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CV VC-Report 2025: Stiftungen wie Ethereum stabilisieren den Marktwert. Die «Telegram-Blockchain» rettet das Investitionsvolumen und die Unicorns werden rarer. +++ Dazu: Solana im Meme-Tief +++ Kryptobörsen im Sponsoring-Wahnsinn.
17. April 2026 • Werner Grundlehner

Kam der Abgesang auf das Crypto Valley zu früh? Der aktuelle «CV VC Crypto Valley Top 50 and Ecosystem Report» bestätigt das – auf den ersten Blick: Die Schweizer Kryptoindustrie hat 2025 die Hälfte des europäischen Risikokapitals angezogen. Damit baue die hiesige Industrie ihre Position auf dem Kontinent aus, heisst es im Bericht.



Und in den Short Cuts diese Woche:
• Solana im Meme-Tief
• Kryptobörsen im Sponsoring-Wahnsinn


Mit 1766 aktiven Unternehmen erreicht der Standort einen neuen Höchststand, wobei die Bewertung der 50 führenden Firmen mit 467 Milliarden Dollar angegeben wird. Wenig überraschend nach der heftigen Korrektur im Kryptobereich im vergangenen Herbst erreichte die Bewertung vor Jahresfrist annähernd 600 Milliarden Dollar – verzeichnete damals aber zum Vorjahr eine Wachstumsrate von über 50 Prozent. In erster Linie verdankt das Crypto Valley sein Marktgewicht dabei dem Umstand, dass wichtige Blockchain-Stiftungen ihren Sitz in die Schweiz, d. h. in Zug, gelegt haben. Die bekanntesten sind Ethereum, Solana, Cardano, Polkadot, Internet Computer, Hedera, Cosmos oder Tezos.

Blockchains im Überlebenskampf

Ethereum verlor im Jahresverlauf 2025 etwas mehr als 10 Prozent an Wert. Es fällt aber auf, dass andere Blockchains aus dem Crypto Valley mit hohen Werteinbussen zu kämpfen haben. Cardano, Polkadot, Hedera, Internet Computer haben zwischen fast 60 bis deutlich über 70 Prozent eingebüsst. «Wertverluste sind bei den gelisteten Protokollen in dieser Branche normal und oft marktgetrieben», sagt Mathias Ruch, Gründer und CEO von Crypto Valley Venture Capital (CV VC).

Angesichts solcher Wertverluste fragt sich der Beobachter jedoch, ob gewisse Projekte im Crypto Valley nun mit Existenzproblemen kämpfen. Das Thema Treasury kann gemäss Ruch schnell zu einer Herausforderung werden, wenn es nicht professionell gemanagt wird. Denn viele Protokoll-Stiftungen halten ihre Reserven grösstenteils in eigenen Token. Wenn der Wert dieser Token dauerhaft tief bleibt, schrumpft der Runway für Entwicklung, Aktivitäten und Ökosystem-Aufbau.

«Wichtig sind auch strukturelle Effekte: z. B. fehlende Entwickleranreize, zu wenig Liquidität oder auch Sicherheitsaspekte», sagt der CVVC-CEO. Solange ein professionelles Treasury-Management, Aktivität, Nutzerwachstum und Anwendungsfälle bestehen, seien aber auch Rückgänge verkraftbar. Kritisch werde es, wenn die Probleme überall gleichzeitig auftreten. Ruch fasst zusammen: «Wer die Hausaufgaben frühzeitig gemacht hat, über eine solide Technologie und aktive Community verfügt, übersteht auch einen Bärenmarkt».

Ein Projekt sammelt 400 Millionen ein

Im vergangenen Jahr flossen über Finanzierungsrunden 728 Millionen Dollar in Blockchain-Unternehmen im Crypto Valley. Das entspricht einer Zunahme von 37 Prozent zum Vorjahr. Somit fliessen fast 50 Prozent der europäischen Risikokapitalinvestitionen im Blockchain-Sektor in die Schweiz. Was auf den ersten Blick wie Wachstum und die Verschiebung zu mehr Substanz aussieht – die Anzahl der Finanzierungen sank und die durchschnittlichen Volumina der einzelnen Deals stiegen –, ist in Wirklichkeit eine Transaktion, welche die Statistik verzerrt. Der grösste Einzeldeal entfiel auf TON mit einer Finanzierung über 400 Millionen Dollar.

