Nur die Nationalbanken halten den Goldmarkt in Schwung

Obwohl der Goldpreis deutlich zurückkam, blieb die Nachfrage stabil. Westlichen Privatinvestoren scheint der «Inflationsschutz» langsam teuer zu werden.

Nur die Nationalbanken halten den Goldmarkt in Schwung
Foto Zlaťáky.cz / Unsplash

Die Nachfrage nach Gold blieb im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahresquartal mit 1269 Tonnen (t) unverändert. Dies zeigt der Bericht «Gold Demand Trends» des World Gold Council (WGC). Dabei muss man sich vor Augen halten, dass im 2. Quartal 2025 die Unze Gold im Schnitt rund 1000 Dollar tiefer notierte als in der diesjährigen Vergleichsperiode. Vom 1. April 2026 bis Ende des zweiten Quartals fiel der Preis für eine Unze Gold jedoch von 4760 auf 4000 Dollar zurück.

Dass die Edelmetall-Nachfrage stabil blieb, ist einzig und allein den Notenbanken zuzuschreiben. Während alle Bereiche von Anlagen in Barren und Münzen, Schmuck, ETF im Vergleich zum ersten Quartal etwas bis deutlich zurückgingen, legten allein die Käufe der Notenbanken deutlich zu, die im ersten Quartal jedoch auch deutlich eingebrochen waren.

Spürbare Marktbereinigung

Interessant ist der Blick auf den bisherigen Jahresverlauf. Nach einem spekulativen Rekordauftakt zu Jahresbeginn folgte im Frühjahr eine spürbare Marktbereinigung und Neuausrichtung. An 28. Januar erreichte die Notierung für das Edelmetall mit über 5400 Dollar ein Rekordhoch – mittlerweile bewegt sich der Kurs auf rund 4000 Dollar. Unter dem nachlassenden Preis litt die Nachfrage aber nicht. Im Vergleich zum ersten Quartal stieg die Goldnachfrage im zweiten Quartal 3,1 Prozent von 1231 auf 1269 Tonnen. 

Preis pro Unze Gold in Dollar (LSEG/FT)

Der Bericht «Gold Demand Trends» erfasst die Nachfrage durch Schmuck, Technologie, Zentralbanken, Barren und Münzen, ETF sowie ausserbörsliche Aktivitäten (OTC). Der Goldpreis lag im zweiten Quartal im Schnitt leicht über 4500 Dollar, das waren 8 Prozent weniger als im ersten Quartal, aber 37 Prozent mehr als in der Vorjahresperiode. In den ersten sechs Monaten stieg die Nachfrage zum ersten Halbjahr um 2 Prozent auf geschätzte 2522 t im Wert von 380 Milliarden Dollar.

Polen kauft am meisten

Louise Street, Senior Marktes Analyst beim World Gold Council, kommentiert in der Pressemitteilung zum Bericht: «Während die Zuflüsse in Gold-ETF parallel zu den Preisen zurückgingen, trugen anhaltende Käufe durch Zentralbanken und das Wachstum bei OTC-Anlagen dazu bei, dass die Gesamtnachfrage nach Gold im ersten Halbjahr leicht anstieg».

Zentralbanken – und andere staatliche Institutionen – stockten ihre Reserven im zweiten Quartal um netto 289 Tonnen auf – ein Anstieg um 62 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Trotz des stärkeren zweiten Quartals blieb die Nachfrage im ersten Halbjahr aufgrund der schwächeren Aktivität im ersten Quartal unter den hohen Niveaus der vergangenen Jahre. Gemäss Krishan Gopaul, Senior Analyst EMEA beim World Gold Council, stammt der Grossteil der Nachfrage aus Schwellenländern. Polen (51 t), China (33 t). Usbekistan (16t) und Kasachstan (15 t) waren die grössten Käufer.

Alle im Kaufmodus

Gopaul bestätigt die Vermutung von Tippinpoint, dass einige der Zentralbanken zugekauft hatten, damit das Volumen von 289 Tonnen zustande kam.  Die Umfrage des WGC zu den Goldreserven der Zentralbanken ergab, dass 45 Prozent der Befragten beabsichtigen, ihre eigenen Goldreserven in den nächsten 12 Monaten aufzustocken, was die anhaltende Bedeutung von Gold in den offiziellen Reserven unterstreicht. «Die effektiven Zahlen erfahren wir aber erst mit Verzögerung, momentan verarbeitn wir die Juni Zahlen», so der WGC-Analyst.

Ein riesiger Graubereich

Dass hier einiges interpretierbar und in der Schwebe ist, zeigt eine Fussnote im Bericht. Dort heisst es: «Auf der Grundlage neu verfügbarer Marktdaten und zusätzlicher Analysen wurde die Schätzung für die Goldnachfrage der Zentralbanken im ersten Quartal 2026 von 244 Tonnen auf 57 Tonnen revidiert. Die Differenz von 187 Tonnen wurde als ausserbörsliche (OTC) und sonstige Nachfrage neu klassifiziert». Mit 244 Tonnen hätten die Notenbanken im üblichen Umfang der vergangenen Jahre gekauft, der Rückgang auf 57 Tonnen ist ungewöhnlich. «Die OTC-Transaktionen fanden vor allem in Asien statt, insbesondere im zweiten Quartal», präzisiert Gopaul.

