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Wenn grosse Vermögen auf mehrere Banken verteilt werden, drohen der Gesamtüberblick und damit Renditepotenzial verloren zu gehen. Die UHNWI-Spezialisten der LGT, Riccardo Petrachi und Mark Schindler, sprechen im Interview über die Kosten einer suboptimalen Asset Allocation.
24. April 2026 •

Die «UHNWI», also die sehr wohlhabenden Personen, werden von Banken, Vermögensverwaltern und Multi-Family-Offices stark umworben. Bekommen sie damit auch die beste Dienstleistung zum tiefsten Preis?

Riccardo Petrachi (RP): Viele UHNWI-Kundinnen und -Kunden vergeben Vermögensverwaltungsmandate an mehrere Banken und können dadurch Konditionen und Leistungen gut vergleichen. Sie verfügen damit über eine starke Verhandlungsposition und haben die Möglichkeit, die spezifischen Stärken der einzelnen Anbieter gezielt zu nutzen.

Mark Schindler (MS): Um davon zu profitieren, braucht es allerdings professionelles Anlage-Know-how. Ganz wichtig ist zudem, dass die Mandate der einzelnen Banken sinnvoll aufeinander abgestimmt sind. In der Praxis geht bei der Zusammenarbeit mit mehreren Banken oft der Gesamtüberblick verloren, und die Mandate der einzelnen Banken sind nicht optimal koordiniert.

Auch wenn die einzelnen Bankpartner eine gute Leistung erbringen, resultiert dann möglicherweise eine suboptimale Asset Allocation des Gesamtvermögens. Damit verschenkt man schlimmstenfalls wertvolles Renditepotential oder geht unnötige Risiken ein.

Was raten Sie in solchen Fällen?

MS: Das A und O ist ein konsolidierter Gesamtüberblick über sämtliche Bankbeziehungen. Einfache Konsolidierungen von wenig komplexen Vermögen kann man vielleicht sogar selbst erstellen. Sobald es aber komplexer wird, lohnt es sich, mit einer Bank seines Vertrauens zusammen zu arbeiten.

RP: Ein solcher Gesamtüberblick ist Voraussetzung, um die Zusammenhänge und gegenseitigen Abhängigkeiten zwischen den einzelnen Vermögensbestandteilen bei verschiedenen Banken zu verstehen. Erst mit diesem Verständnis kann die strategische Asset-Allokation des Gesamtvermögens optimiert werden.

Was braucht es hierfür?

RP: Zunächst einmal eine grosse Menge an Daten – etwa Datenbanken mit historischen Kursinformationen, aber auch Erwartungen hinsichtlich der künftigen Entwicklung der globalen Kapitalmärkte. Zudem braucht es sehr leistungsfähige IT-Tools für die quantitative Analyse, also beispielsweise, um Korrelationen zu berechnen oder Simulationen durchzuführen. Kleinere Organisationen haben oft die Ressourcen und Mittel nicht, um die Komplexität dieser Aufgabe zu meistern.

MS: Auch der Faktor Mensch sollte nicht unterschätzt werden. Eine Asset Allocation sollte nicht nur auf mathematischer Optimierung beruhen, sondern immer auch auf menschlichen Erfahrungen, die über mehrere Marktzyklen gemacht wurden. Es geht also darum, aus den Korrelationsanalysen und Kapitalmarktsimulationen die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Wir profitieren beispielsweise enorm von unserer langjährigen Erfahrung bei der Verwaltung des Portfolios unseres Eigentümers, der Fürstlichen Familie von Liechtenstein. Seit kurzem setzen wir diese Erfahrung auch mit einer neuen Dienstleistung um, dem sogenannten ausgelagerten Investment Office.

Worum geht es dabei?

RP: Die Grundidee ist sehr einfach: Anstatt ein eigenes, kostspieliges Investment Office mit fest angestellten Mitarbeitenden aufbauen und unterhalten zu müssen, lagern die Kunden ein solches Investment Office an die LGT aus.

Es handelt sich also um eine klassische Make-or-buy-Entscheidung. Bei einem Outsourcing an die LGT profitieren die Kunden von allen Ressourcen und der Infrastruktur der LGT – inklusive unserer Investment-Spezialistinnen und Spezialisten –, ohne sich selbst darum kümmern zu müssen.

Wie ist ein solches ausgelagertes Investment Office in der Praxis organisiert?

