Vermögensverwaltung
Gebühren sind die Schwachstelle der Vermögensverwaltung – trotzdem schliessen 71 Prozent einen Bankwechsel aus.
1. Juni 2026 • red.

Trotz geopolitischer Spannungen, Handelskonflikten und wirtschaftlicher Unsicherheiten blicken vermögende Schweizer Anlegerinnen und Anleger erstaunlich optimistisch in die Zukunft. Das zeigt der erstmals erhobene «Anlegerpuls» von True Wealth, für den das Zürcher Wealth-Tech 508 vermögende Personen in der Schweiz befragt hat.

Auffällig ist dabei die Diskrepanz zwischen der Einschätzung der globalen Wirtschaft und den Erwartungen an die eigenen Anlagen. Während lediglich 35 Prozent der Befragten zuversichtlich auf die Entwicklung der Weltwirtschaft in den kommenden zehn Jahren blicken, sind 59 Prozent überzeugt, dass sich ihr eigenes Portfolio positiv entwickeln wird. Das.

Als grösste Risiken für den Wirtschaftsstandort Schweiz werden militärische Konflikte sowie Handelskonflikte und Zölle genannt. Für das eigene Vermögen gewichten die Anleger Handelskonflikte und Zölle sogar noch etwas stärker als kriegerische Auseinandersetzungen. Dies deutet darauf hin, dass geopolitische Spannungen zwar als Bedrohung wahrgenommen werden, die direkten wirtschaftlichen Folgen von Handelsbarrieren jedoch als unmittelbarer für die Entwicklung der eigenen Anlagen gelten.

Auf nationaler Ebene sorgen insbesondere die Beziehungen zur Europäischen Union für Unsicherheit. Mehr als die Hälfte der Befragten sieht in einer Verschlechterung des Verhältnisses zur EU ein Risiko für die Schweizer Wirtschaft. Bemerkenswert ist zudem die Einschätzung der technologischen Innovationskraft. Diese wird häufiger als Risiko für das eigene Vermögen wahrgenommen als für die Schweizer Volkswirtschaft insgesamt. Offenbar befürchten viele Anleger, technologische Umbrüche könnten bestehende Geschäftsmodelle und damit auch Anlageerträge stärker beeinflussen als die gesamtwirtschaftliche Entwicklung.

Kaum Wechselbereitschaft

Bei der Beurteilung der Vermögensverwaltung fällt vor allem ein Punkt negativ auf: die Kosten. Während digitale Benutzerfreundlichkeit, Produktangebot, Beratungsqualität, Transparenz und Rendite insgesamt positiv bewertet werden, schneiden die Gebühren deutlich schlechter ab. Mehr als ein Drittel der Befragten zeigt sich mit den Kosten der eigenen Anlagelösung unzufrieden, während nur knapp ein Viertel zufrieden ist.

«Kein anderer Faktor wird so kritisch bewertet wie die Kosten – und das bei einer Zielgruppe, die ihrer Bank ein Vermögen anvertraut. Das ist ein klares Signal an die Branche», sagt Felix Niederer, CEO und Gründer von True Wealth. Gleichzeitig zeigt die Studie aber auch, dass viele Anleger ein Problem mit den Gebühren haben, aber grundsätzlich an ihrer bestehenden Bankbeziehung festhalten wollen und nur selten einen Wechsel in Betracht ziehen. 71 Prozent der schliessen einen Anbieterwechsel aus, 30 Prozent davon kategorisch. Nur 26 Prozent ziehen einen Wechsel überhaupt in Betracht, und lediglich 1 Prozent hat ihn konkret geplant.

MEHR ZUM THEMA


True Wealth überschreitet Marke von 2 Milliarden Franken verwaltetem Vermögen

Der im Jahr 2013 gestartete Zürcher Vermögensverwalter betreut 35’000 Kundinnen und Kunden.
28. Juli 2025