«Eine Diversifizierung weg von Amerika ist unmöglich», sagte UBS-Chef Sergio Ermotti am Dienstag in einem Interview mit Bloomberg in Davos. Die USA seien die stärkste Wirtschaftsmacht der Welt. Man könne unter- oder übergewichten, aber eine Diversifizierung weg von Amerika sei unmöglich, glaubt der Banker.
Im Zuge der Grönland-Eskalation in den vergangenen Tagen, insbesondere mit seiner Zoll-Drohung gegen EU-Staaten, die den Status quo unterstützen, wird der Ruf immer lauter, amerikanische Assets als Waffe einzusetzen. Europäische Länder halten etwa 40 Prozent der ausländischen US-Staatsanleihen. Würden sie diese auf den Markt werfen, stiegen die Kosten für die USA, neue Schulden aufzunehmen.
Die Verunsicherung hat bereits spürbar zugenommen. Der S&P 500 fiel um bis zu 1,6 Prozent und machte damit alle Gewinne dieses Jahres zunichte, und der VIX-Index, der erwartete Schwankungen an den Aktienmärkten abbildet, erreichte den höchsten Stand seit November. Gold – ein sicherer Hafen in unsicheren Zeiten – stieg auf einen Rekordwert von über 4700 Dollar pro Unze.
Macron: «Vasallisierung und Blut-Politik»
Wie Europa und andere westliche Staaten auf die immer dreisteren Provokationen von Donald Trump reagieren sollen, ist eines der grossen Themen am WEF in Davos. Während Staatschefs wie Emmanuel Macron oder Mark Carney aus Kanada verbal austeilten – der französische Präsident sprach von einer «Vasallisierung und Blut-Politik» –, hat die dänische Pensionskasse AkademikerPension Nägel mit Köpfen gemacht. Sie liess verlauten, dass sie sich per Ende Monat von allen US-Staatsanleihen in der Höhe von 100 Millionen Dollar trennen werde.
US-Staatsanleihen als Waffe einzusetzen, sei eine «gefährliche Wette», sagte Ermotti. Der Schuss könnte nach hinten losgehen. Laut dem UBS-Chef seien die europäischen Volkswirtschaften angesichts des starken Wirtschaftswachstums und der Innovationskraft der USA kaum in der Lage, sich von den USA abzukoppeln oder den US-Treasury-Markt als einen der Hauptpfeiler für risikofreie Assets zu ersetzen.
Als Chef eines globalen Wealth Managers kann Ermotti auch nicht viel anderes sagen, da viele UBS-Kunden grosse Dollar-Exposures haben. Die Bank selbst bilanziert in Dollar. Die skeptische Haltung von Ermotti hat auch viel mit den Plänen in den USA zu tun. Die UBS, die weltweit rund 7 Milliarden Dollar verwaltet, sieht dort eine der grossen Wachstumschancen und arbeitet an einer Erweiterung des Angebots für vermögende Kunden. Die UBS-Führung stellte sogar Überlegungen an, den Sitz nach Amerika zu verlegen.

