Das hätte er nicht erwartet, sagt Iwan Deplazes, der Chef von Swisscanto, als er am Mittwoch die traditionelle PK-Studie vorstellte. Er hätte nicht gedacht, dass nur gerade sechs Prozent aller in der Studie erfassten Pensionskassen sich Reduktionsziele für den Ausstoss von CO₂-Emissionen gesetzt haben.
Als Chef eines grossen Schweizer Asset-Managers weiss er, wie sehr Sustainability und Nachhaltigkeit in den letzten Jahren zum dominierenden Thema in seiner Branche wurde – nicht zuletzt auch, weil viele institutionelle Investoren es so stark gepusht haben.
Und jetzt das. Die Studie zeigt, dass vor allem die öffentlich-rechtlichen Vorsorgeeinrichten ESG-Themen berücksichtigen. Inzwischen haben 71 Prozent dieser Kassen ESG-Kriterien im Anlagereglement verankert. Vor zwei Jahren lag dieser Anteil bei 24 Prozent.
Bei den privaten PKs stieg der Anteil der Kassen mit ESG-Integration im gleichen Zeitraum von 6 auf 28 Prozent. Die Privaten hinken den öffentlich-rechtlichen Kassen gewissermassen zwei Jahre hinterher. ESG steht für eine Anlagepolitik, die Rücksicht nimmt auf die Umwelt (E=Environment), Soziales und Governance.
ESG-Verankerung ist bei vielen privaten Kassen noch nicht in der Realität angekommen (Quelle: Swisscanto) Grosse die Unterschiede zeigen sich auch zwischen grossen (über 500 Mio. Vorsorgegelder) und kleinen (unter 500 Mio.) Kassen. Von den grossen PKs geben immerhin 13 Prozent an, ein CO₂-Reduktionsziel eingeführt zu haben. Doch bei den kleinen Kassen mit weniger als 500 Millionen ist es gerade nur 1 von 100 Kassen.
Die Differenzen zwischen den beiden PK-Kategorien seien zwar nachvollziehbar, sagt Swisscanto-Chef Deplazes. Denn mit der Messung ist einiger administrativer und finanzieller Aufwand verbunden, der die Möglichkeit kleiner Einrichtungen möglicherweise übersteigt. Überraschend sind sie aber trotzdem.