Nach nur einem Jahr verlässt der Chef des Post-Trade-Geschäfts den Finanzdienstleister Knall auf Fall. Erst im Mai 2025 trat Rafael Moral Santiago in das Unternehmen ein und nahm Einsitz in die Konzernleitung. Als Head Security Services habe er wertvolle Beiträge zur Entwicklung der Geschäftseinheit geleistet und eine Reihe wichtiger strategischer und operativer Initiativen vorangetrieben, heisst es in der kurzen Mitteilung, die die SIX gestern Abend verschickte.
«Im Namen der Konzernleitung und des Verwaltungsrats möchte ich Rafael für sein Engagement und seinen Beitrag im vergangenen Jahr danken», sagte Bjørn Sibbern, CEO von SIX. Knapper und nüchterner kann man ein Geschäftsleitungsmitglied kaum verabschieden. Auf der Website wurde der Eintrag zu Rafael Moral Santiago bereits gelöscht.
Hört man in die SIX hinein, entsteht der Eindruck, dass Sibbern und Santiago das Heu nicht auf der gleichen Bühne hatten. Die Zusammenarbeit sei von Anfang an schwierig gewesen und habe sich in den letzten Monaten immer weiter verschlechtert. Auch Führungsprobleme im Post-Trade-Team werden thematisiert.
Komplettumbau der Konzernleitung
Bjørn Sibbern wurde im Januar 2025 CEO der SIX. Seither hat er die Geschäftsleitung komplett umgekrempelt. Auf sechs von zehn Posten setzte er eine Neubesetzung durch. Dass er nun mit Rafael Moral Santiago auf den «Falschen» gesetzt habe, könne bei so vielen Wechseln schon mal passieren, tönt es aus dem Innern.
Allerdings werden Konzernleitungsmitglieder in einem scheinbar aufwändigen Prozess auf ihr sogenanntes Skillset abgeklopft. Bei der Rekrutierung setzt die SIX wie viele andere Finanzfirmen auch auf die Dienste von Egon Zehnder. Wie man hört, soll Managing Partner Dominik Schaller bereits den Auftrag für die Nachfolge von Santiago erhalten haben.
Bis eine Nachfolge gefunden ist, übernimmt Marion Leslie, die Chefin des Datengeschäfts, die Abteilung. Dass es zu einem schnellen und radikalen Bruch kam, erstaunt. Die Geschäfte im wichtigen Post-Trade-Geschäft laufen gut. Auch liegt offenbar nichts Gravierendes gegen Rafael Moral Santiago vor. Hätte man da nicht eine andere Lösung finden können?
Unter einem anderen CEO vielleicht schon. Doch nicht mit Bjørn Sibbern, der laute Hauruck-Entscheide zu bevorzugen scheint.

