Spektakulärer Betrugsfall
Er schrieb einen der spektakulärsten Betrugsfälle im Nachgang der Finanzkrise: der Ex-Jockey und Finanzberater Martin Gloor. Der verurteilte Finanzbetrüger ist seit Jahren auf der Flucht. Nun erhöhen die Schweizer Behörden den Druck.
5. Februar 2026 • Beat Schmid

Als die Zürcher Polizei ihn im Dezember 2011 in seinem Penthouse im Seefeld festnehmen wollte, versuchte Martin Gloor, über die Fassade des Gebäudes zu fliehen. Er blieb etwa zehn Minuten lang auf einem Sims hängen, bevor er sich ergab, berichtete der Blick. Zwei Jahre später verurteilte ihn das Bezirksgericht Zürich zu viereinhalb Jahren Haft. Über seine Firma Core Capital Partners mit Sitz an der Zürcher Bahnhofstrasse hatte er rund 30 Millionen Franken veruntreut.

Dem ehemaligen Präsidenten des Zürcher Rennsportvereins erging es wie vielen unseriösen Finanzberatern, die im Zuge der Finanzkrise aufgeflogen sind. Finanziert mit den Geldern seiner Kunden pflegte Gloor einen luxuriösen Lebensstil. Er war Liebhaber von Pferderennen, Aston Martins und Champagnerpartys. Dem Zürcher Rennsportverein versprach er, das veraltete Hippodrom in Dielsdorf für 20 Millionen Franken zu sanieren und Schulden in Höhe von 1,5 Millionen Franken zu übernehmen.

In Untersuchungshaft hatte er ein vollständiges Geständnis abgelegt. Das Gericht entschied, ihn gegen eine Kaution von 250'000 Franken freizulassen, bis er seine Strafe antritt. Das war ein Fehler: Gloor flüchtete ins Ausland und liess sich nie mehr in der Schweiz blicken.

Fedpol erklärte Pass für ungültig

Im Jahr 2020 meldete sich Gloor über die Botschaft in Abu Dhabi beim Register für Auslandschweizer. Die Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich hat seither eine neue Untersuchung gegen ihn wegen Untreue, Betrugs und ungetreuer Geschäftsführung eingeleitet. Gegen den Betroffenen liegt ein Haftbefehl vor.

Im Februar 2025 erklärte das Fedpol seinen Pass und seinen Personalausweis für ungültig. Das Bundesgericht bestätigte diese Massnahme in einem Urteil vom 15. Januar 2026. Es erinnerte dabei daran, dass der Entzug von Ausweispapieren genau darauf abzielt, «im Ausland lebende Beschuldigte zur Rückkehr in die Schweiz zu bewegen, damit sie sich den Strafverfolgungsbehörden stellen», wie das Westschweizer Justizportal Gotham City schreibt.