Die Lehren aus dem Coldcard-Diebstahl

Weil vor allem Krypto-Nerds das Wallet rege benutzten, erhielt es fatalerweise das Image «sicher».

Die Lehren aus dem Coldcard-Diebstahl
Foto: Jason Dent / Unsplash

Das war ein gefundenes Fressen für Krypto-Kritiker und Bitcoin-Feinde. Über Tage wurden über 2000 Bitcoins aus mehr als 4500 vermeintlich sicheren Wallets gestohlen, die vor allem von «Bitcoin-Maxis», also überzeugten Verfechtern der Kryptowährung, verwendet werden. Der Fehler lag im Quellcode. Das führte oft zur falschen Aussage: Der Bitcoin ist doch nicht sicher, der Code lässt sich knacken.

Das Problem liegt jedoch im Coldcard-Wallet des Anbieters Coinkite – um präzise zu sein in der Firmware. Erschreckenderweise bestand die inzwischen gepatchte Sicherheitslücke in der im Gerät eingebauten Software seit fünf Jahren. Normalerweise gelten solche Cold-Wallets als sehr sichere Methode zur Selbstverwahrung von Kryptowährungen – weil die Schlüssel nicht auf dem Internet, sondern auf separater Hardware gespeichert werden. Der private Schlüssel wird dabei in der Regel in einem Secure-Element auf dem Wallet-Gerät gespeichert. Neue Transaktionen werden direkt auf diesem Gerät signiert, so dass der Schlüssel die Wallet nie verlassen muss.

Ein «fauler» Generator

Doch der Generator, der aus den langen Zahlensträngen auf dem Wallet Schlüssel ableitet, war fehlerhaft. Teile des Schlüssels wurden nicht zufällig generiert, sondern basierten auf logisch ableitbaren Vorgaben. So sank der Zufälligkeitsgrad der Schlüsselgenerierung markant und konnte mit hohem Rechenaufwand geknackt werden. Gemäss Fachleuten ist gut möglich, dass der Angreifer diese Schwachstelle mittels Künstlicher Intelligenz aufgespürt hat – und dann eventuell monatelang gerechnet hat – und so nach und nach den Vollzugriff auf Kryptobestände von Tausenden Wallets erlangte.

«Getroffen hat es ausgerechnet die Gemeinschaft, die Prüfung zu ihrem Bekenntnis gemacht hat: die Bitcoin-Selbstverwahrer. Coldcard gilt dort als das Gerät schlechthin, gebaut auf dem Motto 'don't trust, verify’: Vertraue nicht, prüfe selbst. Seit 2021 steckte ein Fehler in der Schlüsselerzeugung der Firmware. Der Quellcode war öffentlich einsehbar, die ganze Zeit. Geprüft hat ihn erst ein Fremder, der Dieb», kommentiert der österreichische Ökonom und Publizist Rahim Taghizadegan den Vorfall auf Linkedin.

Für ihn sei das kein Anlass zur Häme. Er beobachte Bitcoin seit 2009, mit Sympathie, und mit wachsender Skepsis gegenüber der Bewegung, die sich darum herum gebildet habe. Der Vorfall zeige ein Muster, das weit über Bitcoin hinausreiche: Wo Prüfung zur Identität wird, hört sie auf, Praxis zu sein. Man kauft das richtige Gerät, trägt das richtige Motto, und fühlt sich verifiziert. Die Gemeinschaft applaudiert sich selbst, statt nachzusehen, schreibt Taghizadegan. «Geld ist für Fremde. Das ist der älteste Massstab für Geld überhaupt: Es muss zwischen Menschen funktionieren, die einander nicht kennen, nicht vertrauen, nichts glauben», fügt er an. Eine Währung, deren Sicherheit davon abhänge, dass die Gläubiger ihre Hausaufgaben machen, habe diesen Test noch vor sich.

Die Blockchain bleibt solide

Mittlerweile hat der Wallet-Hersteller Coinkite das Problem behoben und eine aktualisierte Firmware-Version publiziert. Das Unternehmen betont jedoch in einer Sicherheitsmeldung, dass mit einer anfälligen Version generierte Seeds dauerhaft unsicher bleiben. Nutzer sollten also nicht nur die Coldcard-Firmware aktualisieren, sondern danach auch dringend eine neue Seed-Phrase generieren und ihre Bitcoin-Bestände darauf umziehen.

Cold Wallets bleiben auch nach diesem Vorfall der sicherste Ort, um die Bitcoin-Schlüssel aufzubewahren, wenn der Generator so wie vorgesehen funktioniert. Aber die Nutzer müssen sich trotzdem bewusst sein, dass die Bitcoins physisch nicht auf dem Wallet sind, sondern in der Blockchain. Einzig der Schlüssel wir auf der Hardware verwaltet. Die Bitcoin-Blockchain selbst ist weiterhin «rocksolid» und wurde noch nie geknackt.

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