Wird der Franken bald noch schwächer?

Der Schweizer Franken ist ins Visier von Carry-Trade-Investoren geraten. Auslöser sind die jüngsten Interventionen der USA und Japans zur Stützung des Yen.

Wird der Franken bald noch schwächer?
(Bild: Senad Palic / Unsplash)

Die überraschenden, koordinierten Interventionen der USA und Japans zur Stützung des Yen könnten dazu führen, dass der Schweizer Franken weiter an Wert verliert. Das würde den exportorientierten Unternehmen entgegenkommen, für hauptsächlich im Franken exponierte Anleger wäre das aber weniger gut.

Der Franken hat in diesem Jahr bereits deutlich gegenüber dem Euro verloren, er ist aber immer noch 12 Prozent stärker gegenüber dem Euro als vor fünf Jahren. Gründe dafür sind die bekannten Aufwertungsfaktoren wie der hohe Handelsbilanzüberschuss, die tiefe Verschuldung der Staatsfinanzen, die tiefe Inflation und Zuflüsse in den Franken als sicheren Hafen.

Sowohl der Yen als auch der Franken spielen bei sogenannten Carry Trades eine wichtige Rolle. Dabei nehmen Investoren Kredite in Währungen mit tiefen Zinsen auf und investieren das Geld in höher verzinste Anlagen – häufig in Schwellenländern. Dadurch geraten die als Finanzierungswährungen verwendeten Währungen tendenziell unter Abwertungsdruck. Allerdings können Kursbewegungen die vergleichsweise kleinen Gewinne aus der Zinsdifferenz rasch zunichtemachen.

Bislang war der Yen die bevorzugte Finanzierungswährung. Doch das Auf und Ab der japanischen Währung hat Carry Trades unberechenbarer gemacht. Investoren müssen jederzeit mit Interventionen rechnen. «Die Marktteilnehmer werden darüber nachdenken, einen Teil ihrer Finanzierungspositionen umzuschichten», sagte Fredrik Repton, Senior Portfolio Manager bei Neuberger Berman, gegenüber Reuters. Die Entwicklung des Euro-Franken-Kurses zeige bereits, wie sich das Marktumfeld verändert habe.

Seit März schwächelt der Franken

Der Franken dagegen ist deutlich stabiler und wird tendenziell auch immer schwächer. «Die Schweizer Zinsen sind nicht nur tiefer als jene in Japan, auch die Volatilität des Frankens ist geringer», sagt Adarsh Sinha, Leiter der globalen G10-Devisenstrategie bei der Bank of America.

Bei einem Euro-Franken-Kurs von rund 0,9385 notiert der Franken gegenüber dem Euro derzeit nahe seinem schwächsten Stand seit rund einem Jahr. Seit dem Elfjahreshoch im März bei knapp 0,90 hat die Schweizer Landeswährung rund 4 Prozent verloren. Gegenüber dem Dollar hat sie seit ihrem Elfjahreshoch im Januar sogar fast 7 Prozent eingebüsst.

Rabobank erhöhte vergangene Woche ihre Prognose für den Euro-Franken-Kurs auf Sicht von neun bis zwölf Monaten von 0,94 auf 0,95. Die Analysten rechnen damit, dass sich der Franken weiter abschwächt.

Auch im Direktvergleich mit dem Yen verliert der Franken. Die Bank of America empfiehlt bereits seit Längerem, den Franken gegenüber dem Yen zu verkaufen. Ihr Kursziel liegt bei 190 Yen je Franken. Derzeit sind es rund 196 Yen, vor den jüngsten Interventionen waren es noch 200 Yen.

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