CH Media
CH Media aus dem Aargau spannt mit Leonteq zusammen und vermarktet strukturierte Produkte unter eigenem Label. Damit will der Verlag Erfahrungen sammeln – und nebenbei den Journalismus finanzieren.
12. September 2025 • Beat Schmid

In Zeiten wegbrechender Werbeeinnahmen und schrumpfender Printauflagen müssen Verlage nach neuen Einnahmequellen suchen. Das drittgrösste Verlagshaus der Schweiz wagt sich nun aufs Terrain der Finanzprodukte. Unter der Marke des Zeitungstitels «Schweiz am Wochenende» (SaW) vermarktet das Aargauer Verlagshaus Tracker-Zertifikate, die drei Anlagestrategien nachbilden – je nach Risikoneigung können Anlegerinnen und Anleger in ein konservatives, in ein balanciertes oder ein dynamisches Portfolio investieren.

Als Emittentin tritt nicht der Verlag auf, sondern die Derivate-Boutique Leonteq. Technisch handelt es sich um ein ETP (Exchange Traded Product). Die Strategien wiederum wurden von Adaptivv entwickelt, einem Finanz-Startup, bei dem unter anderem der frühere Leonteq-Sales-Mann Stefan Buck, auch bekannt als Frontmann der Gruppe Hecht, als Partner aktiv ist.

Im Werbetext heisst es, die «SaW-SmartAdapt-Portfolios» seien eine Alternative zu klassischen Strategiefonds und würden auf einer an der ETH entwickelten Methode basieren, die bisher bei institutionellen Investoren im Einsatz war. «Nun können auch private Anleger davon profitieren», heisst es weiter.

Ein Backtesting soll zeigen, dass die Strategien in etwa die Performance vergleichbarer Produkte erreichen. Laut einem angefragten Experten bewegen sich die Renditen etwa im Rahmen anderer, ähnlich gelagerter Produkte. Beim Balance-Portfolio liegt die Aktienquote zwischen 20 und 65 Prozent, beim dynamischen Portfolio zwischen 40 und 85 Prozent. Die Gesamtkostenquote beträgt 0,8 Prozent. Hinzu kommen allerdings noch die Depotgebühren der Bank. Das ist höher als bei vielen passiv umgesetzten Strategien.

Auf Anfrage teilte CH Media mit, der Verlag erhalte «einen kleinen Anteil von rund einem Drittel der jährlichen Gebühren von 80 Basispunkten». Angenommen, es gelingt, 10 Millionen Franken in die Strategien zu platzieren, würden nur rund 26’000 Franken an das Verlagshaus fliessen. Es ist davon auszugehen, dass der Verlag sich wesentlich höhere Ziele gesetzt hat. «Wir haben uns keine konkreten finanziellen Ziele gesetzt und wollen mit der Vermarktung dieser innovativen Produkte Erfahrungen sammeln», sagte die Sprecherin von CH Media.

Neuland für ein grosses Verlagshaus

Der Verlag hält zudem fest, man reagiere damit auf ein wachsendes Bedürfnis der Leserschaft nach «konkreten Anlagemöglichkeiten» und nutze die «redaktionelle Expertise, um mit ausgewählten Partnern konkrete Leserangebote zu vermarkten». Bereits seit vielen Jahren betreibt Finanz-Experte François Bloch einen Börsen-Blog, der mit seinen Empfehlungen in der «Schweiz am Wochenende» eine grosse Fan-Community aufgebaut hat. In den Facts-Sheets wird denn auch explizit auf Bloch verwiesen: Der Experte empfehle die Portfolios, heisst es da.

Als grosses Verlagshaus beschreitet CH Media Neuland mit den Finanzprodukten. Bislang waren es meist auf Anlagethemen spezialisierte Medien, die gelabelte Finanzprodukte ihren Lesern anbieten, wie etwa die «Finanz & Wirtschaft», die ebenfalls mit Leonteq zusammenspannt und ETPs im Programm hat, die verschiedene Aktienportfolios nachbilden. Die Finanzplattform Ellexx wiederum hat mit der Migros Bank einen Tracker entwickelt, der einen Gender Equality Basket nachbildet. Drei Jahre nach Lancierung liegt das Produkt im Minus, wenn auch nicht mehr so stark wie in den Monaten nach dem Launch.

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