Für ihn war der Platz rechts aussen reserviert im Medienzentrum des Bundes. Da sass er, CS-Verwaltungsratspräsident Axel Lehmann, der ein paar Stunden zuvor seine Unterschrift unter einen Deal gesetzt hatte, der die 167-jährige Geschichte der einst grössten und wichtigsten Bank der Schweiz besiegelt.
Wer ist verantwortlich für das CS-Desaster, wollte ein Journalist wissen. Lehmann erwähnte Archegos, Greensill und die Jahre zuvor, als er noch nicht Präsident war. “Wir kamen einfach nicht mehr aus den Schlagzeilen”, antwortete Lehmann. “2022 sind wir dann von Altlasten eingeholt worden. Das Jahr hat gezeigt, dass unser Geschäftsmodell in diesem Marktumfeld nicht mehr funktioniert.”
Viele Kunden seien lange sehr treu und loyal geblieben, sagt Lehmann. Er kommt einmal mehr auf den Social-Media-Sturm im letzten Herbst zu sprechen. “Das hatte enorme Auswirkungen auf uns.” Irgendwann sei es dann der berühmte Tropfen zu viel. Damit meint Lehmann wohl die Bankenkrise in den USA. “Es ist letztlich eine Kumulation von Dingen, die über viele Jahre passiert sind.”
Eine persönliche Verantwortung sieht er nicht. Was er nicht sagte, ist, dass Kunden und Aktionäre das Vertrauen in die Bank und ihre Chefs komplett verloren haben. Niemand glaubte mehr, dass er und CEO Ulrich Körner die Bank zum Erfolg hätten führen können.
Lehmann wurde zur tragischen Figur
Klar, der Zerfall der Glaubwürdigkeit begann schon vor Jahren. Doch letzten Sommer setzte eine Dynamik ein, die nicht mehr gestoppt werden konnte. Lehmann und Körner verkündeten damals, dass jetzt alles anders werde. Sie versprachen einen radikalen Wandel und verschwanden dann drei Monate von der Bildfläche, um eine neue Strategie auszutüfteln. Die Gerüchte schossen ins Kraut. Als im Oktober Spekulationen über die Pleite der Bank kursierten, versuchten sie, Gegensteuer zugeben. Es war zu spät. Die Kunden hatten bereits über 80 Milliarden Franken abgezogen.
Axel Lehmann machte alles nur noch schlimmer, als er im Dezember Abflüsse beschönigte und deshalb in den Fokus der Finanzmarktaufsicht, der Finma, geriet. Den letzten Rest seiner Glaubwürdigkeit verlor er, als die CS vor zehn Tagen nach einer Intervention der US-Börsenaufsicht die Publikation des Geschäftsberichts verschieben musste. Zur tragischen Figur schliesslich wurde er diesen Mittwoch: Als der Aktienkurs um 30 Prozent einbrach, verkündete er an einer Konferenz in Saudi-Arabien, dass die Credit Suisse keine Staatshilfe brauche.