Paukenschlag
Der amerikanische Vermögensverwalter übernimmt für 10 Milliarden Pfund das britische Traditionshaus Schroders – und damit auch die in der Schweiz beheimateten Einheiten.
12. Februar 2026 • Beat Schmid

Nuveen legt insgesamt 9,9 Milliarden Pfund (10,3 Milliarden Franken) auf den Tisch und beendet damit eine Firmengeschichte, die vor über 200 Jahren begann und eng mit dem Aufstieg und dem Niedergang Grossbritanniens verknüpft ist. Schroders – ursprünglich vom Hamburger Kaufmann Johann Heinrich Schröder gegründet – ist ein Relikt als aus einer Zeit, als sogenannte Merchant Banks die City of London damit die Finanzwelt dominiert haben.

Die Marke Schroders soll erhalten bleiben. London soll der wichtigste Standort ausserhalb der USA und zugleich der grösste Standort der fusionierten Gruppe sein. Nuveen hat ihren Sitz in Chicago und ist eine 100 prozentige Tochter der TIAA (Teachers Insurance and Annuity Association of America-College Retirement Equities Fund) – einer Lehrer-Pensionskasse.

«In einem wettbewerbsintensiven Umfeld, in dem Grösse zunehmend Vorteile bringt, sehen wir in Nuveen einen Partner, der unsere Werte teilt, die von uns aufgebaute Unternehmenskultur respektiert und spannende Perspektiven für unsere Kunden und Mitarbeitenden schafft», sagte Schroders-CEO Richard Oldfield. Er wird seine Funktion behalten und zugleich in das Executive Management Team von Nuveen eintreten.

Vier Schweizer Gesellschaften

Der Deal ist ein Paukenschlag – und ein Weckruf für die europäische Asset-Management-Industrie. Grössenvorteile amerikanischer Anbieter führen zu niedrigeren Kosten und setzen insbesondere mittelgrosse Anbieter unter Druck. Hinzu kommt der Trend zum passiven Investieren, der eine Herausforderung für aktive Manager darstellt. Um Schroders gab es in den letzten Jahren immer wieder Übernahmegerüchte.

Mit einem verwalteten Vermögen von rund 2,5 Billionen Dollar erreicht die neue Gruppe eine Grössenordnung, die mit Schwergewichten wie Capital Group vergleichbar ist, dem weltweit grössten reinen aktiven Vermögensverwalter mit rund 3 Billionen Dollar.

Die Schroders-Familie sowie einzelne Mitglieder des Verwaltungsrats halten zusammen rund 42 Prozent der Aktien. Sie haben ihre Unterstützung für den Deal bereits zugesichert. Der Abschluss der Transaktion wird für das vierte Quartal dieses Jahres erwartet. Nuveen finanziert die Übernahme aus bestehenden liquiden Mitteln sowie über einen Kredit in Höhe von 3,1 Milliarden Pfund von BNP Paribas.

Es entsteht ein Unternehmen mit insgesamt 9600 Mitarbeitenden. Mit übernommen werden auch vier Schroders-Gesellschaften in der Schweiz: Schroder & Co Bank, BlueOrchard, Schroder Investment Management (Switzerland) und Schroders Capital Management (Switzerland). Für die Übernahme der sogenannten Swiss Target Entities liegt gemäss heute publizierter Ad-hoc-Meldung bereits die Zustimmung der Finma vor.

MEHR ZUM THEMA


Lichterlöschen im Backoffice - Schroders streicht 100 Stellen in Zürich

Der britische Finanzkonzern verlagert das Backoffice im Zürcher Westpark nach England. Jede fünfte Stelle fällt weg. Die Schweiz soll aber wichtig bleiben.
12. Juli 2023