US-Präsident Donald Trump hat die Chefs der Rohstoffhandelshäuser Vitol und Trafigura zu Gesprächen ins Weisse Haus eingeladen. Thema sind die Vermarktung und der Verkauf von venezolanischem Öl. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters in einer Exklusivmeldung.
Der Genfer Rohstoffhändler Vitol soll von der US-Regierung bereits eine vorläufige Lizenz erhalten haben, um während 18 Monaten Verhandlungen über Import und Export von venezolanischem Öl aufzunehmen, sagten Quellen zu Reuters. Das Weisse Haus hatte erklärt, dass am Freitag Gespräche mit US-Ölkonzernen stattfinden würden. Dass auch Schweizer Handelshäuser eingeladen sind, war bisher nicht öffentlich bekannt.
Vitol und Trafigura – letztere hat ihre Operationen weiterhin in Genf, den Hauptsitz jedoch nach Singapur verlegt – wollten die Einladung gegenüber der Agentur nicht kommentieren. Auch das Weisse Haus äusserte sich nicht dazu, ob Vitol und Trafigura eingeladen wurden.
USA wollen Ölverkäufe auf unbestimmte Zeit kontrollieren
Die Trump-Regierung nahm Venezuelas Ölindustrie kurz nach der Festnahme von Präsident Nicolás Maduro durch US-Truppen am 3. Januar ins Visier. Trump erklärte, er wolle die Ölverkäufe und die daraus erzielten Einnahmen Venezuelas auf unbestimmte Zeit kontrollieren.
Das US-Energieministerium teilte am Mittwoch mit, man stehe in Kontakt mit Rohstoffhändlern und Banken, um den Verkauf von venezolanischem Rohöl und Treibstoffen zu organisieren und finanziell abzusichern. Welche Firmen beteiligt sind, wurde nicht präzisiert. Trump hatte bereits erklärt, dass US-Firmen in Venezuela investieren und die Ölindustrie wieder aufbauen sollen, um die Förderung zu steigern und die globalen Energiepreise zu senken.
Washington und Caracas einigten sich diese Woche auf den Export von rund 30 bis 50 Millionen Barrel Öl im Wert von rund zwei Milliarden Dollar in die USA. US-Ölkonzerne erklärten jedoch, sie wollten «ernsthafte Garantien», bevor sie investieren. Amerikanische Sanktionen haben dazu geführt, dass die Produktion des ölreichen Staates auf rund eine Million Barrel pro Tag gefallen ist. In den 1970er-Jahren lag die Förderung noch bei 3,5 Millionen Barrel pro Tag, was damals rund 7 Prozent der globalen Produktion entsprach.
Vitol und Trafigura gehörten vor den US-Sanktionen von 2019 zu den aktivsten Händlern von venezolanischem Öl. Die Genfer Händler verfügen über eine Flotte von Tankern, die rasch in Venezuela eingesetzt werden kann. US-Konzerne seien zentral für die Produktion, doch grosse internationale Handelshäuser brächten eine globale Reichweite und Flexibilität mit, die den Majors fehle, sagt Jean-François Lambert von der Beratungsfirma Lambert Commodities gegenüber Reuters.

