Pro Kopf fallen in der Schweiz gemäss Schätzungen von Umweltorganisationen jährlich rund 11 Kilogramm Textilien an, die in der Kleidersammlung landen oder direkt entsorgt werden. Hochgerechnet entspricht das etwa 100’000 Tonnen pro Jahr. Ein zentraler Grund für dieses hohe Volumen: Textilien lassen sich bislang kaum wiederverwerten und recyceln.
Seit 2008 arbeitet das Cleantech-Unternehmen Climatex an Verfahren und Lösungen, um diesen Abfallberg einst zu verkleinern. Nun hat das in Altendorf (SZ) ansässige Unternehmen eine Finanzierungsrunde über 3,2 Millionen Franken abgeschlossen. Leadinvestor ist der Collateral Good Textile & Fashion Innovation Fund. Bestehende Investoren beteiligten sich ebenfalls, wie es heisst.
Mit dem Einstieg der neuen Investoren kommt es auch zu Veränderungen im Verwaltungsrat und in der Geschäftsleitung. Michael Kleindl, Gründungspartner von Collateral Good, ist neu in den Verwaltungsrat von Climatex eingetreten und übernimmt das Präsidium von Zeno Staub, der aus dem Gremium ausscheidet. Staub war langjähriger CEO von Vontobel und ist heute Verwaltungsrat der Zürcher Bank.
Investitionen in Vertrieb und Marketing
Zudem gibt Climatex die Ernennung von Camilla Skjønning Jørgensen zur neuen CEO bekannt. Die dänische Fashionspezialistin ist seit Kurzem Venture Partnerin von Collateral Good und verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung in den Bereichen Innovation und Nachhaltigkeit im Modemarkt. Sie war viele Jahre für das grösste dänische Modeunternehmen Bestseller (Jack & Jones, Vero Moda) als Nachhaltigkeitsmanagerin tätig.
Skjønning Jørgensen soll das Unternehmen insbesondere in den internationalen Zielmärkten voranbringen, wie es in einer Mitteilung heisst. Im Zuge des Führungswechsels scheiden die bisherigen Co-CEOs Adrian Obrist und Patric Rupp aus der operativen Leitung aus und wechseln in den Verwaltungsrat. Mit dem frischen Kapital will Climatex seine Marktposition im Bereich kreislauffähiger Textillösungen weiter ausbauen. Geplant sind Investitionen in Vertrieb und Marketing, um das Wachstum zu beschleunigen.
«Wir freuen uns, Climatex beim Eintritt in die nächste Wachstumsphase zu unterstützen», sagt Michael Kleindl von Collateral Good. Die Textiltechnologien des Unternehmens seien bereit für die Skalierung und passten gut zum Investmentansatz des Fonds, der in Deep Tech sowie innovative und zirkuläre Materialien und Technologien investiert.
Von Sitzbezügen bis Alltagsbekleidung
Climatex verfolgt einen sogenannten Circular-Design-Ansatz, sagt Camilla Skjønning Jørgensen. Ziel ist es, hochfunktionale und langlebige Produkte zu entwickeln, die von Beginn an auf Recycling ausgelegt sind. Textilien werden so konstruiert, dass sie sich am Lebensende einfach zerlegen lassen, um Fasern und Komponenten effizient zurückzugewinnen.
Das Unternehmen verfügt zudem über Verfahren zur sortenreinen Trennung von Mischgeweben sowie über spezielle Materialien wie auflösbares Nähgarn, das bei hohen Temperaturen und in Wasser reagiert und gewebte Produkte in ihre Ursprungsbestandteile zerlegt. Die Anwendungsfelder reichen von Möbel- und Objektbezügen über Mobilitätsgewebe – etwa für Sitzbezüge im öffentlichen Verkehr – bis hin zu Alltags- und Arbeitsbekleidung. Zu den Kunden des Unternehmens zählen unter anderem VP Textile, JAB, Interstuhl und Lantal.
An Lösungen für das Recycling von Textilien arbeiten neben Climatex auch grosse Modekonzerne wie H&M oder Inditex (Zara). Aber auch spezialisierte Cleantech-Firmen wie Worn Again Technologies. Das 2005 gegründete britische Unternehmen wird von Partnern aus Industrie und Mode unterstützt. Hauptinvestoren sind Sulzer Chemtech, Oerlikon Management, der Moderiese H&M sowie Himes Corporation und Directex. Worn Again verfügt in Winterthur über eine Demonstrationsanlage.

