Lohnstudie
Eine bisher unveröffentlichte Studie zeigt, dass ESG zu einem Viertel in den Vergütungsplänen gewichtet ist. Gesellschaft- und Governance-Aspekte schwingen oben aus.
9. September 2022 • red.

In der weniger als die Hälfte der grossen Schweizer Unternehmen sind die Entschädigungen der Manager an Nachhaltigkeitsziele geknüpft. Von den 100 grössten im SPI gelisteten Firmen berücksichtigen 42 Prozent ESG-Ziele in der Vergütung, wie eine Studie des Schweizer Beratungsunternehmens HCM International ergeben hat.

Das mit Abstand wichtigste Thema, das den Bonus beeinflusst, sind Gesellschaftsaspekte. Bei 30 Prozent der Schweizer Firmen fliessen Metriken wie Diversity, Firmenkultur, Mitarbeitergesundheit in die Bonuspläne ein. Bei 16 Prozent sind Governance (Geschäftsgebaren, Riskmanagement, Compliance) und Kundenbeziehungen Teil des Bonus. Neun von 100 Firmen schauen auf Erfüllung von Umweltzielen, wenn die individuelle Leistung einer Managerin oder eines Managers evaluiert wird.

Die Gewichtung von ESG-Zielen beträgt 25 Prozent

Umwelt-, Sozial- und Governance-Aspekte werden durchschnittlich zu einem Viertel in den variablen Vergütungsplänen gewichtet. Bei den kurzfristigen Boni, den sogenannten Short-Term-Incentive-Plänen, liegt die Gewichtung bei 24 Prozent.

Bei den langfristigen Plänen beträgt dieser Wert 27 Prozent. Damit liegt die Schweiz ungefähr im internationalen Durchschnitt: Global werden kurzfristige Boni zu 28 Prozent gewichtet, langfristige Boni zu 25 Prozent.

HCM International kommt zu ähnlichen Ergebnissen wie das Beratungsunternehmen Swipra, das im Frühling eine ähnliche Erhebung durchführte. Gemäss dieser Studie haben 48 Prozent der 100 grössten Schweizer Firmen ESG-Ziele in den Vergütungsplänen verankert. Eine grössere Divergenz zwischen den Studien zeigt sich bei der Gewichtung: Gemäss Swipra beeinflussen ESG-Faktoren den Bonus mit fünf bis zehn Prozent.

Je grösster, desto mehr ESG im Bonus

Generell gilt: Je grösster ein Unternehmen ist, desto eher fliessen ESG-Aspekte in die Vergütungssysteme ein. Eine weltweit durchgeführte Untersuchung, die HCM International mit Partnerfirmen durchgeführt hat, weist bei Grosskonzernen einen Anteil von 74 Prozent aus. Aus der Schweiz wurden die SMI-Firmen berücksichtigt, also die 20 grössten börsenkotierten Unternehmen.

Im internationalen Vergleich hat Australien mit 84 Prozent den höchsten Anteil von Unternehmen, die ESG-Ziele in Manager-Entschädigungen berücksichtigen. Grossbritannien und Europa (die Schweiz wurde nicht separat ausgewiesen) kommen auf 79 Prozent. Südafrika liegt an vierter Stelle mit 75 Prozent, gefolgt von Kanada (7 0%), den USA (62 %) und Singapur (57 %).