Korruptionsfall
(Update) In London ging eine zweitägige Anhörung in einem grossen Ölbestechungsfall über die die Bühne. Glencore wurde zu einer Strafzahlung von 276,4 Millionen Pfund verurteilt.
2. November 2022 • Beat Schmid

Laut der britischen Staatsanwaltschaft sind Glencore-Führungskräfte mit Privatflugzeugen durch Afrika geflogen, um Bargeld an afrikanische Beamte zu verteilen. Nach einem langwierigen Strafverfahren bekannte sich das Unternehmen in sieben Anklagepunkten wegen Bestechung in Ländern wie Nigeria und Kamerun schuldig. Die Untersuchung führte das sogenannte Serious Fraud Office (SFO) durch, eine Untersuchungsbehörde für schwere Betrugsfälle in Grossbritannien.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hat das Unternehmen mehr als 28 Millionen Dollar an Bestechungsgeldern gezahlt, um Zugang zu Öllieferungen zu erhalten. Am Donnerstag wird ein Gericht in London über das endgültige Strafmass entscheiden. Wie englische Medien berichten, nahm Glencore-Präsident Kalidas Madhavpeddi an der Gerichtsverhandlung in London teil.

An der Verhandlung kam unter anderem heraus, dass Glencore-Mitarbeiter im August 2011 800.000 Dollar in bar mit einem Privatjet in den Südsudan transportierten. Das Geld war angeblich für ein neues Büro bestimmt, wurde aber in Wirklichkeit dazu verwendet, Schmiergelder für Öl zu zahlen. Die Bestechungsreise fand nur einen Monat nach der Unabhängigkeit des Landes statt.

Korruption bei Glencore soll "endemisch" sein

Mit der Verurteilung zieht das Unternehmen in Grossbritannien einen Schlussstrich unter eine Reihe langwieriger Ermittlungen. Nicht vom Haken gelassen werden ehemalige Mitarbeiter von Glencore. Die britische Staatsanwaltschaft führt Ermittlungen gegen elf frühere Mitarbeiter wegen kriminellen Fehlverhaltens.

Im Mai gab Glencore bekannt, insgesamt 1,5 Milliarden Dollar für die Beilegung von Verfahren in den USA, Grossbritannien und Brasilien zu zahlen. Die Korruption sei innerhalb des Unternehmens “endemisch” gewesen, sagte SFO-Anwältin Alexandra Healy gemäss englischen Medien vor Gericht. Sie betraf hohe Management-Ebenen im Konzern und die Handelsabteilungen in Westafrika.

Glencore soll durch die Bestechung einen Gewinn von fast 128 Millionen Dollar erzielt haben. Nach einer zweitägigen Verhandlung verurteilte das Gericht den Schweizer Rohstoffhändler zu einer Strafzahlung von 276,4 Millionen Pfund. Rückgabe des Gewinns muss Glencore mit einer Geldbusse rechnen, die zwischen 2,5 bis 4 Mal so hoch ist wie der erzielte Gewinn.