Schweizer Privatbanken wieder heiss auf Deutschland

UBS und Julius Bär sollen an einer Übernahme in Deutschland interessiert sein. Plötzlich ist der deutsche Markt für Schweizer Banken wieder attraktiv. Paradoxerweise auch, weil es wirtschaftlich seit langem nicht gut läuft.

Schweizer Privatbanken wieder heiss auf Deutschland
Trotz oder vielmehr wegen der deutschen Wirtschaftspolitik zieht Schweizer Banken nach Deutschland. (Quelle: Unsplash / Hakon Sataoe)

Deutschland hat wirtschaftlich schon bessere Zeiten erlebt. Die Wutrede des Chefs der Deutschen Börse über die deutsche Wirtschaftspolitik ist Ausdruck einer tief sitzenden deutschen Angst vor dem wirtschaftlichen Abstieg.

Trotzdem oder gerade deshalb scheint der deutsche Markt für Schweizer Banken attraktiv zu sein. Medienberichten zufolge sind mit UBS und Julius Bär gleich zwei Schweizer Institute an der Übernahme des Private-Banking-Geschäfts der HSBC in Deutschland interessiert.

Die Preisvorstellungen reichen von 300 bis 600 Millionen Euro für die Einheit, die rund 26 Milliarden Euro Kundenvermögen verwaltet. HSBC sei an einem Käufer mit einer globalen Marke und bestehenden Private-Banking-Aktivitäten in Deutschland interessiert, schreibt Bloomberg. Auch der französische Kreditgeber BNP Paribas habe Kaufinteresse signalisiert. KPMG soll HSBC bei dem Verkauf unterstützen.

Das Interesse ist wieder da

Dass sich mit UBS und Julius Bär gleich zwei Banken für einen Kauf interessieren, überrascht nicht. Deutschland scheint nach Jahren des Desinteresses plötzlich wieder attraktiv. Im Jahr 2022 wagte die LGT, die der Fürstenfamilie von Liechtenstein gehört, in Hamburg einen Neuanfang. Mehr als zehn Jahre nach dem Verkauf des Privatkundengeschäfts an die Bethmann-Bank ging sie ausgerechnet mit der Übernahme eines Teams dieser Bank wieder an den Start. Inzwischen sind vier weitere Standorte hinzugekommen.

In Deutschland ist die LLB seit Januar an drei Standorten vertreten. In München, Frankfurt und Düsseldorf hat sie ein 40-köpfiges Team aufgebaut. Auch Lombard Odier soll seit längerem den Einstieg in den deutschen Markt prüfen.

Unternehmer verkaufen ihre Firmen

Das Interesse am deutschen Vermögensverwaltungsmarkt überrascht, da das Land aufgrund der wirtschaftlichen Situation zuletzt in den globalen Vermögensrankings zurückgefallen ist. Dennoch bleibt Deutschland der wichtigste Markt in Europa. Hinzu kommt, dass offenbar viele Unternehmer mit dem Gedanken spielen, ihr Unternehmen zu verkaufen. Und das wiederum hat sehr viel mit der Wirtschaftspolitik der Ampelregierung zu tun.

Florian Dürselen, Leiter Private Banking bei der LGT, sagte gegenüber dem Handelsblatt, dass durch diese Unternehmensverkäufe neues Geld in den deutschen Private-Banking-Markt fliesse. Fälle wie der der Unternehmerfamilie Viessmann, die ihren Traditionskonzern an einen US-Konkurrenten verkaufte, würden sich häufen, glaubte Dürselen.

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