Nur Wochen nachdem die USA die NSO Group auf eine Schwarze Liste gesetzt haben, soll die Credit Suisse die Softwarefirma gedrängt haben, die umstrittene Pegasus-Software weiterhin an Neukunden zu verkaufen. US-Behörden werfen der israelischen Firma vor, dass autoritäre Regime die Software benutzt haben, um Dissidenten zum Schweigen zu bringen.
Offenbar haben Anwälte, welche die Interessen der Credit Suisse und weiterer Gläubiger der angeschlagenen NSO Group vertreten wie der Hedge-Fonds Senator, das iraelische Unternehmen in einem Brief vom Dezember aufgefordert, die Software trotz Bedenken weiterhin an Neukunden zu verkaufen. Im November hatte die US-Regierung das Unternehmen auf eine Schwarze Liste gesetzt.
Umsätze eingebrochen
Die Umsätze der NSO Group brachen vor bald einem Jahr ein, als bekannt wurde, dass die Software Pegasus wiederholt in Zusammenhang mit Menschenrechtsverletzungen eingesetzt wurde. NSO musste einen Kredit über 10 Millionen Dollar aufnehmen, um die Löhne der Mitarbeiter überhaupt zu bezahlen zu können.
"Die Kreditgeber verstehen und anerkennen die nötige Vorsicht angesichts der weltweiten Aufmerksamkeit, die auf das Unternehmen gerichtet ist", heisst es in dem Schreiben vom 10. Dezember 2021 an die Berkeley Research Group. Das Beratungsunternehmen verwaltet einen Buyout-Fonds, der 70 Prozent an der NSO Group hält.
Die Gläubiger seien “beunruhigt” über die Äusserungen von NSO-Vertretern, wonach Berkeley das Unternehmen daran hindere, “neue Kunden zu akquirieren”. Das habe “die derzeitige Liquiditätskrise des Unternehmens noch verschärft”, schrieben die Anwälte der Kanzlei Willkie Farr & Gallagher. Die NSO Group müsse in der Lage sein, in dieser “kritischen Phase seinen normalen Betrieb unter angemessener Aufsicht fortzuführen”.
Der Brief tauchte in Zusammenhang mit einem Rechtsfall auf, der aktuell in Israel hängig ist. Die Credit Suisse und der Hedge-Fonds Senator werden laut “Financial Times” in dem Schreiben zwar nicht mit Namen genannt, doch gemäss Quellen der Zeitung sei der Brief im Auftrag der beiden Unternehmen verschickt worden. Berkeley zeigte sich offenbar tief besorgt über den Druck der Gläubiger. Die Bank wollte sich gegenüber der FT nicht zu Fall äussern.
Credit Suisse agierte mit der US-Investmentbank Jefferies als sogenannter Bookrunner, um eine halbe Milliarde Dollar an Fremdkapital für den Private-Equity-Buyout des Spyware-Konzerns im Jahr 2019 aufzubringen.
Nur noch Kunden mit erhöhtem Risiko
Letzten Sommer deckte ein internationales Journalistenkonsortium auf, dass die Spionagesoftware entgegen wiederholter Beteuerungen der NSO Group missbraucht worden war. Es konnte nachweisen, dass unter anderem mehrere Staats- und Regierungschefs sowie mindestens 180 Journalisten, Menschenrechtsverteidiger, Gewerkschafter, Diplomaten und mehrere Staats- und Regierungschefs ins Visier genommen wurden.
Das Management von NSO habe offenbar eingeräumt, dass nach der Veröffentlichung der Recherche die einzigen potenziellen Abschlüsse für das Pegasus-Softwaresystem von Kunden mit “erhöhtem Risikostatus” stammen würden, von denen mindestens einer das Hacking-Tool bereits missbraucht haben soll.
Wenn ein Unternehmen von der US-Regierung auf die Schwarze Liste gesetzt wird, bedeutet das, dass es ohne Genehmigung keine Produkte oder Dienstleistungen von US-Unternehmen beziehen darf. Gegen NSO laufen unter anderem Klagen von Apple und dem Facebook-Konzern Meta. Sie werfen dem Softwareunternehmen vor, Schwachstellen ausgenutzt zu haben, um ihre Spionagesoftware zu verbreiten.