Rekordarbeitslosigkeit und das Schweigen der Verbände

In allen Branchen sinkt die Arbeitslosigkeit – nur in der Finanzindustrie nicht. Trotz eines neuen Rekordhochs bei den arbeitslosen Bankern schweigen die Personalverbände. 

Rekordarbeitslosigkeit und das Schweigen der Verbände
Bankenplatz Paradeplatz. (tp)

Gewohnt trocken vermeldet die Medienstelle der Direktion für Volkswirtschaft des Kantons Zürich Monat für Monat die offiziellen Zahlen zur Arbeitslosigkeit. Für die Juli-Statistik heisst es, dass die Quote leicht auf 2,9 Prozent gestiegen sei und dass die Unternehmen etwas zuversichtlicher auf die kommenden Monate blicken würden. Kein Grund zur Aufregung also.

Zur Stellensituation auf dem Finanzplatz verliert das Amt selten ein Wort. So auch in der jüngsten Mitteilung. Dabei hat die Zahl der beim RAV gemeldeten arbeitslosen Banker ein neues Rekordhoch erreicht: Im Juli waren im Kanton 1574 Arbeitslose registriert – ein Plus von 2,3 Prozent gegenüber dem Vormonat und 33 Prozent mehr als zum gleichen Zeitpunkt vor einem Jahr.

Damit sind die Banken beziehungsweise das übergelagerte Finanzwesen (inklusive Versicherungswesen) die mit Abstand am stärksten von Arbeitslosigkeit betroffene Branche. Auffallend an den Zahlen im Juli ist auch, dass in allen anderen erhobenen Branchen die Arbeitslosigkeit rückläufig war.

Trotz der immer prekärer werdenden Lage äussern sich die Verbände kaum zur Lage. Weder die Bankiervereinigung, der Arbeitgeberverband Banken noch der Zürcher Bankenverband machen den Stellenschwund zum Thema. Während andere Branchen wie die im Swissmem organisierten Industriellen längst Alarm schlagen würden angesichts einer solchen Entwicklung, schweigen sie.

Rekordergebnisse mit weniger Personal

Warum? Das dürfte vor allem damit zusammenhängen, dass es den meisten Finanzunternehmen finanziell sehr gut geht. Viele der Banken erzielen Rekordergebnisse auch mit einer schrumpfenden Belegschaft. Sie haben auch kein Fachkräfteproblem. Gründe dafür sind Auslagerungen ins Ausland, Einsatz von künstlicher Intelligenz, Synergien (im Fall von UBS/CS).

Weniger nachvollziehbar ist, dass sich die Arbeitnehmervertreter kaum zur Entwicklung äussern. Weder der Kaufmännische Verband noch der Bankpersonalverband scheinen Lust zu verspüren, auf das Thema aufzuspringen.

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