Machtwechsel bei Leonteq: Rainer-Marc Frey setzt sich durch

Der Investor drückt der Zürcher Derivateboutique seinen Stempel auf. An der ausserordentlichen Generalversammlung setzte er sich mit allen Anträgen durch – bei der umstrittenen Statutenänderung allerdings nur knapp.

Machtwechsel bei Leonteq: Rainer-Marc Frey setzt sich durch
RMF setzt sich bei Leonteq durch. Foto: David McIntyre/Crossroads Foundation Ltd.

Die Machtverhältnisse bei Leonteq sind neu geordnet. An der ausserordentlichen Generalversammlung vom Sonntag setzte sich Grossaktionär Rainer-Marc Frey auf ganzer Linie durch. Andreas Casutt wurde zum neuen Präsidenten des Verwaltungsrats gewählt, Reto Suter zieht neu in das Gremium ein. Auch die beiden von Frey eingebrachten Aktionärsanträge erhielten die notwendige Mehrheit.

Casutt wurde mit 83,6 Prozent der Stimmen in den Verwaltungsrat gewählt und anschliessend mit 83,3 Prozent zum Präsidenten bestimmt. Noch deutlicher fiel das Resultat bei Suter aus: Er erhielt 99 Prozent der Stimmen.

Damit kontrolliert Frey de facto die Zürcher Derivate-Spezialistin. Da Casutt auch im Verwaltungsrat von Freys Horizon21 AG sitzt, betrachtet ihn die Finma ausdrücklich nicht als unabhängiges Verwaltungsratsmitglied, wie Leonteq mitteilt. Die Aufsicht begründe dies damit, dass Horizon21 einen wesentlichen Einfluss auf die Investitionsentscheide der H21 Macro Ltd. ausübt, über die Frey seine Beteiligung an Leonteq hält.

Frey hatte seinen Anteil an Leonteq unmittelbar vor der ausserordentlichen Generalversammlung nochmals kräftig ausgebaut. Seine H21 Macro übernahm von Raiffeisen Schweiz 1,195 Millionen Leonteq-Aktien und erhöhte den Anteil damit auf 29,78 Prozent.

Klare Mehrheit für 100-Mio-Aktienrückkauf

Durchgesetzt hat sich Frey auch mit seinem Antrag für ein Aktienrückkaufprogramm mit einem maximalen Volumen von 100 Millionen Franken. 82,8 Prozent der abgegebenen Stimmen unterstützten den Antrag, 16 Prozent stimmten dagegen.

Allerdings bedeutet der Entscheid nicht, dass Leonteq umgehend eigene Aktien zurückkauft. Der Verwaltungsrat verweist auf seine aufsichtsrechtlichen Pflichten und die notwendige Zustimmung der Finma. Bereits im Juli hatte Leonteq angekündigt, Anfang 2027 einen Rückkauf zu lancieren, sofern die CET1-Kapitalquote nachhaltig deutlich über 15 Prozent liegt.

Deutlich umstrittener war Freys zweiter Antrag. Dieser sieht eine Statutenänderung vor, die es erlaubt, Mitglieder des Verwaltungsrats neben der fixen Vergütung auch variabel in Form von Beteiligungspapieren von Leonteq zu entschädigen.

Hier stimmten lediglich 63,1 Prozent dafür, während 36 Prozent den Antrag ablehnten. Es war damit die mit Abstand knappste Abstimmung der ausserordentlichen Generalversammlung. Auch bei diesem Punkt ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Laut Leonteq hat die Finma angedeutet, dass sie weitere Einzelheiten zum Vorhaben verlangen könnte, bevor sie die Statutenänderung genehmigt.

Die ausserordentliche Generalversammlung markiert eine Zeitenwende bei Leonteq. Derweil bleibt diffus, was Frey mit dem Unternehmen eigentlich vorhat.

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