Bonussaison
Die UBS erhöht die Lohnsumme für ihre Angestellten um 2,25 Prozent. Die Anpassung gilt auch für die Belegschaft der Credit Suisse. Für hochbezahlte CS-Kader hingegen wird es enger.
28. Januar 2024 • Beat Schmid

Dem Entscheid war ein zähes Ringen zwischen der UBS-Spitze und den Personalkommissionen vorausgegangen. Nun ist klar: Die Grossbank wird die Löhne um 2,25 Prozent erhöhen – und zwar für die Mitarbeitenden der UBS und der übernommenen Credit Suisse. Eine Sprecherin bestätigt entsprechende Recherchen. Die Lohnerhöhung betreffe «die in der Schweiz tätigen Mitarbeitenden von UBS und Credit Suisse bis und mit mittlerem Kader», schreibt die Sprecherin in einer schriftlichen Stellungnahme. Die Anpassung um 2,25 Prozent tritt per 1. März in Kraft. Damit liege die Erhöhung leicht über der Prognose, welche die hauseigenen Ökonomen für die Finanzbranche erstellt hätten, heisst es weiter.

Konkret betrifft die Lohnerhöhung alle Mitarbeitenden, die unter den Gesamtarbeitsvertrag der Branche fallen. Doch nicht alle erhalten automatisch mehr Geld aufs Konto überwiesen. Wie die Bank schreibt, erfolgen die Lohnanpassungen «markt-, funktions- und leistungsorientiert». Das bedeute, dass der Prozentsatz der Salärerhöhung individuell nicht zwingend bei 2,25 Prozent liege, sondern nach oben und unten abweichen könne, so die Bank.

Dass die Löhne nur individuell erhöht werden, stösst auf Kritik. «Wir bedauern, dass die UBS keine generelle Lohnerhöhung vornimmt», sagt Natalia Ferrara, Geschäftsführerin des Schweizerischen Bankpersonalverbands (SBPV). Ihre Organisation hatte sich für eine Lohnanpassung von fünf Prozent eingesetzt. Vor allem die Arbeitnehmenden, die seit mehreren Jahren leer ausgegangen seien, müssten angesichts der Teuerung und der sprudelnden Bankgewinne nun eine Lohnerhöhung erhalten, argumentierte der Verband schon vor Monaten. Der SBPV schloss sich der Forderung des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes an, der ebenfalls fünf Prozent verlangte.

Nur jeder Dritte bekommt mehr Lohn

Angesicht der bevorstehenden Massenentlassungen kann der Verband die durchgeboxte Lohnerhöhung als Erfolg verbuchen. UBS-Chef Sergio Ermotti stellte letzten Sommer die Zahl von 3000 Entlassungen in den Raum, die wegen der Vollintegration bis Ende 2025 in der Schweiz ausgesprochen werden müssen. Insgesamt werden aber viel mehr Stellen wegfallen, da Frühpensionierungen und freiwillige Abgänge in dieser Zahl nicht eingerechnet sind.

Aktuell beschäftigen UBS und Credit Suisse in der Schweiz rund 37’000 Personen. Von den Lohnerhöhungen dürfte aber nur jeder dritte Mitarbeitende profitieren. Das bedeutet, dass die Fixlöhne von rund 24’000 Angestellten unverändert bleiben. Für Bankmitarbeiter mit hohen Löhnen ist das Fixgehalt zwar auch wichtig. Aber für sie ist der jährliche Bonus der entscheidende Faktor, der darüber bestimmt, ob das Jahr gut oder mittelmässig war.

Die Bonussaison ist in vollem Gange. Jetzt legen Geschäftsleitungen und Verwaltungsräte die Höhe des Bonustopfes fest. Bei UBS und Credit Suisse ist die Stimmung dieses Jahr besonders angespannt, weil die Boni erstmals aus einem einzigen Topf gespiesen werden. Wie hoch der Bonus ausfallen wird, ist noch nicht in allen Details geklärt. Im vergangenen Jahr hatte die UBS insgesamt 3,3 Milliarden Franken ausgeschüttet. Bei der Credit Suisse waren es 1,6 Milliarden. Es ist nicht ausgeschlossen, dass der Bonustopf für 2023 die Marke von 5 Milliarden Franken übersteigt.

Die kombinierte Grossbank zählte Ende September 2023 115’981 Vollzeitstellen. Das sind rund 3100 weniger als drei Monate zuvor. Im vierten Quartal dürfte die Zahl weiter gesunken sein. Schüttet die UBS 5 Milliarden aus, ergibt dies eine durchschnittliche variable Vergütung von mindestens 44’000 Franken pro Vollzeitstelle. Im Vorjahr waren es 45’000 Franken bei der UBS und 31’000 Franken bei der CS.

Lohnunterschiede nivellieren

Es wird aber auch viele CS-Kader geben, die dieses Jahr deutlich weniger oder gar keinen Bonus erhalten. Das betrifft vor allem Arbeitnehmende in hochbezahlten Positionen. Es war ein offenes Geheimnis auf dem Schweizer Bankenplatz, dass die CS ihren Angestellten stets mehr zahlte als die UBS. Spitzenverdiener in der Schweizer Einheit der CS erhielten zum Teil über 20 Prozent höhere Fixlöhne als ihre gleichrangigen Kollegen bei der UBS. Dazu kamen höhere variable Vergütungen. Damit soll nun Schluss sein. Die sogenannten Lohnbänder der beiden Grossbanken werden einander angeglichen. Dies geschieht über die Boni und teilweise über eine Reduktion der Fixlöhne bei den Spitzenverdienern.

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