Credit Suisse profitiert von massiv gestiegenen Kohlepreisen

Bei der Rückforderung von Greensill-Millionen spielt der Grossbank die Preisspirale an den Rohstoffmärkten in die Hände.

Credit Suisse profitiert von massiv gestiegenen Kohlepreisen
Wittert Morgenluft: Der schwerreiche US-Gouverneur und CS-Schuldner Jim Justice (Quelle: Flickr)

Die Credit Suisse und der schwerreiche Gouverneur von West Virginia, Jim Justice, stehen kurz vor einer Einigung über eine Rückforderungszahlung von 690 Millionen Dollar. Diese Summe schuldet das Bergbauunternehmen Bluestone Resources den Kunden der Grossbank. Das Unternehmen des US-Politikers hatte sich bei Greensill Capital, dem kollabierten britischen Unternehmen für Lieferkettenfinanzierungen, stark verschuldet.

Der zwischen dem Kohlebaron und Credit Suisse ausgehandelte Deal sieht laut einem Bericht der FT (Artikel bezahlpflichtig) vor, dass die Bluestone-Minen ihre Produktion steigern und regelmässige Barzahlungen in die Schweiz überweisen. Die Credit Suisse hat offenbar auch eine Option auf Erlöse, falls die Minen später verkauft würden. Die getroffene Vereinbarung sei in wenigen Wochen unterschriftsbereit.

Kohlepreise um 350 Prozent gestiegen

Im vergangenen September scheiterten erste Verhandlungen. Damals schlug der Bergbauunternehmer vor, zur Begleichung der Schulden 300 Millionen Dollar an die CS zu zahlen und zusätzlich die Hälfte der Verkaufserlöse aus dem Minengeschäft abzuliefern. Der Deal platzte jedoch, weil nicht klar war, vom der Gouverneur die 300 Millionen Dollar geliehen bekommen hätte.

Die Ausgangslage hat sich in der Zwischenzeit komplett geändert. Der Grund dafür sind die stark gestiegenen Kohle-Preise. Im Bundesstaat West Virginia, wo Bluestone aktiv ist, liegen die wichtigsten Kohleabbaugebiete der USA. Der Preis für sogenannte Kokskohle, die vor allem für die Stahlherstellung benötigt wird, ist in den letzten 12 Monaten um 350 Prozent gestiegen.

Die Preisexplosion an den Kohlemärkten ist unter anderem auf das Anspringen der US-Wirtschaft in nach der Pandemie sowie auf die Angebotsverknappung infolge des Einmarsches russischer Truppen in der Ukraine zurückzuführen.

Noch drei ungelöste Probleme

Seit dem Zusammenbruch von Greensill vor über einem Jahr versucht die Credit Suisse, an die versickerten Gelder zu kommen, die sie der Lieferkettenfirma geliehen hat. Bluestone ist eine von drei Baustellen bei der Rückführung von Greensill-Geldern. Insgesamt fehlen der CS noch 2,7 Milliarden von den ursprünglich 10 Milliarden Dollar, die sich in den Fonds befanden. In diese Lieferketten-Fonds, die im März 2021 blockiert wurden, haben rund 1200 vermögende CS-Kunden investiert.

Erst letzte Woche zerrte die Bank den britischen Metallmagnaten Sanjeev Gupta vor ein englisches Konkursgericht. Dessen GFG Alliance von Gupta der CS 1,3 Milliarden. Beim dritten Schuldner handelt sich das zusammengebrochene US-Bauunternehmen Katerra, welches der Bank 440 Millionen Dollar schuldet. In diesem Zusammenhang hat die CS rechtliche Schritte gegen den japanischen Finanzriesen SoftBank eingeleitet, dessen Vision Fund Katerra direkt finanzierte. Zur nächsten Verhandlung in diesem Fall soll es Ende dieser Woche kommen.

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