Krishan Gopaul (Quelle: HO)

Das World Gold Council versteht unter dem OTC-Handel (Over-the-Counter oder ausserbörslicher Handel) den direkten Kauf und Verkauf von Gold zwischen zwei Parteien ohne die Einschaltung einer zentralen Börse. Dieser dezentrale Markt – historisch stark um den Londoner Großhandelsmarkt zentriert – zeichnet sich durch individuelle Verträge, grosse Volumina und eine geringere regulatorische Sichtbarkeit aus. Gopaul räumt ein, dass es in diesem Bereich einen gewissen Graubereich gebe. Diese OTC-Aktivitäten, also vor allem die Nachfrage asiatischer Investoren, legte im zweiten Quartal deutlich um 34 Prozent auf 327,1 Tonnen zu und war eine der Stützen des Marktes.

Schmuck zu teuer

Die Investitionen in Gold-ETF, Goldbarren und Goldmünzen gingen im 2. Quartal auf 262 Tonnen zurück (von 539,2 Tonnen im 1. Quartal), da der sinkende Goldpreis im zweiten Quartal die zu Jahresbeginn beobachtete starke Dynamik dämpfte. «Es dürfte eine Mischung aus zunehmender Sorge wegen Inflation und Geopolitik sowie dem hohen Preis sein, der die Nachfrage dämpfte», sagt der WGC-Analyst. Auffällig ist, dass bei goldgedeckten ETF nicht nur die Nachfrage nachliess, sondern es sogar zu Abflüssen von 44,8 Tonnen kam. Gopaul will hier aber keinen Trend weg von ETF erkennen, da für das gesamte Halbjahr ein Zufluss bei Gold-ETFs zu verzeichnen sei.

«Das Einkommensniveau und der Goldpreis haben einen direkten Einfluss auf die Schmucknachfrage», sagt Gaul. Die hohen Preise belasteten die Nachfrage im zweiten Quartal weiterhin, die im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 17 Prozent zurückging. Die Konsumenten steigen vermehrt auf andere Edelmetalle um. Doch nur die Absatzmenge sank, wertmässig stieg die Goldschmucknachfrage im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 22 Prozent.

Das Angebot ist ziemlich statisch

«Die Erwartung an die Zinsschritte des Federal Reserve sind wahrscheinlich bis zum Jahresende im Goldmarkt eingepreist», antwortet der Analyst auf die Frage, ob es denn Goldmarkt grundlegend verändert hätte, wenn die US-Notenbank diese Woche die Zinsen angehoben hätte. 

Der Goldpreis wird nicht nur von der Nachfrage «gemacht», sondern ebenso vom Angebot. Dieses blieb im zweiten Quartal mit 1269 t im Vergleich zum ersten Viertel fast unverändert – auch in den Vorquartalen bewegte sich der Minenausstoss auf diesem Niveau. «Die Produktion ist weniger preissensitiv und kann kurzfristig nicht verändert werden», sagt Gopaul. Im Moment sei das Angebot kein entscheidender Faktor für den Preis.

Fazit: Der Markt wird im zweiten Halbjahr voraussichtlich weiterhin vom Investmentbereich angeführt werden, wobei einerseits die OTC-Aktivitäten von asiatischen Investoren getrieben wird, andererseits die Nachfrage nach Gold-ETF enger mit den Realrenditen, den Erwartungen an die US-Geldpolitik und dem Dollarkurs verknüpft sind. Unabhängig davon bleiben die Zentralbanken – vor allem aus Schwellenländern – bedeutende Käufer.


Schweiz: Barren gewinnen gegenüber Münzen an Bedeutung

Der Schweizer Edelmetallhändler Philoro spürte den vom World Gold Council verbuchten statistischen Rücksetzer allerdings nicht, wie er in einer Medienmitteilung schreibt. Vielmehr verzeichnet Philoro Schweiz bezüglich Verkauf von Barren und Münzen aus Gold und Silber im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahr eine deutliche Umsatzsteigerung. «Die Anzahl Transaktionen ging zwar zurück, aber die Warenkörbe wurden erheblich grösser. Selbst im Privatkundengeschäft stieg der Durchschnittskorb um gut 42 Prozent». Auch bezüglich Stückelungen habe sich gezeigt, dass Gold- und Silberbarren gegenüber den Münzen an Bedeutung gewonnen haben. Gemessen an der verkauften Stückzahl war bei den Goldmünzen das Goldvreneli 20 Franken am beliebtesten, gefolgt vom Krügerrand und dem Wiener Philharmoniker jeweils 1 Unze. Ebenfalls gemessen an der Stückzahl war bei Silber der Maple Leaf 1 Unze am meisten gefragt. Beim Ankauf von Gold und Silber hat der Anteil von Altgold und Altsilber in Form von Schmuck, Silberbesteck, Dentalgold und ähnlichem bei Philoro im zweiten Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahr deutlich zugenommen, während der Ankauf von Anlageprodukten in Form von Münzen und Barren zurückgegangen ist. (gru)

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