Bitcoin ist innerhalb von 24 Stunden um mehr als elf Prozent gestiegen und hat erstmals seit Anfang Juni wieder die Marke von 70’000 Dollar überschritten. Gegen Donnerstagabend erreichte die Notierung annähernd 73’000 Dollar. Auch der restliche Kryptomarkt legte kräftig zu.
«Das Treffen im Weissen Haus hat dem Markt vor allem politische Rückendeckung gegeben. US-Präsident Donald Trump empfing am Mittwoch Vertreter von Coinbase, Ripple und Robinhood gemeinsam mit den Vorsitzenden der Regulierungsbehörden SEC und CFTC. Neue regulatorische Substanz brachte das Treffen zwar kaum, doch die Botschaft war eindeutig: Die US-Regierung hält an ihrem kryptofreundlichen Kurs fest», sagt Johanna Belitz, Head of Nordics beim Krypto-ETP-Emittenten Valour.
An diesem Treffen forderte der US-Präsident aber auch, die Kongressabgeordneten sollten «eine faire Fassung» des Digital Asset Market Clarity Act verabschieden, um die USA «vor China» zu halten. Der Gesetzentwurf zur Marktstruktur, der im Juli 2025 vom Repräsentantenhaus verabschiedet wurde, ist seit Monaten im Senat blockiert – aufgrund von Bedenken hinsichtlich tokenisierter Aktien, Stablecoin-Prämien und potenzieller Interessenkonflikte der Familie Trump mit der Kryptoindustrie.
Short Squeeze und makroökonomische Lage
Die Stärke der Bewegung vom Donnerstag erkläre sich jedoch nicht allein durch fundamentale Impulse, fügt Belitz an. Bitcoin hatte zuvor rund drei Wochen nahe 63’000 Dollar notiert, während die realisierte Volatilität auf etwa 21,5 Prozent gefallen war. «Der Markt war ungewöhnlich ruhig, Absicherungen entsprechend dünn und die Positionierung einseitig. Als die Kurse anzogen, wurden innerhalb von 24 Stunden Short-Positionen im Volumen von rund 1,4 Milliarden Dollar liquidiert. Dieser Short Squeeze machte aus einem fundamental nachvollziehbaren Anstieg eine wesentlich stärkere Bewegung», schreibt die Valour-Strategin.

Die jüngste Bitcoin-Rally wird gemäss James Butterfill, Chefstratege von CoinShares, weniger von kryptospezifischen Faktoren als von der veränderten makroökonomischen Lage getrieben. «Schwächere US-Daten, sinkende Zinserwartungen und wachsende Zweifel an der fiskalischen Tragfähigkeit der USA schaffen ein Umfeld, in dem Bitcoin von Liquiditätshoffnungen und einem schwächeren Dollar profitieren kann», schreibt er.
Der nächste wichtige Impuls dürfte von Jackson Hole kommen, wo neue geldpolitische Signale einen Ausbruch über die Marke von 80’000 US-Dollar begünstigen könnten. In Jackson Hole im US-Bundesstaat Wyoming treffen sich jeden August die weltweit einflussreichsten Notenbanker.
Matt Mena, Senior Strategist bei 21Shares, fügt noch einen dritten Faktor für den Kurssprung an – die Nachfrage nach Krypto-ETF. «In den vergangenen zwei Monaten begannen Anleger, eine Pause bei weiteren Zinserhöhungen sowie die Unterstützung des US-Finanzministeriums für den Anleihenmarkt einzupreisen. Gleichzeitig verzeichneten US-Spot-Bitcoin-ETF starke Zuflüsse – rund 1 Milliarde Dollar allein in den ersten beiden Augustwochen.»