Die BIZ, die Bank der Zentralbanken, hat in ihrem Jahresbericht die Entwicklungen rund um die künstliche Intelligenz einer Diagnose unterzogen. Die KI-Investitionen und die damit erhofften Produktionssteigerungen würden zwar die Wirtschaftstätigkeit ankurbeln.
Doch die Ökonomen sehen Problembereiche bei der KI, die «dringende Aufmerksamkeit» erfordern: Der Optimismus könnte trotz der Aussicht auf künftige Produktivitätssteigerungen «nicht von Dauer sein», schreiben sie. Insbesondere könnte sich der derzeitige Anstieg der Investitionsausgaben als nicht nachhaltig erweisen, sollten Lieferengpässe die Produktion einschränken.
«Enttäuschende Renditen könnten einen plötzlichen Rückzug der Finanzierung auslösen und den aktuellen Investitionsboom in einen lang anhaltenden Investitionseinbruch verwandeln – mit möglichen negativen Folgen für die Finanzmärkte», schreibt die BIZ. Allein die fünf grössten sogenannten Hyperscaler – darunter Microsoft, Amazon, Alphabet, Meta und Oracle – werden zwischen 2025 und Ende 2026 voraussichtlich mehr als eine Billion US-Dollar in KI-Infrastruktur investieren.
Ebenfalls könnte der intensive Wettbewerb um die Marktführerschaft zu «Überinvestitionen» führen, wie dies bereits bei früheren Innovationswellen zu beobachten war. Als Beispiele nennen die Ökonomen den Kanalbau der 1830er-Jahre, den Eisenbahnboom in Grossbritannien in den 1840er-Jahren, den Elektrifizierungsschub in den späten 1920er-Jahren sowie die Dotcom-Blase Ende der 1990er-Jahre.
Allen Episoden sei gemeinsam gewesen, dass eine echte technologische Innovation Kapital in einem Ausmass angezogen habe, das sich später wirtschaftlich nicht rechtfertigen liess. Am Ende seien diese Investitionsbooms in scharfen Rückgängen und teilweise in Rezessionen geendet.
Folgen für den Arbeitsmarkt
Die BIZ warnt in dem Bericht auch vor Folgen für den Arbeitsmarkt. Da immer leistungsfähigere KI-Tools in immer mehr Aufgabenbereichen und Berufen zum Einsatz kommen, könnte sich die Verdrängung von Arbeitskräften verstärken. Ob die Fortschritte im Bereich der KI neue Arbeitsplätze schaffen – oder die Nachfrage nach bestehenden Arbeitsplätzen so weit steigern –, dass solche Verdrängungen ausgeglichen werden können, bleibe «ungewiss».
Doch im Unterschied zu früheren Technologien «konkurriert KI direkt mit den kognitiven Fähigkeiten des Menschen», was den Spielraum für Arbeitnehmer möglicherweise einschränkt, in der Wertschöpfungskette aufzusteigen oder neue, nicht von der KI betroffene Aufgaben zu finden.
Bislang seien solche einschneidenden Arbeitsplatzverluste noch nicht in grossem Umfang eingetreten. Es gebe jedoch Anzeichen für mögliche künftige Anpassungen. In Medien- und Analystenkonferenzen würden immer mehr Unternehmen potenzielle Produktivitätssteigerungen durch KI ansprechen und damit ihre Absicht signalisieren, einen zunehmenden Anteil der Produktionsprozesse zu automatisieren und auf «Arbeitskräftesubstitution» zu setzen.
In den USA seien die Folgen dieser Entwicklung bereits erkennbar: Firmen mit einer höheren KI-Exposure verzeichnen höhere Produktivitätssteigerungen auf Kosten eines tieferen Beschäftigungswachstums.

