Point Zero Forum
Der UBS-Chef kontert Finanzministerin Karin Keller-Sutter und warnt, dass es ohne Wettbewerbsfähigkeit nicht möglich sein wird, die Schweiz als globalen und dynamischen Finanzplatz zu erhalten.
24. Juni 2026 • Beat Schmid

Heute war UBS-Chef Sergio Ermotti an der Reihe, nachdem gestern seine Widersacherin Karin Keller-Sutter die Bühne des Kongresshauses nutzte, um die strengeren Kapitalvorschriften für systemrelevante Banken zu verteidigen. Eigentlich stand das Thema künstliche Intelligenz auf der Agenda, doch als Ermotti am Schluss gefragt wurde, wie er denn die Zukunft des Landes und des Finanzplatzes sehe, setzte er zu einem fünfminütigen Monolog an.

Ermotti zeichnete dabei das Bild eines Finanzplatzes, der international weiterhin stark positioniert ist, sich aber nicht auf seiner Vergangenheit ausruhen kann. Die Schweiz sei ein Land, das gemessen an Fläche und Bevölkerung klein sei, aber zu den grössten Volkswirtschaften der Welt gehöre. Ein wesentlicher Grund dafür sei der Finanzplatz.

Banken, Versicherungen und Asset Management machten rund zehn Prozent des Bruttoinlandprodukts aus, beschäftigten etwa fünf Prozent der Erwerbstätigen und zahlten rund 40 Prozent der Unternehmenssteuern. Gleichzeitig habe sich der internationale Wettbewerb massiv verschärft. Finanzzentren in Asien, den USA und im Nahen Osten profitierten von starkem Wachstum und neuer Vermögensbildung. Europa hingegen wachse zu wenig und schaffe zu wenig neues Vermögen.

Für die Schweiz bedeute das, dass sie ihre Innovationskraft besser in wirtschaftlichen Erfolg übersetzen müsse. Zwar sei das Land seit Jahren sehr innovativ, sagte Ermotti, doch es gelinge zu selten, daraus grosse Unternehmen zu schaffen. «Wir sind das innovativste Land der Welt», sagte er, «aber wir sind nicht in der Lage, das in wirtschaftlichen Erfolg umzumünzen.» Als Beispiel nannte er die geringe Zahl von Unicorns im Vergleich zu Ländern wie Frankreich oder Deutschland.

Keine neuen Arbeitsplätze

Wenig überraschend ging Ermotti auch auf die Regulierungsdebatte ein. Er wolle sich dabei aber an die «Fakten» halten. Der regulatorische Rahmen in der Schweiz sei stark genug gewesen, damit UBS die Credit Suisse innerhalb weniger Monate stabilisieren konnte. Zudem habe UBS staatliche Garantien und zusätzliche Liquidität rasch zurückbezahlt.

Gleichzeitig kritisierte Ermotti, dass die Ursachen der Credit-Suisse-Krise aus seiner Sicht nicht vollständig dargestellt würden. «Einer der Hauptgründe für das Scheitern der Credit Suisse ist, dass sie regulatorische Ausnahmeregelungen genossen hat», sagte er. Die Credit Suisse habe Erleichterungen erhalten und gewisse Anforderungen nicht erfüllt, die für die UBS gegolten hätten. Diese Tatsache müsse Teil der Debatte sein. Sonst bleibe die Aufarbeitung unvollständig.

Ermotti warnte davor, die Regulierung einseitig auf Risikovermeidung auszurichten. Die Schweiz müsse Lehren aus der Krise ziehen, aber gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit des Finanzplatzes sichern. «Ohne Wettbewerbsfähigkeit werden wir keine neuen Arbeitsplätze schaffen», sagte er. «Ohne Wettbewerbsfähigkeit wird es uns nicht gelingen, die Schweiz als globalen und dynamischen Finanzplatz zu erhalten.»

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