RP: Das wichtigste Element ist sicher das Investment Committee, das regelmässig, beispielsweise einmal im Quartal, zu Anlagemeetings zusammenkommt, um bestimmte Themen zu diskutieren und die strategischen Investmententscheide zu treffen. Zu seinen Aufgaben gehört aber auch das Anlage-Controlling, also die Überwachung der Anlagerichtlinien, der Renditen und Risiken auf Ebene des Gesamtvermögens sowie der Liquidität.

Und wie setzen Sie ein solches externes Investment Committee zusammen?

MS: In der Regel besteht dieses aus einem fixen Kernteam. Hierzu gehören in der Regel die Kundin oder der Kunde selbst oder ein von ihnen bestimmter Vertreter, sowie seitens LGT der Relationship Manager des Kunden sowie ein Investmentspezialist, der als persönlicher Investment Officer für den Kunden die Anlagesitzungen vorbereitet und leitet. Zu seinen Aufgaben gehört auch die Koordination der hinzugezogenen Fachspezialistinnen und Spezialisten.

Welche Fachspezialisten ziehen Sie üblicherweise hinzu?

MS: Das hängt immer von der konkreten Fragestellung ab. Für Themen rund um die strategische oder taktische Asset Allocation kann das beispielsweise unser Head Investment Strategy and Themes sein.

Oft geht es auch um die Nachhaltigkeit des Portfolios. Soll beispielsweise das Gesamtvermögen auf versteckte Umweltrisiken durchleuchtet werden, ziehen wir eine Kollegin oder einen Kollegen vom Nachhaltigkeits-Team hinzu. Gerade bei UHNWI geht es sehr oft um spezielle Anlageklassen wie Privatmarktanlagen oder Impact Investments.

Nebst unseren hauseigenen Spezialistinnen und Spezialisten involvieren wir bei solchen Themen auch Kolleginnen und Kollegen unserer Partnerunternehmen LGT Capital Partners und Lightrock.

Was ist aus Ihrer Sicht der wichtigste Vorteil eines solchen Setup?

RP: Ein ausgelagertes Investment Office kann wirklich massgeschneidert auf die individuelle Kundensituation eingehen. Lassen Sie mich dies an einem Beispiel verdeutlichen: Nehmen wir an, eine Unternehmerfamilie möchte von uns wissen, welche Auswirkungen wir aufgrund der aktuellen Megatrends auf Unternehmen ihrer Branche im Portfolio erwarten.

Zu diesem Zweck könnten wir einen Aktien-Spezialisten mit einer gezielten Analyse zu diesem Thema beauftragen und zusätzlich mit unseren Konjunktur- und Markteinschätzungen abgleichen.

Gemeinsam mit unserem Chief Investment Officer würde diese Analyse in das Investment Committee einfliessen, wo die Auswirkungen auf das Gesamtportfolio evaluiert werden. Auf dieser Basis diskutiert das Investment Committee, wie sich der Kunde auf ein solches Szenario vorbereiten kann und ob allenfalls notwendige Portfolioanpassungen vorgenommen werden sollen.


Für welche UHNWI-Kundinnen und -Kunden ist eine solche Dienstleistung sinnvoll?

MS: Unsere primäre Zielgruppe sind Familien, aber auch Stiftungen, mit Vermögen im Bereich von 50 bis 300 Millionen Franken. Für Vermögen in dieser Grössenordnung ist ein eigenes Investment Office in der Regel zu teuer.



Riccardo Petrachi ist seit 2016 bei der LGT Bank Schweiz als Leiter der UHNWI Solution Partners und seit 2021 als Leiter des UHNWI Europa bei LGT Private Banking tätig. Nach Stationen im Investmentbanking, unter anderem bei Goldman Sachs in New York, London und Zürich, arbeitete er in führenden Positionen im Private Banking der UBS sowie als Leiter des Private Banking bei der Rothschild Bank in Zürich.

Mark Schindler ist seit 2019 bei der LGT Bank Schweiz als Senior Investment Consultant UHNWI tätig und leitet seit 2022 das Schweizer Investment Consulting UHNWI-Team. Zuvor arbeitete er bei verschiedenen Banken und Vermögensverwaltern als Portfoliomanager in den Bereichen Alternative Investments, Hedge Funds sowie Multi-Asset Class Portfolios und war als Financial Risk Consultant bei Arthur Andersen tätig.



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