Nestlé kapituliert vor den eigenen Grundwerten

Der Schweizer Foodkonzern will in Russland nur noch Grundnahrungsmittel verkaufen. Kitkat und Nesquik sollen aus den Regalen verschwinden. Er beugt sich damit dem Druck von Social Media.

Nestlé gibt dem Druck nach und streicht weitere Angebote aus seinem Sortiment in Russland. “Wir werden uns in Russland auf die Bereitstellung von Grundnahrungsmitteln wie Säuglingsnahrung und medizinische und krankenhausspezifische Ernährung konzentrieren – und nicht auf die Erzielung von Gewinnen”, schreibt Nestlé in einer Stellungnahme.

“Wir werden künftig bekannte Nestlé-Marken wie KitKat und Nesquik und andere nicht mehr verkaufen” erklärt der weltweit grösste Nahrungsmittelkonzern. Das Unternehmen nennt im Statement keine weiteren Marken.

More powerful anti-advertising targeting Nestle’s controversial decision to continue funding Russian war crimes in Ukraine pic.twitter.com/7xQmy6U0Tv— Business Ukraine mag (@Biz_Ukraine_Mag) March 20, 2022

Nestlé beschäftigt in Russland 7000 Angestellte. Zunächst stoppte das Unternehmen Anfang März lediglich die Werbeaktionen in Russland sowie Investitionen. Knapp eine Woche später vermeldete der Konzern, fast alle Exporte nach Russland zu stoppen – ausser die von Grundnahrungsmitteln. Jetzt wird der Begriff Grundnahrungsmittel noch enger gefasst. Damit rückt Nestlé von den eigenen Grundwerten ab, ein "Grundrecht auf Nahrung zu gewährleisten".

Nestlé gab heute keine Gründe an, warum sie nun weitere Produkte aus dem Sortiment streicht. Mit dem jüngsten Entscheid nähert sich Nestlé vielen anderen westlichen Firmen an, die über die staatlichen Sanktionen hinausgehen – und mit Lieferstopps und Geschäftsschliessungen nicht primär die Regierung von Wladimir Putin schwächen wollen, sondern die gesamte russische Bevölkerung.

Seit Ausbruch des Krieges fordern ukrainische Politiker, dass sich Nestlé aus Russland zurückzieht, weil es mit seinen Gewinnen die Regierung unterstütze. Nestlé bestritt dies. Vor einer Woche noch verteidigte Nestlé-Chef Ulf Mark Schneider die Haltung des Konzerns, ein breites Sortiment anzubieten.

Ob pauschale Bestrafungsaktionen eine friedensstiftende Wirkung haben, wie dies eine Reihe von Wirtschaftsethikern glaubt, ist nicht erwiesen.

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