Die kleine Bank am Zürichsee wird an die Acrevis-Gruppe aus St. Gallen verkauft. In der Seegemeinde Männedorf hat das zu heftigen Reaktionen geführt. Denn der Verkauf erfolgt unter Druck. Die Bank hat zuletzt operative Verluste eingefahren und Kundengelder verloren.
Jetzt nimmt erstmals Thomas Stäheli, Verwaltungsratspräsident der Regiobank Männedorf (RBM), Stellung zu den Hintergründen und zur bevorstehenden Transaktion. Wie er im Gespräch sagt, mussten «wir feststellen, dass es für eine Bank unserer Grösse und in unserer Region sehr schwierig geworden ist, unsere strategischen Ziele zu erreichen». Daher drängte sich ein Verkauf auf.
«Wir haben einen professionell begleiteten Transaktionsprozess durchgeführt und verschiedene Angebote erhalten und geprüft», sagt er. Es habe «mehrere ernsthafte Kaufinteressenten» gegeben. Ob sich darunter auch ein Angebot der Bank Avera befand, sagte er nicht. Die Bankengruppe kommt aus dem Zürcher Oberland, ist aber auch in Zürich und in Küsnacht an der Goldküste vertreten. Acrevis dagegen hat ihren Hauptsitz in St. Gallen und ist bisher nicht über die Ostschweiz hinausgewachsen. Keiner der insgesamt acht Standorte befindet sich im Kanton Zürich.
Einige Aktionäre und Kunden der Regiobank hätten es lieber gesehen, wenn eine Bank aus der Region zum Zug gekommen wäre. Das dürfte an der Generalversammlung vom 26. März zu reden geben, wenn die Aktionäre über den Deal zu befinden haben. Dass in letzter Sekunde noch ein Konkurrenzangebot auftauchen könnte, glaubt Thomas Stäheli nicht. «Ich gehe nicht davon aus, dass wir jetzt noch ein Gegenangebot erhalten werden.»
Negativer Goodwill macht die Regiobank zum Schnäppchen
Ein weiterer heisser Diskussionspunkt ist der Preis. Acrevis muss für die Regiobank lediglich 60 Prozent des Buchpreises zahlen. Mit dem deutlichen Abschlag kann die Käuferin einen schönen negativen Goodwill verbuchen und damit ihre Eigenkapitaldecke stärken oder überschüssiges Kapital an ihre Aktionäre ausschütten. Wirtschaftsanwalt Thomas Stäheli sagt dazu: «Acrevis bietet den RBM-Aktionären eine attraktive und marktübliche Prämie. Daher halten wir den Preis, den Acrevis bietet, für fair.»
Die Entwicklung der Regiobank verläuft seit einigen Jahren negativ. Dies zeigt auch ein letzte Woche veröffentlichter Vergleich von 57 Regionalbanken und Sparkassen des Luzerner Bankenprofessors Andreas Dietrich. Seit 2019 steigen Personal- und Sachaufwand ungebrochen an. Die Erträge dagegen konnten mit der Kostenentwicklung nicht mithalten, sodass sich die Cost-Income-Ratio über die Jahre deutlich verschlechterte – und 2025 erstmals die Marke von 100 Prozent durchbrach.
Vergleich mit anderen Regionalbank «nicht aussagekräftig»
Für Stäheli ist der Vergleich mit anderen Regionalbanken untauglich. «Ein Regionalbankenvergleich, wie ihn die HSLU erstellt, ist für die Beurteilung der RBM nicht aussagekräftig», sagt er. Die Studie umfasse deutlich grössere Institute, und die wenigen erfassten Kleinstbanken in ländlichen Gebieten seien mit einem deutlich «schwächeren Wettbewerbsumfeld konfrontiert» und würden von einem «tieferen Lohnniveau» profitieren, das nicht dem «Zürcher Finanzplatz ausgesetzt» sei. «Damit sind diese Kleinstbanken besser in der Lage, substanziell höhere Margen zu erzielen.»
Ende März kommt es also zum Showdown in Männedorf. «Ich bin zuversichtlich, dass die Aktionäre dem Kaufangebot zustimmen werden», sagt der Verwaltungsratspräsident. «Ich glaube an die Vernunft unserer Aktionäre.» Thomas Stäheli ist Konsulent bei der Kanzlei Roesle Frick & Partner und wurde 2015 in den Verwaltungsrat der RBM gewählt. Seit 2020 ist er Vizepräsident und seit 2022 Verwaltungsratspräsident der Bank.

