Reaktivierung einer legendären Marke
Wenn die Credit Suisse tatsächlich die Marke First Boston aus der Mottenkiste holt, wäre ein Komplettausstieg aus dem Investmentbanking der nächste logische Schritt.
18. September 2022 • Beat Schmid

Manche Geschichten sind zu gut, um sie auf dem Komposthaufen zu entsorgen. Zum Beispiel die: Die CS aufzuspalten und die Investmentbank in den USA unter dem alten Namen First Boston neues Leben einzuhauchen.

Das soll derzeit in den Chefetagen der Paradeplatzbank diskutiert werden, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg am Wochenende berichtete. First Boston war einst eine dominante Grösse an der Wall Street, mit der die CS vor vielen Jahrzehnten ein Joint-Venture im Investmentbanking einging.

First Boston erlitt in der Junkbond-Krise Schiffbruch

Ende der 1980er Jahre brachte CS-Übervater Rainer E. Gut dann den Verwaltungsrat dazu, zunächst eine Minderheitsbeteiligung am 1932 gegründeten Investmenthaus zu kaufen. Doch kurz darauf geriet First Boston in den Strudel der Junkbond-Krise, und die CS durfte oder musste das notleidende Institut im Rahmen eines Bailouts komplett übernehmen.

Während vieler Jahren firmierte die Investmentbank unter dem globalen Brand Credit Suisse First Boston (CSFB). Erst 2006 schickte die CS die Marke First Boston in den Ruhestand, wobei das Kürzel CSFB noch viele Jahre durch den Grosskonzern waberte.

Vor fünf Jahren tauchte die Idee einer Reaktivierung der Marke ein erstes Mal auf. Sie stammte vom Küsnachter Hedge-Fonds-Manager Rudolf Bohli, der mit seiner RBR Capital Advisors und einer Minibeteiligung die Idee pushte, die Grossbank in drei Einheiten aufzuteilen. Die Investmentbank sollte dabei wieder den Namen First Boston tragen, so sein Plan, mit dem er sich jedoch bei den Aktionären nicht durchsetzen konnte.

Was, wenn die CS auf Bohli gehört hätte?

Retrospektiv war es vielleicht dumm, nicht auf Bohli zu hören. Bohli selbst nützt das nichts mehr, seine Firma ist laut Handelsregister jetzt in Frauenfeld niedergelassen, und seine frühere Internet-Domain rbrcapital.com ist für über 13’000 Dollar zum Verkauf ausgeschrieben.

Klar, wenn die CS tatsächlich einen Teilverkauf der Investmentbank anstrebt und dereinst vielleicht nur noch eine Minderheitsbeteiligung an der Investmentbank hält, müsste tatsächlich ein neuer Name her. Denn “Suisse” im Namen tragen dürfen nur Firmen, die einen engen Bezug zur Schweiz haben.

Für Dienstleistungsfirmen wie Banken heisst das, sie können nur schweizerisch sein, wenn sie den Firmensitz in der Schweiz haben und tatsächlich von hier verwaltet werden. Wenn es stimmt, dass die CS-Führung an ein Revival von First Boston denkt, dann behält sie sich damit auch die Option eines Komplettausstiegs offen.