Corporate Governance
Der CEO der Privatbank Julius Bär kommt auf eine Gesamtentschädigung von über 20 Millionen Franken – Bär verfehlt Vorgaben zur Geschlechterdiversität im Verwaltungsrat.
16. März 2026 • Beat Schmid

Anfang 2025 hat Stefan Bollinger als CEO von Julius Bär begonnen. Für ihn und die Bank war es ein turbulentes Jahr. Am Montag veröffentlichte die Bank nun den Geschäftsbericht über das abgelaufene Jahr. Daraus geht hervor, dass Bollinger 8,2 Millionen Franken als Salär bezog, davon waren 1,49 Millionen Fixgehalt – der Rest ist variabel.

Bezogen hat er allerdings deutlich mehr. Wie in einer Fussnote vermerkt, kommen noch Ersatzprämien in Höhe von 14,756 Millionen Franken dazu, plus weitere 0,931 Millionen Franken für Sozialversicherung, Pensionskasse und Sonstiges, wie es heisst. Der Gesamtwert der Ersatzprämien liege innerhalb der Vergütungsgrenzen für 2025, die durch die Generalversammlung 2024 genehmigt wurden. Unter Berücksichtigung dieser Ersatzprämien würde sich die totale Entschädigung für Stefan Bollinger auf 23,958 Millionen Franken belaufen, schreibt die Bank.

Verwaltungsrätin Olga Zoutendijk tritt zurück

Gleichzeitig gab Julius Bär einen Umbau des Verwaltungsrats bekannt. Olga Zoutendijk wird das Gremium verlassen – Colin Bell stellt sich zur Wahl. Da eine Frau geht und ein Mann kommt, werde Julius Bär damit die Vorgaben zur Geschlechterdiversität «bedauerlicherweise vorerst nicht erreichen», schreibt die Bank in einer Mitteilung.

Zoutendijk gehörte dem Verwaltungsrat seit sieben Jahren an und war Mitglied des Audit Committee sowie des Governance & Risk Committee. Gleichzeitig kündigte Julius Bär eine weitere Personalie an: Colin Bell soll an der Generalversammlung neu in den Verwaltungsrat gewählt werden. Bereits Anfang Februar hatte die Bank den früheren Finma-Chef Urban Angehrn als Kandidaten für das Gremium nominiert.

Bell war unter anderem Group Chief Compliance Officer bei HSBC sowie Group Chief Compliance Officer und Leiter Non-Financial Risk bei UBS. Zudem leitete er als CEO von HSBC Europe und HSBC Bank plc die europäischen Aktivitäten der Grossbank. Bär-Chairman Noel Quinn war fünf Jahre Group-CEO von HSBC.

Wie Julius Bär hervorhebt, verfügt Bell über «enge Kontakte» zu den Aufsichtsbehörden Financial Conduct Authority, der Prudential Regulation Authority, der Europäischen Zentralbank sowie der Finanzmarktaufsicht Finma. Laut Quinn bringt Bell «weitreichende Erfahrung» mit und werde mit seinem Know-how bei der Umsetzung komplexer Compliance-Programme sowie bei Transformationsprojekten Impulse für den Verwaltungsrat liefern.

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