So einfach ist es dann vielleicht doch nicht. Am Wochenende gab Fredy Gantner der SonntagsZeitung ein Interview zu den Problemen des Zuger Private-Market-Investors und zum massiven Kurssturz der letzten Woche. Der Mitgründer von Partners Group gab Erklärungsversuche ab, warum das erfolgsverwöhnte Unternehmen zuletzt unter Druck kam.
Er wiegelte ab. Das operative Geschäft laufe gut, die Vorwürfe des Shortsellers seien haltlos und die Bewertungen würden stimmen, führte Gantner aus. Wenn dem so sei, warum traue dann der Markt dem Unternehmen nicht, wollte die SonntagsZeitung wissen. «Das ist zurzeit ein Branchenproblem und aus meiner Sicht eine massive Überreaktion. Die geopolitischen Rahmenbedingungen helfen auch nicht. Das betrifft nicht nur uns, aber wir müssen besser und proaktiver kommunizieren. Diese schmerzhafte Lektion gilt es zu lernen», entgegnete Gantner.
Tippinpoint hat in den letzten Tagen mit ehemaligen Angestellten sowie mit Branchenkennern gesprochen, die das Innenleben von Partners Group sehr gut kennen und mit den drei Gründern vernetzt sind. Neben der Zinsentwicklung und der geopolitischen Lage, mit denen alle zu kämpfen haben, kommt man auf vier Problemfelder, die spezifisch für die Zuger Partners Group sind.
Governance
Es beginnt mit der Governance, sagt ein Insider. Er sieht das Problem bei den Rollen der drei Gründer Alfred Gantner, Urs Wietlisbach und Marcel Erni. Sie haben zwar formell Macht abgegeben und sind nur noch einfache Verwaltungsratsmitglieder – die drei bezeichnen sich als exekutive VR-Mitglieder. Doch de facto würden sie weiterhin die Fäden im Unternehmen ziehen und sich ins Geschäft einmischen. Auf dem Papier sind die Zuständigkeiten eigentlich klar geregelt: CEO ist David Layton, Executive Chairman ist Steffen Meister. Doch wer ist wirklich verantwortlich für die Entscheide, die auf höchster Ebene gefällt werden? Es sei eben nicht so klar, die Verantwortlichkeiten würden in der Luft hängen, so der Kenner des Unternehmens.
Börsendruck
Zweiter Punkt: Als börsenkotierter Investment-Manager muss Partners Group vor allem seinen Aktionären dienen. Diese wollen starke Zahlen sehen. Augenfällig wurde dies letzte Woche, als das Unternehmen versuchte, die Märkte zu beruhigen. «Partners Group expects solid net AuM growth for 2026 despite recent uncertainty around evergreen redemptions», lautete die Überschrift der Medienmitteilung, die das Unternehmen letzten Donnerstag verschickte. Doch der Druck, die Assets under Management zu steigern, ist eigentlich genau das Problem. «Um der Börse zu gefallen, muss Partners Group viel Geld anziehen. Doch diese Geldflut muss auch irgendwo investiert werden, und das ist gar nicht so einfach.» Die Gefahr sei gross, dass man als Manager keine optimalen Investments tätige. Wenn Partners Group nicht an der Börse wäre, würde sie den Geldfluss in der aktuell angespannten Situation eindämmen, so die Einschätzung des Experten.
Investment-Produkte
Dritter Punkt: Die Produkte von Partners Group wie auch von anderen Private-Market-Investoren haben in den letzten Jahren nicht mehr so stark performt wie früher, als die Branche erheblich vom historischen Zinssenkungszyklus profitierte. Im Vergleich zu breiten Aktienindizes wie dem MSCI World sind vor allem die an Privatanleger vermarkteten Evergreen-Produkte nicht mehr haushoch überlegen, um es vorsichtig zu formulieren. Dabei sind spezifische Nachteile wie die fehlende beziehungsweise eingeschränkte Liquidität noch gar nicht mal eingerechnet. Die Rücknahmeanträge müssen deshalb auch aus Sicht der Performance gelesen werden, die für manche Anleger vielleicht nicht mehr so berauschend ist.
Expertise
Vierter Punkt: Partners Group macht (fast) alles. Das Unternehmen investiert ins Luxussegment (Breitling), aber auch in Industriefirmen, Kinderkrippen, Verpackungsunternehmen, Business-Software, Outsourcing-Dienstleister, Medizintechnik, erneuerbare Energien und vieles mehr. «Es ist unmöglich, Top-Expertise in allen diesen Branchen zu haben», sagt ein Insider. Die Gefahr, eine Branche oder ein Unternehmen nicht richtig zu verstehen, sei entsprechend gross. Damit gehe das Risiko einher, dass Partners Group für ein Unternehmen zu viel bezahle. Was man im Private-Markets-Geschäft oftmals unterschätzt: Neben den Investment-Managern wie Partners Group gibt es immer auch eine Reihe von industriellen Kaufinteressenten, die sich für ein Zielobjekt interessieren. Diese sind tiefer in den Märkten verankert und oftmals auch nicht bereit, jeden Preis zu bezahlen. Beziehungsweise ziehen sich zurück, sobald ein Private-Equity-Unternehmen auftaucht.

