaubt tätige Subjekte auf dem Finanzplatz eröffnete die Finma rund 450 Abklärungen; rund 300 von ihnen landeten auf einer Warnliste – so viele wie noch nie.

Ohne das duale Aufsichtssystem – mit privaten Prüfgesellschaften für die Kontrollen in den Banken – über Bord zu werfen, legte die Finma auch letztes Jahr einen Akzent auf eigene Vor-Ort-Kontrollen – ein Markenzeichen seit dem Amtsantritt von Direktor Stefan Walter. 113 Mal kreuzten die Aufseher bei Banken auf, 42 Mal allein bei der UBS. 43 Vor-Ort-Kontrollen wurden bei Versicherungen angeordnet, 20 im Asset Management. Betroffen waren vor allem grössere Institute, während sich die Aufsicht über kleinere Firmen auf Daten stützt. Bei den direkten Kontrollen der Banken, sogenannten Deep Dives, stellte die Finma teilweise schwerwiegende Mängel fest. In 14 Fällen ordnete sie einen Eigenmittelzuschlag an. In sieben Fällen wurde die Geschäftstätigkeit eingeschränkt, und in einem Fall verbot die Finma, Übernahmen zu tätigen. In 271 Fällen klärte die Finma ein potenzielles Fehlverhalten von Versicherungsvermittlern ab und entferne mehrere von ihnen aus dem öffentlichen Register.

Personalbestand soll unter 1'000 bleiben

Die Aufsicht über die rund 10'000 Versicherungsvermittler obliegt der Finma seit 2024. Zusammen mit dem Ausbau anderer Tätigkeiten führte dies auch 2025 zu einem deutlichen Personalausbau, um 63 auf neu 617 Vollzeitstellen. In Vorwegnahme der Kritik von Politikern und Betroffenen versicherten Walter und Amstad, man wolle beim Personal «dreistellig» bleiben. Sie unterstrichen den risikobasierten Ansatz der Aufsichtstätigkeit. «Unser Fokus liegt auf einer Aufsicht, die noch wirksamer, noch proportionaler und noch zukunftsgerichteter ist», sagte Walter. Die Finma sorge für widerstandsfähigere Institute, förderte verantwortungsvolle Innovation und leiste einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Wettbewerbsfähigkeit sowie zur guten Reputation des Finanzplatzes Schweiz.

Mit Nachdruck sprach sich die Finma-Spitze für eine rasche Umsetzung der «Too-big-to-fail»-Pakets des Bundesrats aus, einen Tag bevor die Regierung ihre Beschlüsse fassen dürfte. Der Finma geht es dabei vor allem um drei neue Instrumente in ihrem Werkzeugkasten, eine Bussenkompetenz, eine offensivere Kommunikation, die die schwarzen Schafe beim Namen nennt, sowie um die Möglichkeit, verantwortliche Manager zur Verantwortung zu ziehen. Die Finma steht auch hinter den Plänen für schärfere Eigenmittelvorschriften für die UBS, mochte dies angesichts der unmittelbar bevorstehenden Entscheide des Bundesrats aber nicht mehr näher ausführen.

Verkauft sich die Finma zu schlecht?

Überhaupt war das Bemühen der Finma-Spitze spürbar, die Debatte um Rolle und Ausübung der Finanzmarkaufsicht nicht zusätzlich anzuheizen. Walter verwendete mehrmals das Bild des politischen Pendelschlags. Kritische Fragen zur Sache wies er mit Hinweis auf seine 30-jährige internationale Erfahrung in der Finanzmarktaufsicht zurück. Eine starke Aufsicht fördere langfristig auch die Wettbewerbsfähigkeit des Finanzplatzes. Von einer Überregulierung in der Schweiz wollte Walter nichts wissen. Und Präsidentin Amstad sagte, die nationale Wahrnehmung stehe im Widerspruch zur internationalen Anerkennung der Schweizer Aufsicht, wie sie eben wieder an der Frühjahrstagung des IWF erfahren habe.

Finma legt Rechenschaftsbericht für 2025 vor

Im zweiten Jahr nach dem Untergang der Credit Suisse hat die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht Finma ihre Kontrollen auf dem Finanzplatz weiter verschärft. Allein bei der UBS nahmen die Aufseher 42 Vor-Ort-Kontrollen vor, wie die Behörde am Dienstag bei der Vorlage des Jahresberichts 2025 bekanntgab. Mit diesem Instrument sollen Risiken frühzeitig erkannt werden.

Insgesamt wurden bei Banken 113 solche direkten Kontrollen angeordnet, bei Versicherungen 43 und im Asset Management 20. Betroffen waren vor allem grössere Institute, während sich die Aufsicht über kleinere Institute vor allem auf Daten stützt. Bei den direkten Kontrollen der Banken, sogenannten Deep Dives, stelle die Finma teilweise schwerwiegende Mängel fest. In 14 Fällen ordnete sie einen Eigenmittelzuschlag an. In sieben Fällen wurde die Geschäftstätigkeit eingeschränkt, und in einem Fall verbot die Finma, Übernahmen zu tätigen.

Im Berichtsjahr ordnete die Finma 15 neue Enforcementverfahren bei Banken an. 55 solche Verwaltungsverfahren zur Durchsetzung des Finanzmarktrechts wurden 2025 abgeschlossen. Die Finma erinnerte daran, dass sie nach geltendem Recht nur eingeschränkt über diese Fälle kommunizieren kann. Ein vermehrtes «Naming and Shaming» gehört zu den Forderungen der Finma, mit denen die Lehren aus dem Debakel der Credit Suisse gezogen werden sollen.

Der Rechenschaftsablage ist weiter zu entnehmen, dass die Finma in 271 Fällen ein potenzielles Fehlverhalten von Versicherungsvermittlern abklärte und mehrere von ihnen aus dem öffentlichen Register entfernte.

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