Salärpolitik
Die Grossbank hat im ersten Quartal bei sinkenden Erträgen die Lohnzahlungen erhöht. Diese Entwicklung ist nicht nachhaltig. Überzahlt sind insbesondere die Mitglieder der Schweizer Geschäftsleitungen.
5. Mai 2022 • Beat Schmid

Im ersten Quartal erhöhte die Credit Suisse ihre Zahlungen für Löhne um 11 Prozent auf 2,5 Milliarden Franken. Gleichzeitig sanken die Erträge um 42 Prozent auf 4,4 Milliarden Franken. Erträge und Löhne nähern sich immer näher an, tatsächlich waren sie sich in den letzten Jahren noch nie so nahe gekommen, wie eine Grafik auf Basis der letzten 17 Quartalsberichte zeigt.

Diese Entwicklung ist nicht nachhaltig. Die Grossbank kann so kein Geld verdienen, keine Rücklagen bilden und den Aktionären auch keine Dividenden mehr zahlen. Wenn die CS dieses Lohnniveau halten will, dann müsste sie die Erträge in den kommenden Monaten massiv steigern. Doch derzeit erwecken weder die Bank noch die Märkte den Eindruck, als ob dies gelingen könnte.

Zudem hat die Bank entschieden, aus dem Geschäft für Hedge-Fonds-Services auszusteigen, einem früher sehr lukrativen Geschäft. Die CS stellte Profihändlern Kredite zur Verfügung, spezielle Produkte, Absicherungen und den Zugang zu ihren Handelssystemen.

Doch die Geschäfte mit Hedge-Fonds muss man im Griff haben. Schnell türmen sich Milliardenrisiken auf. Wenn die Controller diese Risiken nicht managen können, kann es teuer werden. Vor allem, wenn es sich bei einem Hedge-Fonds-Kunden um einen offensichtlich unseriösen Akteur wie Bill Hwang von Archegos handelt, welcher der Credit Suisse mit fünf Milliarden Franken den grössten Handelsverlust der Geschichte einbrockte.

Statt die Ausgaben um die wegfallenden Erträge aus dem Prime-Brockerage zu kürzen, hat CS-Chef Thomas Gottstein entschieden, die Löhne heraufzusetzen. Er begründete diesen Schritt mit Kürzungen, die von einem Jahr vorgenommen wurden und mit der Angst, die besten Mitarbeiter an die Konkurrenz zu verlieren. Beide Argumente sind nicht stichhaltig.

Nicht alle Abteilungen und Jobprofile in gleichen Masse der Konkurrenz ausgesetzt

Zum ersten Argument: Vor einem Jahr als die Skandale um Greensill und Archegos auftraten, kürzte die Bank tatsächlich vielen Mitarbeitern die Boni. Doch damals war die Ertragssituation noch eine ganze andere. Seither haben die Märkte gegen die Credit Suisse gespielt, wie Gottstein anlässlich der Präsentation der letzten Quartalszahlen selbst sagte. Und, wie gesagt, die Bank ist inzwischen aus dem Prime-Brockeage-Geschäft ausgestiegen. Kommt hinzu, dass die dauernden Krisen inzwischen auf das Wealth-Managenent übergegriffen haben. Warum ein Unternehmen in einer derart desolaten Situation die Löhne erhöht, ist nicht nachvollziehbar.

Zum zweiten Argument: Seit Jahren behaupten Schweizer Grossbanken, sie müssten hohe Löhne zahlen, damit sie die besten Mitarbeitenden nicht verlieren. So argumentierte schon die UBS, als sie nach 2008 quasi unter staatliche Kuratel gestellt wurde und den Bonustopf mit der Finma aushandeln musste. Nicht alle Abteilungen und Jobprofile sind jedoch in gleichem Masse der Konkurrenz ausgesetzt. In Asien ist die Situation eine andere als in der Schweiz und den USA. Pauschal kann dieses Argument ohnehin unmöglich stimmen. Hätte sie die besten Leute an der Spitze, würde sie sich ja nicht in dieser misslichen Situation befinden.

Wie stark überhöht die Löhne bei der CS, aber auch bei der UBS sind, zeigt sich im Schweizer Geschäft. Hohe Kaderleute im Schweizer Retail- und Corporate-Banking verdienen zum Teil das Doppelte bis Dreifache ihrer Kollegen aus dem Raiffeisen- oder Kantonalbankenumfeld. Zwar legen die UBS und Credit Suisse die Zahlen zur Entlöhnung ihrer Schweizer Geschäftsleitungen nicht offen, aber die Schätzungen dürften zutreffen.

Herleiten lässt sich das so: Die UBS zahlte der 12-köpfigen Konzernleitung im letzten Jahr eine Gesamtsumme von 117,8 Millionen Franken aus. Zieht man davon den Lohn von CEO Ralph Hamers ab, kommt man auf eine durchschnittliche Entlöhnung von 8,7 Millionen Franken. Bei der CS ist eine Durchschnittsberechnung schwieriger, da es in den letzten Jahren viele Wechsel an die Spitze gab, die das Ergebnis verfälschen. Zudem gab es Kürzungen im Fall von Archegos und Greensill. Im Jahr 2018 zahlte die CS der 12-köpfigen Konzernleitung Löhne von 93 Millionen Franken aus, abzüglich des Lohn von Tidjane Thiam ergibt das ein Durchschnittssalär von 7,3 Millionen Franken.

Gewöhnliche GL-Mitglieder der Schweizer Einheiten erhalten bis 3 Millionen Franken.

Die Zuständigen des Schweizgeschäfts, also Sabine Keller-Busse bei der UBS und André Helfenstein bei der CS, dürften etwa diesen Durchschnittslohn beziehen. Möglicherweise bekommen sie sogar mehr, da in den Konzernleitungen auch Chefs von Stabsstellen sitzen wie Human Resources und Rechtsabteilung, die weniger als den Durchschnitt erhalten.

Geht man nun eine Stufe tiefer in die lokalen Geschäftsleitungen, dürften deren Mitglieder etwa die Hälfte der Bezüge ihrer direkten Vorgesetzten bekommen, also von Sabine Keller-Busse oder André Helfenstein. Selbst wenn man es sehr konservativ rechnet, kommt ein gewöhnliches Geschäftsleitungsmitglied der Schweizer Einheit einer Grossbank auf ein Gehalt von 1,5 bis 3 Millionen Franken.

Zum Vergleich: Raiffeisen-Chef Heinz Huber kassierte letztes Jahr 1,4 Millionen Franken, Postfinance-Chef Hansruedi Köng 971’000 Franken und ZKB-Chef Martin Scholl 2,5 Millionen Franken. Jetzt kann man sich fragen: Ist die hohe Lohndiskrepanz zwischen einem André Helfenstein von der CS und einem Hansruedi Köng oder Martin Scholl wirklich gerechtfertigt? Es wäre dann der Fall, wenn Helfenstein jederzeit abgeworben werden könnte. Doch von wem? Der ZKB? Er würde dort deutlich weniger verdienen. Es müsste schon eine Bank im Ausland sein, die ihm einen ähnlich hohen Lohn bezahlen könnte. Doch ist das wirklich realistisch? Ziemlich sicher nicht. Der Sprung vom Schweizer Retail in eine ausländische Grossbank hat kaum jemand geschafft.

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