Die Layer-1-Blockchain TON wurde 2018 von den Telegram-Gründern als «Telegram Open Network» lanciert und sollte die Messaging-App in ihren Anwendungen erweitern. Nachdem die US-Börsenaufsicht den Token-Verkauf von Telegram untersagt hatte, entwickelten ab 2020 unabhängige Entwickler die Codebasis unter dem Namen «The Open Network» als Stiftung weiter. Bereits im Jahr 2024 hatte Pantera Capital 20 Millionen in TON investiert. Das Ziel des Projekts ist es, durch Mini-Apps, Wallet-Integrationen und In-Chat-Zahlungen direkt in die riesige Telegram-Nutzerbasis eingebettet zu sein.

Er sehe grosses Potenzial bei In-App-Zahlungen, sagt ein Experte für digitales Zahlen. Telegram verfüge bereits über einen solide umgesetzten Stablecoin, Signal habe bereits eine Zahlungslösung, ebenso WhatsApp – jedoch nur in den USA. «Die Anzahl der Mobile-User steigt kontinuierlich, mit dem Aufkommen von SuperApps wird Banking innerhalb des Ökosystems immer wichtiger, besonders in Asien. In Regionen, in denen die Menschen keinen Bankzugang haben, ist das Telefon Nummer eins für Payment», führt der Experte aus.

Einige Unicorns verendeten

Im Report des vergangenen Jahres fällt auch auf, dass die Zahl der Unicorns von 17 auf 10 gefallen ist. Der Ausdruck Unicorn stammt aus der traditionellen Finanzwelt und bezeichnet Unternehmen, die eine Bewertung von über einer Milliarde erreicht haben und bereit wären für einen Börsengang. Im Report wird zwischen zwei Kategorien unterschieden: Public Valuations (gelistete Token) und Private Valuations (traditionelle Unternehmen). Der Rückgang der Unicorns ist primär eine Folge der Bewertungslogik: Für Token-Projekte zählt die Marktkapitalisierung per 31. Dezember 2025. Wer unter 1 Milliarde Dollar fällt, scheidet automatisch aus.

«Das ist ein Stichtagseffekt und es reflektiert vor allem Marktvolatilität, nicht zwingend die Qualität der Projekte», sagt Ruch. Bei den Private Valuations sei der Hauptgrund ein anderer: 21Shares wurde akquiriert und erfülle damit die Kriterien nicht mehr. Das Unternehmen sei kein eigenständiges Schweizer Unternehmen mehr.

Ob die 1-Milliarden-Schwelle für traditionelle IPO-Kandidaten überhaupt sinnvoll ist, sei tatsächlich eine offene Debatte, fügt der CVVC-CEO an. Die klassische Unicorn-Definition stamme aus einer Zeit, in der private Bewertungen das primäre Signal für Reife waren. «Im Blockchain-Kontext haben wir es oft mit öffentlich gehandelten Token-Projekten zu tun, deren Marktkapitalisierung täglich schwankt – das ist etwas fundamental anderes als eine geprüfte Unternehmensbewertung im Vorfeld eines IPOs. Die Schwelle ist eine Art Benchmark, aber wir sind uns bewusst, dass sie nur einen Teil der Wirklichkeit abbildet», so Ruch.

Nur ein Teil in der Schweiz

Für den Wirtschaftsstandort wäre auch noch wichtig zu wissen, wie viele Arbeitsplätze die Kryptoindustrie bietet und neu geschaffen hat. Hier gibt der Report keinen Aufschluss. «Seit der 2024er-Ausgabe haben wir die Methodik geändert und dabei bewusst auf Mitarbeitendenzahlen verzichtet. Öffentliche Daten, etwa von LinkedIn, sind zu ungenau, und bei global organisierten Projekten wie Ethereum, Solana oder Cardano ist eine geografische Zuordnung kaum belastbar», sagt Mathias Ruch. Die Einschätzung von CV VC sei: Strategische, rechtliche und teilweise technologische Funktionen seien weiterhin in der Schweiz verankert, während die operative Umsetzung global verteilt sei. Die Schweiz sei oft der Ort von Struktur und Governance.

