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Mit Zeus ATM soll man einfach Bitcoin handeln können – diese erhält man ins eigene Wallet.
7. März 2024 • Werner Grundlehner

Der Bitcoin-Kurs stösst in den Olymp vor – kein Wunder, dass jetzt auch Göttervater Zeus im Kryptobereich mitmischen will. Mit Zeus ATM betritt ein neuer Schweizer Krypto-Dienstleister den Markt. Das Unternehmen lanciert mit dem Bitcoin-Congierge und dem «Krypto-Bancomaten» Zeus ATM zwei Krypto-Dienstleistungen, die Privatanlegern ermöglichen, direkt in Bitcoin und andere Kryptowährungen zu investieren.

Die Gründer – bekannte Gesichter aus der Schweizer Krypto-Szene – haben in ihrer bisherigen Tätigkeit festgestellt, dass es an vertrauenswürdigen und zugänglichen Beratern fehle, um in Bitcoin zu investieren. Der regulierte Krypto-Broker Zeus ATM will mit einem sicheren und fachkundigen Krypto-Wechselservice eine Lösung anbieten.

Das Gründerteam umfasst Rino Borini (Scarossa, House of Satoshi), Alain Imhof (21 Lectures), Dominik Spicher (21 Analytics) und Patrik Widmer (Scarossa, House of Satoshi). Das Unternehmen mit dem Blitz im Logo (dieser steht für Lightning, den Offchain Zahlungsdienst für schnelle Bitcoin Zahlungen) bietet folgende Dienstleistungen an:

Bitcoin Concierge ermöglicht dem Kunden, grössere Beträge (Mindestbetrag 25'000 Franken) direkt in Kryptowährungen zu investieren. «Wir haben im House of Satoshi in Zürich schon länger festgestellt, dass Krypotinteressierte, oft junge Unternehmerinnen und -unternehmer vorbeischauen und sagen, sie möchten direkt in Bitcoin investieren, trauten sich aber nicht und bräuchten Support – etwa beim Einrichten des Wallet», sagt Rino Borini im Gespräch mit tippinpoint.

Für kleinere Beträge können die potenziellen Investoren am Bitcoin ATM handeln. Ein solcher Apparat ist im House of Satoshi an der Langstrasse seit rund einem halben Jahr in Betrieb. Am ATM können pro Kunde gemäss den geltenden Regulierungen innerhalb eines Zeitraums von 30 Tagen bis zu 1000 Franken ohne Identifikation gewechselt werden. Personen, die eine höhere Obergrenze nutzen möchten, erhalten nach einer erfolgreichen Prüfung der Identität (KYC) Zugang zu diesem erweiterten Limit.

Bei ausländischen Mitbürgern beliebt

Auf die Frage, ob diese Dienstleistung nicht einfach die Relai-App in einem Bancomatgehäuse ist, meint Borini: «Relai funktioniert mit Banküberweisung. Es wird ein Self-Custody-Wallet angeboten. Wir haben zwei andere Wege: Via Concierge kaufen und senden wir die Bitcoin und andere Kryptowährungen auf das Wallet des Nutzers oder helfen ihm mit einem Hardware-Wallet». Dafür zahlt der Nutzer volumenabhängig zwischen 0,5 bis 1,5 Prozent.

Oder aber der Nutzer kommt mit Cash – was gemäss Borini nach wie vor beliebt ist – und zahlt am ATM ein und schickt die Bitcoins dann an sein Wallet oder an einen Dritten. Das umfasst mehr Privacy-Ansprüche und Cash-Handling, weshalb die Krypto-ATM-Anbieter auch deutlich teurer sind als Wallet-Anbieter, die zwischen 1,5 und 2,5 Prozent verlangen. Die Transaktionsgebühr kostet am Zeus ATM 8 Prozent. Das ist deutlich billiger als den Bitcoin-Automaten von Konkurrenten, die 20 Prozent und mehr verlagen.

Es habe sich am ATM in Zürich gezeigt, dass das Angebot gerne von Ausländern genutzt werde, weil das System billiger und sicherer sei als etwa Western Union und Banküberweisungen. «Gerade Südamerikaner haben Erfahrungen mit schwachen Landes- und sicheren Kryptowährungen», sagt Borini. Er macht sich auch keine Sorgen, dass das schlechte Image der SBB-Kryptoautomaten – die nur teure Bezüge ermöglichten – auf sein Geschäft abfärben könnte, da Zeus ATM die Kunden mit Dienstleistungen und kompetenten Mitarbeitern unterstüze.

Standorte werden evaluiert

Einfache Fragen von Kunden werden gemäss Borini direkt beantwortet. Das Unternehmen empfiehlt jedoch an Coaching-Programmen für 125 Franken pro Stunde oder an Workshops (je nach Thema zwischen 60 und 90 Franken) im House of Satoshi teilzunehmen. Die ATM will das Unternehmen nicht wahllos aufstellen, sondern nur an Orten, wo Personal zugegen ist, das mit Rat und Tat zur Seite stehen kann. In Basel, Bern und Luzern sei man mit Standorten in der Innenstadt am Verhandeln. «Zu uns kommen oft Leute, die nach einem Automatenbezug im Manor oder am Kiosk nicht mehr weiter wussten», sagt Borini. Diesen erkläre man dann die Funktionalität von Bitcoin und helfe ein Wallet einzurichten.

Das neue Unternehmen verwaltet selbst keine Bitcoin-Bestände, es fungiert als Wechselstube. «Ein Kunde kommt zu uns und sagt, er wolle für 50’000 Franken Bitcoin kaufen, dann erwerben wir den Gegenwert für ihn und transferieren diesen auf sein Wallet». Das kostet zwischen 0,5 und 1,5 Prozent. Das sei wie im Private Banking verhandelbar, so Borini. «Bei grossen, treuen Kunden lässt sich über die Gebühren diskutieren».

Auch Krypto-Einzahlungen möglich

Das Geschäft funktioniert auch in die andere Richtung und in anderen Kryptowährungen. Man kann am ZeusATM auch Bitcoin & Co. einzahlen. Beim ATM ist der Betrag ebenfalls auf den Gegenwert von 1000 Franken im Monat limitiert. Stammen die Kryptowährungen nicht von Zeus ATM, werden sie von einem externen Compliance Officer geprüft. Auch externe Steuerberater stehen zur Verfügung, wenn hier Fragen auftauchen sollten.

Das Unternehmen werde im ATM-Geschäft trotz Investitionen schon im ersten Jahr die Gewinnschwelle erreichen, da Zeus ATM schlank aufgestellt ist, sagt Borini. Das Volumen im «Bancomat-Geschäft» schätzt er auf 1,5 bis 3 Millionen Franken. Im Bereich Bitcoin Concierge sei eine Prognose kaum möglich. Man habe aber bereits in den ersten Tagen ein reges Interesse festgestellt.

Das Angebot zeigt, nicht nur bei indirekten Anlagen in Bitcoin wie über ETF und ETP steigt das Publikumsinteresse. Derartige Dienstleistungen lassen vermuten, dass auch immer mehr Privatpersonen in Bitcoin & Co investieren und die Coins selbst verwalten und nutzen wollen.

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