Die Schweizerische Nationalbank hat Appetit auf Unternehmen, aus denen sich andere grosse Investoren längst verabschiedet haben. Das geht aus den quartalsweise offengelegten US-Aktienpositionen der Notenbank hervor. Insgesamt umfassten die US-Investments Ende März 2026 noch 2301 Positionen mit einem Wert von 173,8 Milliarden Dollar. Ende 2025 waren es 2311 Positionen mit einem Wert von 168 Milliarden Dollar.
Wie ein Datenabgleich zeigt, hält die Nationalbank zahlreiche Positionen, die bei anderen Investoren auf Ausschlusslisten stehen. Auffällig an den Zahlen des ersten Quartals ist, dass die Notenbank ihre Positionen in diesen umstrittenen Unternehmen zum Teil deutlich ausgebaut hat. So erhöhte die Frankenwächterin ihre Beteiligung an Barrick Mining überproportional stark. Gegenüber Ende 2025 baute sie die Position um 25,9 Prozent von 4,51 auf 5,68 Millionen Aktien aus – das entspricht einem Investment von über einer Viertelmilliarde Dollar.
Barrick Mining gerät wegen umstrittener Geschäftspraktiken regelmässig in die Schlagzeilen. Vor über zehn Jahren musste in Chile ein Projekt des weltweit grössten Goldabbauunternehmens wegen massiver Umweltprobleme gestoppt werden. Der Konzern musste damals 16,4 Millionen Dollar Strafe zahlen. Im Jahr 2023 wurden wegen der Erweiterung einer Goldmine in Tansania 5000 Indigene gewaltsam vertrieben, wie NGOs berichteten. Das Gold aus dieser Mine wird von der Schweizer Goldraffinerie MKS Pamp verarbeitet.
Tabak, Kohle, Atomwaffen
Firmen wie Barrick Mining befinden sich deshalb auf den Ausschlusslisten vieler Investoren, darunter des weltweit grössten Staatsfonds aus Norwegen. Norges Bank Investment Management stieg bei dem umstrittenen Bergbauunternehmen bereits 2007 aus – wegen «schwerer Umweltschäden», wie es in der Begründung heisst.
Barrick Mining ist nicht die einzige Abweichung gegenüber Norwegen. Ein Datenabgleich zeigt, dass die SNB in über ein Dutzend Unternehmen investiert ist, die sich auf den Ausschlusslisten des norwegischen Staatsfonds befinden. Dazu zählen Tabak- und Rüstungskonzerne, die in der Produktion von Atomwaffen aktiv sind. Aber auch zahlreiche Unternehmen mit Bezug zu fossilen Brennstoffen wie Kohle, Öl und Gas.
Auffällig ist zudem: Caterpillar, L3Harris, Altria, Philip Morris, Boeing, Northrop, General Dynamics, Duke Energy und Honeywell wurden alle um rund 7 Prozent aufgestockt. Dem Divestment von Caterpillar ging in Norwegen eine intensive Debatte voraus.
Ausgebaut hat die SNB auch ihre grössten Positionen: Nvidia ist gemäss Filing weiterhin die grösste Position mit 7,1 Prozent am Gesamtwert der US-Aktienbestände. Danach folgen Apple (6,3 Prozent), Alphabet (5,1 Prozent), Microsoft (4,4 Prozent), Amazon (3,3 Prozent) und Broadcom (2,4 Prozent).

