Green Bonds erleben eine unerwartete Renaissance

Die Emissionen von Green Bonds ziehen in Europa wieder kräftig an. Das dürfte das Volumen der Anlageklasse weltweit auf ein neues Rekordhoch treiben.

Green Bonds erleben eine unerwartete Renaissance
Photo by Planet Volumes / Unsplash

Der von Israel und den USA angezettelte Krieg gegen den Iran hat das Thema Energiesicherheit weit oben auf die Agenda gesetzt. Davon profitieren auch grüne Anleihen. Die angekurbelte Nachfrage nach Green Bonds hat den Rückgang der Emissionen in den USA wegen Donald Trumps «Drill Baby Drill»-Politik mehr aus ausgeglichen.

Dies jedenfalls legen Zahlen der Climate Bonds Initiative nahe, über die die FT zuerst berichtete. Gemäss der britischen Organisation wurden in den ersten sechs Monaten dieses Jahres in Europa Green Bonds im Umfang von 242 Milliarden Dollar emittiert – so viel wie noch nie in einem ersten Halbjahr. Weltweit dürfte das Emissionsvolumen den bisherigen Rekord von 673 Milliarden Dollar aus dem Jahr 2024 übertreffen. Damals belief sich das Volumen in Europa auf 385 Milliarden Dollar.

Die Renaissance des europäischen Green-Bond-Markts steht in deutlichem Kontrast zur Entwicklung in den USA. Dort dürfte das Emissionsvolumen das zweite Jahr in Folge zurückgehen, weil Unternehmen aus Angst vor politischen Konsequenzen in Washington ihre Umweltinitiativen weniger offensiv kommunizieren.

Das bedeutet allerdings nicht, dass sich US-Unternehmen nicht mehr für die Energiewende interessieren würden. Viele investieren weiterhin in entsprechende Projekte, verzichten jedoch bewusst darauf, diese als «grün» oder ESG-konform zu vermarkten. In der Branche hat sich dafür der Begriff «Greenhushing» etabliert.

«Drill Baby Drill»

US-Präsident Donald Trump verfolgt mit seiner «Drill Baby Drill»-Strategie eine Politik zur Förderung fossiler Energieträger und rühmte sich damit, «Hunderte Green-New-Deal-Projekte aus der Biden-Ära» beendet zu haben. Green Bonds sind Anleihen, mit denen Unternehmen und Staaten Kapital für Umwelt- und Klimaprojekte aufnehmen. In den vergangenen zehn Jahren hat ihre Bedeutung stark zugenommen – insbesondere in Europa, wo der Markt am weitesten entwickelt ist.

Im vergangenen Jahr wurden in Europa Green Bonds im Umfang von 374 Milliarden Dollar emittiert. Das entsprach rund 55 Prozent des weltweiten Marktes. In diesem Jahr dürfte Europa bereits nahezu zwei Drittel aller neuen Green Bonds stellen.

In den USA erreichte der Green-Bond-Markt 2021 mit 94 Milliarden Dollar seinen Höhepunkt. Seither ist das Emissionsvolumen rückläufig. 2025 wurden noch 77 Milliarden Dollar aufgenommen. Für 2026 wird ein weiterer Rückgang erwartet, nachdem im ersten Halbjahr lediglich 34 Milliarden Dollar emittiert wurden.

Besonders aktiv sind in diesem Jahr europäische Energieversorger. Im Juni nahm der spanische Energiekonzern Iberdrola über zwei Green Bonds 1,5 Milliarden Euro auf. Das deutsch-chinesische Unternehmen EEW Energy from Waste emittierte grüne Anleihen im Umfang von 550 Millionen Euro. Bereits im Februar hatte der französische Energieversorger EDF Green Bonds über 2,75 Milliarden Euro platziert.

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