Das Narrativ hat sich verschoben. Lange hiess es, die verschärften Eigenkapitalregeln würden die UBS aus dem Land treiben – nach New York oder Singapur, wo die Regulierung bankenfreundlicher sei. Jetzt tönt es anders: UBS-nahe Lobbyisten warnen nun davor, dass neue Kapitalanforderungen zu «strengeren Kreditbedingungen führen und Firmenkredite verteuern» würden. So schreiben es Vertreter mächtiger Wirtschaftsverbände in einem Brief an das Parlament.
Ruedi Noser, der ehemalige Zürcher FDP-Ständerat und Unternehmer, doppelte diese Woche in einem LinkedIn-Post nach: Es gebe noch eine weitere Möglichkeit, die Kosten weiterzugeben, indem man die Preise in jenem Markt erhöhe, der am wenigsten wettbewerbsintensiv sei – und das wäre die Schweiz. Ruedi Noser kennt sich aus: Der Softwareunternehmer sass von 2017 bis zum bitteren Ende im Verwaltungsrat der Credit Suisse Asset Management Schweiz – jener Einheit, die das Debakel mit den Greensill-Fonds angerichtet hatte.
Wie Alice im Wunderland
Nosers Sorge ist berechtigt. Die Wettbewerbssituation wird sich verschlechtern. Oder besser: Sie wird sich weiter verschlechtern. Denn der Wettbewerb hat sich bereits mit dem Verschwinden der Credit Suisse verschlechert. Das ist wenig überraschend, wenn ein starker Konkurrent aus einem Markt verschwindet. Was Noser allerdings nicht sagt: Wenn sie es kann, wird die UBS die Preise auch unabhängig vom Berner Eigenkapitalverdikt erhöhen. Es wäre völlig unlogisch, wenn sie es nicht täte.
Schliesslich ist sie primär ihren Aktionären verpflichtet, wie Sergio Ermotti wiederholt selbst betont hat – und damit nicht der Schweizer Volkswirtschaft. Wer glaubt, wie Noser oder die Wirtschaftsverbände, die UBS werde es der Schweiz danken, wenn die Politiker in Bern die Eigenkapitalregeln verwässern, lebt wie Alice im Wunderland. Die UBS ist keine Kantonalbank mit dem Auftrag, die lokale Wirtschaft mit günstigen Krediten zu versorgen. Sie ist ein global agierender Finanzkonzern, der sich mehrheitlich im Besitz ausländischer Investoren befindet, die möglichst hohe Returns sehen wollen.
Man mag einwenden, dass die Wettbewerbskommission der UBS schon auf die Finger klopfen wird, sollte sie zu stark an der Preisschraube drehen. Doch wie wollen die Wettbewerbshüter ein sanktionsfestes Fehlverhalten feststellen? Die UBS und andere Banken haben viele Argumente in der Hinterhand, um höhere Margen zu begründen – seien es gestiegene Finanzierungskosten, Basel-III-Regeln oder andere Faktoren. Womit soll man auch vergleichen? Mit den Margen vor dem CS-Kollaps? Mit dem Ausland? Das wird kaum funktionieren.

