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Die Region St. Moritz ist ein kulinarischer Hotspot. Offen bleibt: Will und kann ich mir das Angebot leisten? Oder gibt es Alternativen?
13. Februar 2026 • Michael Lütscher

Für Foodies ist das Oberengadin ein Schlaraffenland. Der Gault Millau zeichnet in der Region St. Moritz aktuell 28 Restaurants aus, der Guide Michelin empfiehlt 21, wovon er fünf mit mindestens einem Stern verleiht.

Die Wahl ist in diesem Falle keine Qual, sondern aktiviert den Appetit. Einfach fällt sie nicht. Zumal es viele neue Lokale gibt. Jedes Jahr werden neue Konzepte ausprobiert. Und der kulinarische Ehrgeiz hat nach den Luxushotels auch tieferklassige Häuser erfasst.

Cresta Palace, Celerina

Das altehrwürdige Viersterne-Haus Cresta Palace in Celerina verfügt seit diesem Winter über ein orientalisches Restaurant namens Ya Mama. Küchenchef ist Moses Ceylan, ein Deutscher mit nahöstlichen Wurzeln, der früher im Einstein in St. Gallen tätig war. Was unter seiner Leitung aufgetischt wird, macht echt Freude. Vielfältige Mezze, in einer Art, wie es sie nicht überall gibt, etwa ein kleines Ragout aus im Ofen gerösteten Gemüsen oder eine aramäische Linsensuppe. Die Gerichte sind sorgfältig angerichtet, etwa Köfte, auf einer grillierten Peperoni und eingelegten Zwiebeln serviert und sehr schmackhaft. Die Preise sind erschwinglich, liegen etwa auf durchschnittlichem Zürcher Niveau. Mit 50 bis 60 Franken für Vorspeise und Hauptgang kommt man durch.
www.crestapalace.ch

Engadinerhof, Pontresina

Frisch aufgehübscht und unter neuer Leitung empfängt der Engadinerhof in Pontresina, der sich neu als Boutiquehotel anpreist. Die Pizzeria im Haus gibt sich Mühe, mehr als das Übliche aufzutischen. Zum Beispiel Tagliatelle an einem saisongerechten Kohlpesto. Das ist erfreulich; allerdings würde ich, wenn ich dieses Pastagericht selbst zubereitet hätte, noch gewisses Verbesserungspotenzial erkennen. Echt ein Hit in diesem alten Haus ist die Lobby im ersten Stock. Deren Ouvertüre ist eine grosse Treppe mit Glasüberbau im Stile der 1950er Jahre. Danach steht man in einer Halle mit Nebenräumen, die durch Schwingtüren im Jugendstil zu betreten sind – dem Jassstübli, dem roten Salon und einer Bar. Mit einem Drink oder einem der vorzüglichen Engadiner Biere setzt es sich in den dicken Fauteuils so gut, dass man am liebsten einfach bleiben würde.
www.engadinerhof.com

Restaurant Kantine, Bever

Ein Upgrade erlebt hat auch die einstige Kantine einer Baufirma in Bever. Restaurant Kantine heisst das Etablissement nun, die einfache Fichtenholztäfelung ist geblieben, das Menage mit Fondor auf den Tischen auch, und wer ein Lagerbier bestellt, erhält keine Stange und auch kein kleines Fläschli, sondern das klassische Büezer-Bier, ein Lager in der 58cl Flasche. Die Spaghetti all’Amatriciana passen zur Tradition, der Fenchelsalat mit Rucola verkörpert eher das Heute. Zum unprätentiösen Ambiente passt die Auswahl an Flaschenweinen und ihre Preise, die etwa dem Doppelten der Ladenpreise entsprechen.
Via Maistra 5, Bever. Tel. 081 515 27 87

Langosteria, Salastrains

Die Langosteria auf Salastrains im St. Moritzer Skigebiet empfängt schon den dritten Winter Gäste aus nah und fern. Sie ist das Gegenteil des profanen Geheimtipps Kantine Bever. Wer den GaultMillau-Newsletter liest, weiss, dass es in der Langosteria vor allem und fast ausschliesslich Fisch und Meeresfrüchte zu essen gibt, und GM-Chef Urs Heller sich immer wieder davon begeistert zeigt. Ein Rätsel bleibt, was das Vergnügen eines Essens in der St. Moritzer Niederlassung der mondänen Restaurantkette aus Mailand kostet; die auf der Website des Restaurants publizierte Speisekarte enthält keine Preise. Dass sie prohibitiv sind, hat sich allerdings herumgesprochen. Ahnungslose merken es spätestens bei der Online-Reservation; pro Person wird eine Garantie von 100 Franken verlangt.

Das Lokal sieht aus wie ein Club, die vorherrschende Farbe (Wände, Decke, Boden, Stühle) ist schwarz, und aus den Boxen beschwingt Discomusik, in Stil und Lautstärke allerdings Easy Listening. Die Atmosphäre ist entspannt, das Personal in Moncler-Gilets, Italienisch und Englisch sprechend, ist zahlreich, freundlich und flink. Am Tisch nebenan tafelt eine englisch parlierende Familie, ihre beiden Skilehrer teilen sich einen Hummer aus dem Ofen (Kilopreis: 380 Franken), am nächsten Tisch hat sich eine Schweizer Familie niedergelassen. Sie lässt sich u.a. einen Wolfsbarsch in der Salzkruste (Kilopreis: 200 Franken) auftischen.

Die Mafaldine (dicke Nudeln mit gekraustem Rand) mit Stockfisch, Tomatensauce, Oliven und Kapern (46 Fr.) schmecken echt gut. Die Austern davor waren, wie sie sein sollten – köstlich. Austernplatten sind einer der Hits des Lokals, Trüffelpizza zum Teilen als Vorspeise ebenso. Letztere erinnert an das einstige La Marmite auf Corviglia, mit welcher der legendäre, verstorbene Hartly Mathis vor 60 Jahren die Ära des Fine Dinings an der Piste eröffnete.

Eine Entdeckung ist übrigens der Spumante von Luigi Coppo aus der Alta Langa im Piemont, mit 25 Fr das Glas (Bollicine) einer der günstigsten Weine im riesigen Angebot. Beim letzten Schluck sind die Schweizer nebenan gegangen; ein russisches Trio lässt sich nieder, der Mann eher schlampig gekleidet, die beiden Frauen mit Schlauchbootlippen und mega aufgebretzelt. Es gibt viel zu sehen in der Langosteria und vorzüglich zu essen.
langosteria.com/en/langosteria-st-moritz