Wealth
Viele Unternehmerfamilien tun sich mit der Regelung der Nachfolge schwer. Genau deshalb lohnt es sich, diese frühzeitig anzugehen.
24. April 2026 • Dietmar Arzner, LGT Bank*

Wie dringlich nicht nur eine frühzeitige, sondern auch eine umfassende Nachfolgeplanung ist, verdeutlicht der Fall eines Unternehmers: Seine Vermögensnachfolge war lückenhaft, obwohl er sich frühzeitig mit seiner Vermögensnachfolge auseinandersetzte. So passte er im Verlauf der Jahre das Testament mehrfach an. In der letzten Fassung war neu geregelt, dass seine Unternehmensanteile im Ablebensfall nicht nur an seinen leiblichen Sohn, sondern auch zur Hälfte an seine Ehefrau übergehen sollen, die er vor kurzem geheiratet hatte.

Als der langjährige Firmenlenker unerwartet verstarb, stellte sich heraus, dass der Gesellschaftsvertrag des Unternehmens auf die neue testamentarische Erbeinsetzung der Ehefrau nicht abgestimmt war. Der Gesellschaftsvertrag sah nur leibliche Abkömmlinge als nachfolgende Gesellschafter vor. Die Ehefrau wurde folglich nicht Gesellschafterin und erwarb stattdessen einen Abfindungsanspruch gegenüber der Gesellschaft. Die Liquidität musste kurzfristig beschafft werden und war für das Unternehmen existenzbedrohend.

Geordneter Vermögenstransfer ist anspruchsvoll

Dieses Beispiel ist kein Einzelfall: Ein geordneter Vermögenstransfer ist anspruchsvoll und voller Fallstricke. In regelmässigen Abständen berichten die Medien über Konflikte bei der Nachfolgeregelung, die langjährige juristische Auseinandersetzungen zur Folge haben. Diese verursachen nicht nur hohe Kosten, sondern können auch die Existenz eines Unternehmens gefährden.

Dabei geht es nicht um die Vermeidung von Konflikten per se. Denn wenn Familien bei Konflikten mit Unternehmensbezug das Private und Familiäre weitestgehend aussen vor lassen, kann sich dadurch Positives entwickeln. Werden Konflikte sachlich und fair ausgetragen, kann dies die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens stärken, zum Beispiel wenn es um die grundsätzliche Ausrichtung des Unternehmens geht.

Vielfach verfügen erfolgreiche Unternehmerfamilien einerseits über ein verbindliches, familieninternes Regelwerk, eine sogenannte Governance. Diese hilft, Konflikte zu vermeiden oder zumindest deren konstruktive Bewältigung zu unterstützen. Andererseits diskutieren diese Familien schon frühzeitig über die Unternehmensnachfolge und gestalten das Vorgehen beim Vermögenstransfer vorausschauend und mit praktikablen Regelungen.

Wer will und wer kann die Nachfolge übernehmen?

In manchen Unternehmerfamilien scheint es fast schon ein Tabu zu sein, über die Nachfolge zu sprechen. Dadurch können unausgesprochene Annahmen entstehen.

Ein Familienunternehmer im Bereich der Maschinenindustrie ging beispielsweise jahrelang davon aus, dass seine Kinder kein Interesse am Unternehmen hätten. Die Tochter bereitete sich jedoch für die Unternehmensübernahme vor. Als sie von den Verkaufsplänen des Vaters erfuhr, fiel sie aus allen Wolken. Mangelnde Kommunikation rund um die Unternehmenszukunft kann nicht nur zu Ärger in der Familie führen. Sie kann auch die Zukunft des Unternehmens beeinträchtigen.

Daher ist es essenziell, dass die Unternehmerinnen und Unternehmer gemeinsam mit der Familie mögliche Optionen sowie die individuellen Wünsche diskutieren. Ein besonderes Augenmerk sollte dabei auf die Werte der Unternehmerfamilie gelegt werden. Was hat die Familie bisher miteinander verbunden? Gab es eine gemeinsame Idee? Welche Rolle spielt das Unternehmen über das Finanzielle hinaus? Wer aus der Familie soll eine Rolle im Unternehmen spielen – oder auch nicht? Was sind Dinge, die nach der Nachfolge geändert werden können oder sollen?

Mit Familienregeln lassen sich Konflikte vermeiden

Es wurde bereits kurz erwähnt: Mit einem verbindlichen, familieninternen Regelwerk (Governance) lassen sich Konflikte vermeiden. Bei Unternehmerfamilien sollten die Regelungen die vier Bereiche Unternehmen, Eigentum, Vermögen und Familie abdecken:

Corporate Governance: Sie befasst sich mit Führungsstrukturen, Kontrollgremien und den professionellen Managementprozessen im Familienunternehmen, um dessen Führung effizienter, transparenter und im Interesse der Eigentümerfamilie zu gestalten.

Ownership Governance: Sie bezieht sich auf die Regelung der Eigentümerstruktur und -rechte der Familie im Unternehmen. Sie definiert, wie Eigentumsanteile verteilt, übertragen und ausgeübt werden, und wie die Eigentümergemeinschaft zusammenarbeitet.

Wealth Governance: Sie regelt die Verwaltung des Gesamtvermögens der Familie über Generationen hinweg. Das beinhaltet über das Familienunternehmen hinaus auch andere Vermögenswerte wie Immobilien, Beteiligungen oder Finanzanlagen.

Family Governance: Damit wird die familieninterne Organisation, Kommunikation und Wertevermittlung gestaltet. Strukturen wie Familienräte, Familienversammlungen oder eine Familienverfassung stärken den Zusammenhalt, minimieren Konflikte und fördern gemeinsame Werte und Ziele.

Jede Familie ist anders

Eine professionelle Nachfolge hilft die Zukunft des Familienunternehmens zu sichern und kann durchaus auch dessen Wettbewerbsfähigkeit stärken, wenn frühzeitig die Weichen für eine geordnete Nachfolge gestellt werden. Dazu braucht es kompetente Fachexpertinnen und -experten. Denn letztlich muss jede Unternehmensnachfolge individuell angegangen werden. Jedes Familienunternehmen hat seine eigenen Bedürfnisse. Wurde eine Nachfolgeplanung einmal aufgesetzt, gilt es, diese kontinuierlich zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen, denn Familien entwickeln sich weiter.



*Dietmar Arzner ist Co-Head Wealth Planning & Strategic Solutions von LGT Private Banking.

MEHR ZUM THEMA


«Es geht um den Beitrag, nicht um die Anerkennung»

Angesichts immer komplexer werdender globaler Herausforderungen erklären die Philanthropie-Experten Silvia Bastante de Unverhau, Head Philanthropy Advisory, LGT Bank Schweiz, und Oliver Karius, Partner LGT Venture Philanthropy, wie sich Familien und Fördernde an die neuen Bedingungen anpassen können - und warum langfristiges Denken wichtiger denn je ist.
27. März 2026

Die Fürstliche Strategie der LGT: Investieren über Generationen hinweg

Familien planen für die nächste Generation. Es ist ein Denken, das auf Stabilität, Substanz und die Schaffung von Werten ausgerichtet ist. Was aber, wenn genau diese Haltung zur Anlagephilosophie wird?
27. März 2026