Wende in der Energiepolitik: Der Versicherungsriese will keine neuen Förderprojekte im Bereich fossiler Energien versichern.
8. April 2024 • Beat Schmid

Die Zurich Insurance Group will keine neuen Öl- und Gasprojekte mehr versichern und bei Kohleunternehmen künftig die Schraube härter anziehen. Zu den neuen Auflagen gehören auch, dass die Firmenkunden mit den grössten Emissionen aufgefordert werden, ihren CO₂-Fussabdruck zu senken.

Sierra Signorelli, Chief Executive of Commercial Insurance bei Zurich, sagte in einem Interview, die Entscheidung stehe im Zusammenhang mit dem erklärten Ziel, die Emissionen bis 2050 auf netto null zu reduzieren. Als Teil des Übergangs zu einer kohlenstofffreien Energieerzeugung sei es «nicht notwendig, weiter in die Entwicklung fossiler Brennstoffe zu investieren». «Wir glauben, dass jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen ist, um unsere Position zu ändern», sagte sie zu Bloomberg.

Die Entscheidung des Versicherungskonzerns markiert einen Wendepunkt. Im vergangenen Jahr generierte die Zürich mit der Übernahme von Risiken aus Infrastrukturinvestitionen in fossile Brennstoffe und alternative Energien Prämien von rund 2,1 Milliarden Dollar. Dies entspricht 7 Prozent der gesamten Prämieneinnahmen des Versicherers mit Unternehmenskunden.

Eine Power-Point-Präsentation reicht nicht

Der Deckungsausschluss betrifft neue Projekte im Bereich fossiler Energien. Für bestehende Anlagen bietet die Zürich weiterhin Versicherungsschutz. Nach Angaben von Signorelli wird die Änderung der Geschäftspolitik keine signifikanten Auswirkungen auf das Ergebnis haben. Weitere Details zur künftigen Klimapolitik sollen im Verlauf des Jahres bekanntwerden. Die US-Amerikanerin Signorelli ist seit 2021 CEO Commercial Insurance und Mitglied der Konzernleitung.

Die Zürich verlang ein verbindliches Engagement von ihren Kunden, den CO₂-Ausstoss zu senken. So müssen Firmen aus dem Öl- und Gassektor mittelfristig klare Ziele zur Emissionsreduktion liefern. Signorelli sagte, die Kunden müssten damit rechnen, dass sie aufgefordert würden, «sinnvolle Investitionen» in Richtung Netto-Null-Ziele nachzuweisen. Eine Power-Point-Präsentation reiche nicht aus. Wenn es keine wirklichen Fortschritte gebe, würde die Versicherung eine Beendigung der Kundenbeziehung in Betracht ziehen.

Die Zürich war Gründungsmitglied der Net Zero Insurance Alliance (NZIA), die im Rahmen des Klimagipfels in Glasgow ins Leben gerufen wurde und Teil der GFANZ ist. Inzwischen ist sie, wie andere grosse Versicherer auch, wieder aus der Allianz ausgetreten. Von den ursprünglich acht Gründungsmitgliedern sind noch zwei dabei (Generali und Aviva). Weitere Aussteiger sind Swiss Re, AXA und Allianz.

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