Sergio Ermotti: «Ständeräte sind verwirrt»

Zwei Tage vor Fortsetzung der Ständeratsdebatte greift UBS-Chef Sergio Ermotti erneut in die Kapitaldebatte ein und warnt vor dem 90-Prozent-Kompromiss. Am Ende geht es um wenige hundert Millionen Dollar.

Sergio Ermotti: «Ständeräte sind verwirrt»
Sergio Ermotti. Screenshot: Point Zero

Als letzten Donnerstag der Ständerat seine Sitzung zur Lex UBS unterbrach, war klar, dass die UBS ihre Lobbybemühungen nochmals einen Gang höher schalten würde. Es dauerte nur wenige Stunden, da sprach Colm Kelleher am Bankiertag zur Eigenkapitalregulierung und machte sich für den 50:50-Vorschlag stark – «we can live with this».

Am Samstag kam Sergio Ermotti mit der NZZ-Redaktion zusammen. Das Gespräch, geführt von nicht weniger als drei Journalisten, erscheint in der heutigen Printausgabe (Abo), zwei Tage bevor sich der Ständerat nochmals über das Dossier beugt. Ermotti ging im Interview auch auf den 90-Prozent-Vorschlag ein, den der Zuger Ständerat Peter Hegglin eingebracht hat.

Dieser sieht im Unterschied zum Vorschlag des Bundesrats keinen vollständigen Eigenkapitalabzug der Auslandstöchter im Stammhaus vor. Die Grossbank würde einen 10-Prozent-Discount erhalten – was für die UBS in der Endabrechnung eine Entlastung von rund 5 Milliarden Dollar Eigenkapital bedeuten würde.

Ob mit 100 oder 90 Prozent – für Ermotti wäre das gleichwohl der schlimmstmögliche Ausgang. Der Unterschied zwischen den beiden Vorschlägen sei «minimal» und ändere nichts am «Grundproblem». Diese Regulierung sei weder zielgerichtet noch proportional oder international abgestimmt, sagte der UBS-Chef.

Discount von 5 Milliarden

Allerdings: Eine Ersparnis von fünf Milliarden Dollar ist nicht Peanuts, auch für die UBS nicht. Bei einer angenommenen Verzinsung von 10 Prozent auf dem Eigenkapital macht das 500 Millionen Dollar jährlich aus. Das entspricht rund 10 Prozent des gesamten Bonuspools der Grossbank oder dem 3,5-Fachen dessen, was die 15-köpfige Konzernleitung 2025 an Boni und Fixlöhnen bezogen hat.

Die Bank hat selbst in ihren eigenen Papieren (PDF) von gesamten Zusatzkosten von 1,6 Milliarden Dollar gesprochen, die der Vorschlag des Bundesrats verursachen würde. Auf diesen Betrag kommt man, wenn man für die zusätzlichen 24 Milliarden Dollar einen Satz von 10 Prozent annimmt. Von diesen 2,4 Milliarden können eingesparte Finanzierungskosten für Anleihen in der Höhe von 800 Millionen Dollar abgezogen werden. Das ergibt die 1,6 Milliarden Dollar. Beim 90-Prozent-Vorschlag würden die Kosten somit auf rund 1,1 Milliarden Dollar fallen.

Umgekehrt muss die UBS beim 50:50-Vorschlag zusätzliche AT1-Anleihen in der Höhe von 13 Milliarden Dollar aufnehmen. Bei einem angenommenen Zinssatz von 7 Prozent macht dies zusätzlich 910 Millionen Dollar pro Jahr. Es ist jedoch davon auszugehen, dass die Grossbank mit tieferen Kosten rechnet – hinter den Kulissen ist von sportlichen 4 bis 5 Prozent die Rede. Dann würden die Zusatzkosten bei 520 bis 650 Millionen Dollar pro Jahr liegen.

Im Endeffekt dürfte der Unterschied zwischen der 50:50-Lösung und dem Hegglin-Vorschlag also bei 200 bis 500 Millionen Dollar pro Jahr liegen.

Ständeräte haben es nicht begriffen

Im NZZ-Interview reitet Sergio Ermotti eine Attacke gegen Ständeräte, die nicht auf der Linie der Grossbank sind. Der Banker wirft ihnen wörtlich vor, das Thema nicht begriffen zu haben oder es nicht verstehen zu wollen. «Einige haben die Position der UBS verstanden, andere wollen sie nicht verstehen, wieder andere sind verwirrt.»

Laut dem UBS-Chef sei dies nachvollziehbar, da es sich um eine sehr technische Diskussion handle. Ermotti kritisiert auch die Behörden. Ihre Darstellung der Sachverhalte sei «manchmal verkürzt und irreführend».

Am Dienstag bietet sich Sergio Ermotti nochmals eine Bühne. Er tritt am Finance Forum in Zürich auf. Gleich nach ihm ist Finanzministerin Karin Keller-Sutter an der Reihe. Ihr Thema: «Regulierung als Wettbewerbsvorteil». Ob die beiden beim anschliessenden Apéro riche gemeinsam anstossen werden? 

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