Wichtig für das Gedeihen des Krypto-Ökosystems sind die regulatorischen Rahmenbedingungen. Während die Schweiz mit der frühen und innovativen DLT-Gesetzgebung einst einen deutlichen Vorsprung gegenüber anderen Jurisdiktionen aufwies, fiel das Crypto Valley in den vergangenen Jahren punkto gesetzlicher Rahmenbedingungen zurück. Ein Rückschlag war etwa eine Aufsichtsmitteilung zur Herausgabe von Stablecoins durch die Finanzmarktaufsicht (Finma) im Juli 2024. Die Golfregion, Singapur und in den vergangenen Jahren die Vereinigten Staaten schienen da viel eher Nägel mit Köpfen zu machen.

Umstrittene US-Regulation

«In vielen Gesprächen mit Krypto-Unternehmen in den USA habe ich festgestellt, dass diese mit Bewunderung auf die europäische MiCA-Regulierung schauen», sagt der CEO eines Schweizer Kryptodienstleisters. Denn trotz Clarity- und Genius-Act sei in den Vereinigten Staaten vieles umstritten und weniger klar, als hier oft angenommen wird. Der führende Dollar-Stablecoin operiere deshalb noch immer aus El Salvador heraus.

In der Schweiz ist zuletzt wieder Bewegung in die Krypto-Regulierung gekommen. Die Chance besteht, dass ein mit MiCA vergleichbarer Gesetzesrahmen entsteht – und regulatorische Bedenken ausräumt. Zudem haben geopolitische Unruhen viele aufstrebende Krypto-Konkurrenten zurückgebunden, vor allem jene am Golf – etwa Abu Dhabi. Mit der Wahl von Donald Trump und seinen Bestrebungen, die USA zur «Heimat von Bitcoin» zu machen, schien das Land zum neuen Eldorado der Kryptoindustrie zu werden. Doch mit seiner Unberechenbarkeit – und seinen dreisten Selbstbereicherungen – hat Trump viele Investoren verunsichert. Die Chancen stehen also gut, dass die Zahlen zum Crypto Valley im nächsten Report (noch) besser aussehen.

Der Abgesang kam zu früh

Auch für Mathias Ruch kam der Abgesang auf das Crypto Valley übereilt – vor allem im aktuellen geopolitischen Kontext: «Sicher, andere Jurisdiktionen haben aufgeholt, die USA haben grosse Impulse ausgelöst mit ihrem Regulierungsansatz, Asien war schon immer stark und die Vereinigten Arabischen Emirate haben sich zumindest regulatorisch hervorragend positioniert». Doch er setzt ein «Aber». Die grossen Protokoll-Stiftungen seien in der Schweiz – nicht gegangen. Das Crypto Valley wachse zwar weniger stark. Wenn man die Zahlen aber mit den Unternehmensfinanzierungen vergleiche, also wie viel Geld auf welche Art in Blockchain-Unternehmen in der Schweiz investiert werde, dann zeige sich aufgrund der geringeren Anzahl Deals bei gleichzeitig höherem Investitionsvolumen, dass das Crypto Valley reifer, resilienter und vielleicht sogar qualitativ hochstehender geworden sei.

«Derzeit bestehen Lücken zu den führenden regulatorischen Hubs, das bremst die Dynamik. Resilienz und Stabilität stärken aber langfristig auch das Vertrauen. Wir können auf ein über viele Jahre entstandenes Ökosystem mit stabilem Regulierungsrahmen, institutionellem Know-how und einer grossen Dienstleistungslandschaft bauen», so der CVVC-Präsident. Das Crypto Valley verliere nicht an Relevanz, sondern entwickle sich zum globalen Infrastruktur- und Vertrauenshub.




Short cuts: News aus der digitalen Welt


Solana im Meme-Tief

Die Krypto-Branche ist seit vergangenem Herbst im Tief. Das Industrie-Barometer, der Bitcoin, hat seit Ende September 2025 rund 60 Prozent nachgegeben. Solana dagegen ist in diesem Zeitraum um zwei Drittel eingebrochen und in der Rangliste der grössten Kryptowährungen nach hinten gerutscht. Noch vor Jahresfrist herrschte eine grosse Begeisterung um die «Meme-Blockchain». Der Kurseinbruch wurde auch nicht mit der Lancierung der ersten Solana-ETFs Ende Oktober 2025 gestoppt. Diese ermöglichen Retail- und institutionellen Investoren ein einfacheres Investment. Kritiker werfen den Meme-Coins mangelnden Nutzen vor, bemängeln die extremen Kursschwankungen und den oft rein spekulativen Charakter. Pepe the Frog, Fartcoin, Bonk, Dogwithhat und alle anderen hätten keine nachhaltige Rolle im Finanzsystem, sondern seien nur ein kurzlebiges Experiment.

