Tech-Kooperation
In das Milliardenprojekt fliessen rund 20 Prozent des IT-Budgets der UBS. Die erneuerte Zusammenarbeit mit dem US-Softwareriesen läuft für die nächsten fünf Jahre.
8. November 2022 • Beat Schmid

UBS will in den nächsten fünf Jahren mehr als die Hälfte ihrer Anwendungen in einer Cloud-Lösung betreiben. Die Grossbank hat dazu eine Vereinbarung mit Microsoft erneuert. Die Grundzüge des Deals gab die UBS vor drei Wochen bekannt. Finanzielle Details mit dem US-Softwareriesen, der seine sogenannte Public Cloud unter dem Markennamen Azure vertreibt, nannte die Grossbank nicht.

Gemäss Recherchen zahlt die UBS für eine Laufzeit von fünf Jahren einen Betrag von 3 Milliarden Dollar. Das ergibt 600 Millionen Dollar pro Jahr. Dieser Betrag entspricht rund 20 Prozent des gesamten IT-Budgets der Grossbank, das pro Jahr rund 3 Milliarden Franken beträgt.

Die Vereinbarung mit Microsoft wurde über den Sommer ausgehandelt, wie eine mit den Details vertraute Person sagt. Ein Sprecher der Bank wollte den Betrag auf Anfrage nicht kommentieren.

Kooperation startete bereits 2018

Die UBS startete ihre Kooperation mit Microsoft im Jahr 2018. Bis Anfang 2021 wurde rund ein Drittel der Applikationen in die Cloud verlegt. Ziel der erneuerten Kooperation ist es, die Migration zu beschleunigen, sodass die Grossbank in fünf Jahren mehr als 50 Prozent ihrer Anwendungen in Microsofts Azure-Cloud betreibt.

UBS kooperiert auch mit Microsoft im Bereich der künstlichen Intelligenz (KI). Laut der Grossbank sind in der Schweiz derzeit zwei Anwendungen verfügbar, die KI-Funktionen zur Beantwortung von Kundenanfragen per E-Mail nutzen.

“Unsere Cloud-Strategie hat unsere Arbeitsweise grundlegend verändert. Sie ermöglicht es uns, unser Technologieportfolio neu zu beleben und die Art und Weise, wie wir Anwendungen für unsere Kundinnen und Kunden entwickeln, zu überdenken”, kommentierte Mike Dargan, Chief Digital und Information Officer der UBS, den Deal vor drei Wochen. Der Manager sprach von einem “enormen Mehrwert” für die Kunden und Mitarbeiter des Unternehmens.

Die neue Vereinbarung soll über die reine Nutzung von Cloud-Diensten hinausgehen und auch die “gemeinsame Entwicklung von Innovationen” sowie eine engere Zusammenarbeit in Bereichen wie der Reduzierung von CO₂-Emissionen beinhalten.

Gemäss UBS konnte durch die Verlagerung in die Azure-Cloud der Energieverbrauch von gewissen Anwendungen um 30 Prozent gesenkt werden. UBS und Microsoft haben mit der Carbon Aware API eine Open-Source-Lösung entwickelt, die Empfehlungen abgibt, zu welchem Zeitpunkt kohlenstoffarme Stromquellen verfügbar sind, um rechenintensive Workloads abzuwickeln. Die Lösung wurde der Green Software Foundation zur Verfügung gestellt.

10 Prozent der Erträge fliessen in die IT

Wie sich die Kooperation auf die gesamten IT-Kosten der Bank auswirkt, ist schwierig zu beurteilen. Erstmals gab die Bank im Jahr 2017 bekannt, gut 10 Prozent der Erträge für Informationstechnologie auszugeben. Es war Axel Lehmann, damals COO der UBS und heute Präsident der Credit Suisse, der den Schleier über den IT-Ausgaben lüftete und in einem Interview sagte, dass die Ausgaben “über zehn Prozent an den erwirtschafteten Erträgen” ausmachen würden.

An dieser Grössenordnung hat sich in den letzten Jahren nichts Grundlegendes geändert. Die UBS steigerte ihre Erträge in den letzten drei Jahren von knapp 29 auf 35 Milliarden Dollar. Dieses Jahr dürften sie leicht geringer ausfallen, zumindest war dies in den ersten drei Quartalen der Fall. Man kann also von einem IT-Budget gut 3 Milliarden Dollar pro Jahr ausgehen.

Die IT-Kosten entlastet hat der Entscheid der Bank, die geplante Übernahme des Online-Vermögensverwalters Wealthfront abzublasen. Die Applikationen des Silicon-Valley-Unternehmens waren nicht kompatibel mit der US-Vermögensverwaltungsplattform der UBS, der sogenannten Wealth Management Americas Platform (WMAP). Wealthfront wird zudem auf Amazon gehostet. Die Integration der beiden Lösungen wäre mit grossen Risiken verbunden gewesen. Neben dem hohen Preis von 1,4 Milliarden Dollar war das der Hauptgrund für den Rückzieher.