Schweizer Asset-Manager setzen Greenwashing zuoberst auf die Agenda

Für die Finanzbranche ist klar: Will sie im Bereich Sustainable Finance führend sein, muss sie Greenwashing glaubhaft bekämpfen. Doch das ist gar nicht so einfach.

Schweizer Asset-Manager setzen Greenwashing zuoberst auf die Agenda
Die Klimajugend brachte das Thema Greenwashing auf die Agenda: (Quelle: Fridays for Future)

Die Vorwürfe sind zum teil happig. Die Finanzindustrie würde nichts gegen den Klimawandel unternehmen, weil sie weiterhin Kredite an Kohle-, Gas- und Mineralölkonzerne vergibt. Der Umstand, dass die meisten Banken in den letzten Jahren begonnen haben, ausgeklügelte Finanzprodukte mit grünem Etikett zu verkaufen, scheint die Skepsis zusätzlich verstärkt zu haben: “ESG”, “Nachhaltigkeit”, “Sustainability” – das ist doch alles nur Greenwashing, heisst es dann schnell.

Der Finanzplatz und die Politik sind herausgefordert. Am Donnerstag lud die Asset Management Association (AMAS) zu einem Mediengespräch und setzte Greenwashing zuoberst auf die Themenliste. Der Tenor ist klar: Will die Branche im Bereich Sustainable Finance führend sein, muss sie Greenwashing glaubhaft bekämpfen. Dabei wird offen zugegeben, dass “Greenwashing auch auf dem Schweizer Finanzplatz eine vorkommende Praxis” darstelle.

Verband lehnt jede Form von Greenwashing ab

In einem gestern veröffentlichten Positionspapier lehnt der Verband jede Form von Greenwashing ab. Doch die Bekämpfung und Aufdeckung von Finanzdienstleistungen und -Produkten, die unter diese Kategorie fallen können, ist komplex. Das macht es Kritikern einfach, pauschal "die Banken" als Klimasünder an den Pranger zu stellen. Für manche Kritiker ist jegliches Investment eine Zementfirma bereits Greenwashing, selbst wenn damit eine Absenkung des CO₂-Ausstosses finanziert würde.

Die AMAS gibt zu bedenken, dass viele Kritiker auf Grundlage unklar definierter und unterschiedlich aufgefasster Begrifflichkeiten argumentieren. Greenwashing sei von individuellen Wertvorstellungen der Anlegerinnen und Anleger geprägt. Diese können sich auch durch wirtschaftliche, gesellschaftliche oder ökologische Entwicklungen sowie geopolitische Ereignisse wandeln, schreibt der Verband im Positionspapier.

Zeit drängt für eine Regulierung

Wie soll die Asset-Management-Branche darauf reagieren? Um Integrität und Transparenz von nachhaltig vermarkteten Anlageprodukten sicherzustellen, arbeitet die AMAS aktuell an einer "prinzipienbasierten freien Selbstregulierung" für nachhaltiges Asset Management, die für die Verbandsmitglieder bindend werden soll. Diese bindenden Prinzipien sollen im dritten Quartal vorliegen.

Die Branche befindet sich unter Zeitdruck. Der Bund hat ihr im vergangenen November eine Frist bis Ende 2022 gegeben, um das Problem Greenwashing zu lösen. Falls es der Finanzbranche nicht gelingt, bis dahin eine tragfähige Lösung zu finden, wird ihr der Bund die Regeln vorschreiben.

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