Wenig zur Vertrauensbildung von Meme-Coins und Solana dürfte auch der $TRUMP des US-Präsidenten Donald Trump beigetragen haben, der im Januar 2025 lanciert wurde. Das Umfeld des Präsidenten lancierte ebenfalls den WLFI (World Liberty Financial) Coin, den Barron Trump Coin und den $Melania. Alle diese Meme-Coins stehen im Verdacht, vor allem zur Bereicherung der Familie Trump lanciert worden zu sein. Entwickler führen oft an, dass Meme-Coins keinen klassischen Nutzen erfüllen, doch sie würden Bewegung, Sichtbarkeit und Liquidität auf die Blockchain bringen, und dies sei ihr eigentlicher Wert. Doch in einer risikoaversen Welt ist das zu wenig, um Investoren zu überzeugen. Der Traum von der Herausforderung von Ethereum muss Solana wohl (vorläufig) begraben. Auch die Blockchain von Vitalik Buterin hat an Beachtung, d. h. Wert, verloren. Aber wichtige Projekte, etwa in den Bereichen Stablecoins oder Tokenisierung, bauen weiter auf Ethereum.


Kryptobörsen im Sponsoring-Wahnsinn

Wer den Champions-League-Match zwischen Bayern München und Real Madrid verfolgte, der stolperte wahrscheinlich auch mehrmals über Bitpanda. Die österreichische Kryptobörse ist einer der Sponsoren des deutschen Rekordmeisters. Aber nicht nur das: Bitpanda ist auch Partner von Arsenal FC sowie der ATP-Tennisspieler Dominic Thiem, Alexander Zverev, Stan Wawrinka und Gaël Monfils. Zudem unterstützt die Kryptobörse die NFL (National Football League) in Europa und ausgewählte Football-Spieler. Bitpanda meint dazu, es verfolge die Strategie, nur mit Partnern zusammenzuarbeiten, die in ihrem Bereich Marktführer oder Gamechanger seien – also Potenzial hätten, um das Thema Krypto-Investments in den Mainstream zu rücken.

Der Markt ist umkämpft und es gibt zahlreiche Anbieter. Also muss man sich dem Kunden in Erinnerung rufen. Das ist teuer, auch wenn die Margen und Gewinne der Unternehmen noch dünn sind – wenn überhaupt vorhanden. Dass dies schnell ins Auge gehen kann, zeigte sich in den vergangenen Tagen bei der osteuropäischen Kryptobörse Zondacrypto. Im Sportsponsoring konzentriert sich dieses Unternehmen auf den italienischen, polnischen und Schweizer Markt. Das Unternehmen setzt dabei auf eine Mischung aus traditionsreichen Fussballvereinen, erstklassigem Radsport und prominenten Markenbotschaftern. Zu den Sponsoringpartnern gehören die italienischen Fussballclubs Juventus Turin, Bologna FC, Atalanta Bergamo, Parma Calcio und der polnische Verein Raków Częstochowa. Zudem hält das Unternehmen die Namensrechte am Stadion des Eishockeyclubs HC Davos. <&/p>

Auch im Radsport ist Zondacrypto prominent vertreten, als Premium-Partner der Tour de Suisse, Titelsponsor des Frauenteams Canyon / SRAM Racing, des Giro d’Italia Women und der Tour de Pologne. Daneben unterstützt die Kryptobörse einzelne Fussball- und Tennisspieler sowie Radrenn- und F1-Fahrer. In einem schwachen, über längere Zeit seitwärts laufenden Markt sinkt das Interesse der Retail-Investoren und damit das Handelsvolumen. In den vergangenen Tagen kam es zu Berichten über die Illiquidität von Zondacrypto. Das muss nicht nur die Kunden beunruhigen, sondern auch Sportvereine und Sportler sowie deren Fans.

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