Sergio Ermotti soll im April 2027 von seinem Posten als CEO der UBS zurücktreten. Das meldete die Financial Times am Dienstag. Inzwischen wird diese Information in den Grundzügen von mehreren Quellen bestätigt. Ebenfalls ausgemacht scheint, dass Ermotti danach in den Verwaltungsrat der Grossbank nachrücken könnte.
Der genaue Zeitpunkt dieses Wechsels ist allerdings noch offen. Sollte Ermotti tatsächlich im April 2027 zurücktreten, wäre eine Wahl in den Verwaltungsrat kaum direkt anschliessend möglich. Nach einem formellen Cooling-off von einem Jahr könnte er sich ein Jahr später zur Wahl stellen. Bankintern wird jedoch auch eine andere Variante diskutiert: Demnach könnte Ermotti bereits im Herbst 2027 im Rahmen einer ausserordentlichen Generalversammlung nach nur rund sechs Monaten Abkühlzeit in den Verwaltungsrat gewählt werden.
Es gibt allerdings noch eine dritte, deutlich schnellere Option. Dabei würde Ermotti bereits im Herbst 2026 als CEO zurücktreten und schon an der ordentlichen Generalversammlung im April 2027 in das oberste Leitungsgremium gewählt. Das wäre die überraschendste und zugleich schnellste Lösung – ausgeschlossen ist sie jedoch nicht.
Markus Ronner im Shorttrack-Cooling-Off
Die UBS hat mit solchen Schnellwechseln Erfahrung. Ende Oktober 2025 kündigte die Bank die Nominierung von Markus Ronner als Vizepräsident des Verwaltungsrats an. Ronner war über viele Jahre Mitglied der Konzernleitung und seit 2018 Chief Compliance and Governance Officer der Bank. Was bisher kaum jemandem auffiel: Ronner hat seine seine operativen Funktionen Ende Jahr abgegeben. Offiziell kommuniziert wurde das nicht.
Sein Eintrag auf der Webseite der Konzernleitung wurde gelöscht. Ronner befindet sich somit formell der Cooling-off-Periode, um an der nächsten ordentlichen Generalversammlung im April als Vizepräsident in den Verwaltungsrat gewählt zu werden.
Mit dem Austritt aus der Geschäftsleitung und der mehrmonatigen Pause soll Ronner formell Distanz zu seiner langjährigen operativen Rolle gewinnen. Ein Cooling-off von wenigen Monaten wirkt allerdings eher wie ein Feigenblatt, um zumindest vordergründig den ungeschriebenen Governance-Erwartungen zu entsprechen. Ronner arbeitet seit seiner Lehrzeit bei der UBS.
Rechtlich unproblematisch
Rechtlich ist das Vorgehen unproblematisch. Gesetzlich gibt es in der Schweiz keine zwingenden Abkühlregeln für Manager, die in den Verwaltungsrat wechseln. Die Finma und die Corporate-Governance-Praxis verlangen lediglich eine funktionale Trennung zwischen operativer Führung und Aufsicht, setzen aber keine fixen zeitlichen Sperrfristen durch.
Ermotti hat stets betont, dass er CEO bleiben will, bis die Integration der Credit Suisse abgeschlossen ist. Dieser Punkt ist erreicht, sobald die Kernbankensysteme der Credit Suisse in der Schweiz abgeschaltet werden können – was voraussichtlich noch in diesem Jahr geschieht. Zudem kommt die UBS beim Abbau der Legacy-Positionen schneller voran als ursprünglich erwartet.

