Die Schweizer Vereinigung für verantwortungsbewusste Kapitalanlagen, die SVVK-ASIR, hat ihren Mitgliedern empfohlen, grossen Öl- und Gaskonzernen künftig keine Fremdfinanzierung mehr bereitzustellen. Grund seien aus Sicht der Organisation erfolglose Dialog- und Einflussnahmeversuche mit den Unternehmen.
Die sogenannte «Deny Debt»-Empfehlung betrifft die Unternehmen Chevron, ExxonMobil, Marathon Petroleum, PBF Energy, Phillips 66, Saudi Aramco und Valero Energy. Die SVVK-ASIR empfiehlt seinen Mitgliedern, darunter Pensionskassen und Versicherungen, die insgesamt 360 Milliarden Franken verwalten, keine neuen Investitionen mehr in Anleihen dieser Unternehmen vorzunehmen und bestehende Positionen schrittweise abzubauen.
Aktien der betroffenen Unternehmen sollen hingegen weiterhin gehalten werden. Dadurch wollen die Investoren ihre Stimmrechte auf den Generalversammlungen nutzen und die Unternehmen zu einer nachhaltigeren Ausrichtung ihrer Geschäftsmodelle bewegen.
Druck über den Anleihemarkt
Über den Aktienmarkt können Investoren zwar Einfluss ausüben, etwa über Stimmrechte an Generalversammlungen. Einen direkteren Hebel sieht SVVK-ASIR jedoch bei der Bereitstellung von Fremdkapital. Nach Ansicht der Vereinigung kann der Entzug von Fremdkapital sowohl den Umfang als auch die Bedingungen neuer Anleiheemissionen beeinflussen. Dadurch wird es für Unternehmen schwieriger, neue Projekte zu finanzieren.
Die Schweizer Investorenvereinigung stützt sich auf Forschungsergebnisse der University of Cambridge. Deren Untersuchungen zum Divestment im fossilen Energiesektor hätten die Entscheidung für die «Deny Debt»-Strategie massgeblich beeinflusst, heisst es.
Engagement-Prozesse laufen ins Leere
Laut SVVK-ASIR geht die Massnahme auf mehrere Jahre intensiver Gespräche mit fossilen Energiekonzernen zurück. Diese hätten jedoch keine ausreichenden Fortschritte bei den vereinbarten Transformationszielen erbracht. Die Unternehmen hätten zwar Ziele in Bereichen wie Transparenz, Klimapfad und Investitionsplanung (Capex-Allokation) definiert. In den meisten Fällen wurden die Ziele jedoch verfehlt.
SVVK-ASIR plant, den Ansatz künftig auf weitere Unternehmen mit hohen CO₂-Emissionen auszuweiten. «Wir erwarten von den Unternehmen keine sofortige Transformation – aber einen glaubwürdigen Pfad dorthin. Wer diesen Pfad nicht aufzeigt, handelt den vereinbarten Klimazielen zuwider und erhöht systemische Risiken – darauf müssen wir reagieren», sagt SVVK-ASIR-Präsidentin Manuela Guillebeau, die als Sustainability Specialist bei Publica, der Pensionskasse des Bundes, arbeitet.
Viele grosse Pensionskassen, die dem SVVK-ASIR angeschlossen sind, haben bereits angekündigt, dass sie die neue «Deny Debt»-Strategie umsetzen werden, darunter die Aargauische Pensionskasse, die ASGA Pensionskasse, die Mobiliar, die Pensionskasse Post, die Pensionskasse SBB und die SUVA. Insgesamt sind 12 Pensionskassen und Versicherungen der SVVK-ASIR angeschlossen.

