Asset-Management
Der krisengeschüttelte Asset-Manager sucht seit Monaten nach einem Käufer. Obwohl das Unternehmen günstig zu haben wäre, hat bisher noch niemand angebissen. Dafür gibt es Gründe.
9. November 2022 • Beat Schmid

Der Schweizer Asset-Manager GAM kämpft seit Jahren gegen eine schwere Krise. Gestern gingen die Aktien zu einem Preis von 74 Rappen aus dem Handel. Die Titel verloren in den letzten fünf Jahren 95 Prozent ihres Wertes. In diesem Jahr beträgt das Minus knapp 50 Prozent. Mittlerweile wird der einst stolze Asset-Manager noch mit 118 Millionen Franken an der Börse bewertet.

Im Juli tauchten Gerüchte auf, dass GAM in Verkaufsverhandlungen stehe, worauf die Aktie zu einem kurzen Höhenflug ansetzte. Tatsächlich hat das Unternehmen damals Schritte unternommen, sich mit einem Partner zusammenzutun. Wie Tippinpoint berichtete, wurde J.P. Morgan beauftragt, nach einem Käufer zu suchen.

Doch offenbar ist das Unternehmen mit Sitz im Zürcher Prime Tower noch nicht auf den richtigen Partner gestossen. Gemäss Recherchen hat Swisscanto, der Asset Manager der Zürcher Kantonalbank (ZKB), ein Auge auf GAM geworfen. Doch wie eine involvierte Person sagt, habe man den Plan wieder verworfen.

Für Swisscanto, die 217 Milliarden Franken verwaltet, sei GAM mittlerweile zu klein, heisst es. Zudem gebe es kulturelle Probleme. Die beiden Unternehmen erfolgreich zusammenzuführen, sei nur schwer vorstellbar. Weder Swisscanto noch GAM wollten sich zu möglichen Gesprächen äussern.

Zweiter Anlauf von Swisscanto

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Swisscanto für GAM interessierte. Bereits vor ein paar Jahren kam es zu Gesprächen. Dabei ging es um die Übernahme des sogenannten Private-Labeling-Arms von GAM, wie mehrere Quellen bestätigen. Später kam es zu Verhandlungen mit dem italienischen Versicherer Generali, die ebenfalls ohne Ergebnis abgebrochen wurden. Das war im Jahr 2019.

Die Gesellschaft war 2018 in eine akute Krise geraten, nachdem sie den Kadermann Tim Haywood wegen Verstössen gegen interne Vorschriften suspendiert hatte. GAM und Haywood wurden von der britischen Finanzaufsicht FCA Ende 2021 zu Geldstrafen in Höhe von 9,1 Millionen Pfund beziehungsweise 230’000 Pfund verknurrt.

Das Unternehmen, das den höheren Betrag bezahlen musste, wurde gebüsst, weil es zu wenig unternahm, um Interessenskonflikte zu unterbinden. Konkret ging es um die Annahme von Geschenken und Spesenabrechnungen.

Steuer herumreissen

Letztes Jahr kam es zusätzlich zu Verlusten wegen der Liquidation von Greensill-Fonds, in die GAM involviert war. Die Folge des Skandals war, dass viele Kunden aus GAM-Fonds flüchteten, was zu milliardenschweren Asset-Liquidationen führte. Per Ende September 2022 verwaltete das Unternehmen noch 74 Milliarden Franken. Zum Vergleich: Im Jahr 2017 waren es knapp 160 Milliarden.

Das Unternehmen versucht, mit einem frischen Management die Vergangenheit hinter sich zu lassen. Im Sommer hat es ein Abbauprogramm angekündigt, die Kosten bis Ende Jahr um mindestens 20 Millionen Franken senken. Zudem hat es viel Luft aus der Bilanz abgelassen mit einem Abschreiber von über 250 Millionen Franken auf dem Markenwert.

Zum Turnaround kommt zusätzlich harter Gegenwind durch die Märkte. Aber es gibt auch Lichtblicke, so versucht das Unternehmen die Produkte zu pushen, die weiterhin bei den Anlegern gesucht werden.