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Sie fasziniert und beunruhigt. Gleichzeitig bietet Künstliche Intelligenz neue wirtschaftliche Chancen. Aber die tatsächlichen Auswirkungen bleiben nur schwer messbar.
30. November 2023 • Nicolas Mougeot

Künstliche Intelligenz (KI) ist in aller Munde. Kaum ein Tag vergeht, an dem man nicht Artikel oder Kommentare darüber liest, wie KI unser Leben verändern wird. ChatGPT steht stellvertretend für diese Entwicklung. Selten hat eine Anwendung einen derartigen Boom ausgelöst wie diese «Konversationshilfe», die in nur 5 Tagen über 1 Million neue Nutzer gewinnen konnte. Zum Vergleich: Netflix brauchte dafür dreieinhalb Jahre.

Ob Tech- oder Nicht-Tech – die meisten Unternehmen sind sich heute des grossen Interesses an KI bewusst. So hat sich laut Bloomberg die Zahl der Erwähnungen des Begriffs «künstliche Intelligenz» in den Quartalsergebnissen von Unternehmen innerhalb eines Jahres fast verdreifacht. Aber reicht es aus, das Thema KI ein paar Mal während eines Analysten-Calls zu erwähnen, um aus einem Traditionsunternehmen einen führenden Hightech-Anwender zu machen? Wohl kaum.

Es gibt viele Bereiche, die von dieser Innovation profitieren könnten. Dazu gehört sicherlich das Gesundheitswesen, wo hochentwickelte KI beispielsweise dazu beitragen könnte, Krankheiten wie Krebs frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig zu behandeln. Aber auch der Finanzsektor könnte dank KI bestimmte Entwicklungen wie die Inflation besser vorhersagen, etwa durch die Analyse von Transaktionen, die über Online-Plattformen abgewickelt werden. Und schliesslich kann KI auch zur Automatisierung in der Landwirtschaft beitragen, insbesondere zur Optimierung der Ressourcennutzung (Wasser oder Düngemittel).

Das Solow-Paradoxon der Produktivität

KI wird unser Leben verändern, so viel scheint sicher. Doch die wirtschaftlichen Auswirkungen sind schwer abzuschätzen, wie der Wirtschaftsnobelpreisträger Robert Solow bereits 1987 in seinem Produktivitätsparadoxon beschrieb: «Man kann das Computerzeitalter überall sehen, ausser in der Statistik». Damit meinte der Wissenschaftler, dass Computer zwar unseren Arbeitsalltag verändert haben, ihr Einsatz aber nicht zu einer messbaren Produktivitätssteigerung geführt hat.

Dieses nach ihm benannte Solow-Paradoxon lässt sich auch bei der Entwicklung des Internets oder aktuell bei der Einführung von 5G beobachten. Beide technologischen Neuerungen haben zwar grosse Erwartungen bei Marktteilnehmern und Nutzern geweckt, ihre Auswirkungen auf die Produktivität müssen sich aber erst noch zeigen bzw. werden wohl erst in vielen Jahren messbar sein.

KI als Investitionschance

Anlegern, die die Chancen von KI nutzen, aber die Risiken des Solow-Paradoxons vermeiden wollen, empfehle ich Folgendes: Erstens sind die Gewinner von heute nicht unbedingt die Sieger von morgen. So haben die führenden Handyhersteller der frühen 2000er Jahre wie Nokia, Motorola oder Ericsson die Entwicklung des Smartphones verschlafen. Oder wer erinnert sich noch an die Internet-Giganten der späten 90er Jahre wie Worldcom, Yahoo oder Sun Microsystems? Deshalb ist es sehr wichtig, die Anlagen breit zu diversifizieren.

Zweitens werden für die Entwicklung und Nutzung von KI enorme Rechenkapazitäten benötigt. Davon profitiert ein ganzes Ökosystem, angefangen bei den Entwicklern von Hochleistungshalbleitern bis hin zu Herstellern von superschnellen Servern. Der stark technologieorientierte Nasdaq-100-Index ist seit Jahresbeginn um mehr als 40 Prozent gestiegen. Umso wichtiger ist es, vor einer Investitionsentscheidung genau auf die Bewertungen der Unternehmen zu schauen, die aufgrund des KI-Hypes oft schon sehr hoch sind.

KI gehört eindeutig die Zukunft. Aber auch hier kann es kurzfristig zu Verzerrungen kommen. Oder um es mit dem Titel eines amerikanischen Actionfilms zu sagen: «2 KI 2 Furious ...»


Zur Autor: Nicolas Mougeot ist Head of Investment Strategy and Sustainability bei Indosuez Wealth Management.