Nabaa und Leggett-Flynn
Der neue COO und die neue Kommunikationschefin der Privatbank kennen den Schweizer Heimmarkt kaum. Deutsch ist für sie eine Fremdsprache. Das ist nicht das einzige Problem.
20. Januar 2026 • Beat Schmid

Die Privatbank Julius Bär geht durch ein Stahlbad. Die Nachwirkungen des Benko-Skandals drücken auf das Geschäft. Besonders spürbar ist das im Heimmarkt, wo die Bank besonders stark gefordert ist, das Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen. Eine Bank, die im Heimmarkt nicht reüssiert, hat auch in anderen Märkten ein Problem.

Vor einem Jahr übernahm Stefan Bollinger das Ruder bei der Bank Bär. Beim Umbau der Bank gibt er Vollgas: Er trifft Kunden und steht im engen Austausch mit dem Regulator, der seit über zwei Jahren die Hintergründe der Benko-Affäre ausleuchtet. Bollinger hat ein Sparprogramm eingeleitet und die Geschäftsleitung umgebaut. Das Tempo ist noch. Das Personal kommt kaum nach. Das liess die Zufriedenheitswerte der Belegschaft in den Keller rasseln.

Mit der letzte Woche angekündigten Besetzung von zwei Toppositionen irritierte die Bank erneut. Zwar überrascht es nicht, dass die Karriere von Nic Dreckmann bei Julius Bär ein Ende gefunden hat, doch die Einwechslung von Jean Nabaa als neuen Chief Operating Officer (COO) löste Stirnrunzeln aus. «Er kennt weder die Bank noch den Schweizer Markt, noch kann er die Sprache», sagt eine Quelle. Nabaa ist in der Schweiz aufgewachsen und besitzt auch die Schweizer Staatsbürgerschaft, lebte und arbeitete aber viele Jahre im Ausland, zuletzt bei HSBC in Hong Kong. Französisch ist seine Muttersprache, hinzu kommen Englisch und Arabisch, wie seinem LinkedIn-Profil zu entnehmen ist.

Prozess-Know-how ist entscheidend

Bis Nabaa sich eingelebt hat und mit der Kultur sowie vor allem mit den Prozessen vertraut ist, werden viele Monate vergehen. In normalen Zeiten wäre das vielleicht kein Problem. Doch im Maschinenraum hat die Bank eben erst ein Generationenprojekt angestossen: Der buchstäblich in die Jahrzehnte gekommene Mainframe-Host, das bäreigene Kernbankensystem, wird durch eine Standardsoftware abgelöst. Julius Bär hat es zwar nie bestätigt, doch die Bank wechselt auf die Lösung von Temenos, die sie bereits im Ausland einsetzt.

Für die Einführung hat die Bank mit Rolf Olmesdahl einen Profi geholt, der seit Anfang 2025 als Leiter Core Banking tätig ist. Für das Gelingen ist jedoch entscheidend, wie die bestehenden Banking-Prozesse in der neuen Welt abgebildet werden. Das ist eine eigentliche Kernaufgabe des COO. Der Job erfordert vertiefte Kenntnisse der Bank sowie viel Fingerspitzengefühl im Austausch mit dem Business. Missverständnisse und Verzögerungen können kaum kalkulierbare Kostenfolgen auslösen.

Neue Comms-Chefin kennt New York

Intern ebenso verwundert hat die Wahl von Cindy Leggett-Flynn zur neuen Head Group Communications. Sie löst Larissa Alghisi ab, die nach vielen Jahren die Leitung der Kommunikationsabteilung Ende Jahr abgegeben hat. Auch Leggett-Flynn kennt den Schweizer Markt kaum. Sie arbeitete fast ihr ganzes Berufsleben in New York, viele Jahre bei der PR-Agentur Brunswick, danach vier Jahre bei AIG.

Die Verhältnisse in New York dürfte sie gut kennen. Doch was nutzt das Julius Bär, die in den USA längst nicht mehr aktiv ist? Ein wenig Schweiz-Luft schnupperte sie immerhin bei der Credit Suisse: Ueli Körner holte sie kurz vor dem Zusammenbruch der Bank nach Zürich. Ihr Vertrag lief nach ein paar Monaten wieder aus.

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