Deutschlands Finanzminister hat Unicredit-Chef Andrea Orcel klargemacht, dass die Commerzbank ihren Hauptsitz in Frankfurt behalten und dort weiterhin börsenkotiert bleiben soll. Die italienische Grossbank kommt einer Übernahme ihres deutschen Konkurrenten derweil immer näher.
Bei den ersten direkten Gesprächen zwischen der deutschen Regierung und der Mailänder Bank forderte Lars Klingbeil, die Interessen der 40’000 Beschäftigten der Commerzbank zu schützen. Ausserdem sagte Klingbeil, dass die Commerzbank ihre Rolle als Finanziererin von sogenannten Mittelstandsunternehmen in Deutschland beibehalten müsse.
«Wir erwarten, dass die Commerzbank ein börsenkotiertes Unternehmen mit Hauptsitz in Frankfurt bleibt und ihr starkes Mittelstandsgeschäft fortführt – sowohl in Deutschland als auch international», sagte Klingbeil.
Berlin weicht seinen Widerstand auf
Die Gespräche zeigen vor allem eins: dass die deutsche Regierung ihre zuvor sehr defensive Haltung gegenüber dem Deal gelockert hat. Die Bundesregierung hält noch knapp 13 Prozent an der Commerzbank. Seit ihrem Crash in der Finanzkrise ist der deutsche Staat an der Bank beteiligt.
Derweil kommt Unicredit ihrem Ziel, den deutschen Kreditgeber einzuverleiben, immer näher. Im Juli erhöhte die italienische Bank ihren Anteil an der Commerzbank auf 47,6 Prozent, nachdem sie Aktionäre aufgefordert hatte, ihre Aktien anzudienen.
Damit liegt Unicredit zwar weiterhin unter der Schwelle von 50 Prozent für eine formelle Mehrheitskontrolle. Analysten gehen jedoch davon aus, dass die Italiener mit ihrem derzeitigen Anteil bereits eine faktische Kontrolle über die Commerzbank ausüben könnten.
Offenbar beabsichtigt die deutsche Regierung, ihren Anteil an der Commerzbank vorerst zu behalten. Auch an ihren beiden Sitzen im Aufsichtsrat will sie festhalten. Zusammen mit den Arbeitnehmervertretern könnte das «Team Deutschland» eine Mehrheit im Aufsichtsrat bilden.
Andrea Orcel sagte nach dem Treffen, er sei dem deutschen Finanzminister «dankbar für die Gelegenheit, erstmals unsere Prioritäten darzulegen und seine zu verstehen». Beide Seiten sollten nun über das «konstruktive» Gespräch nachdenken, «damit ein Weg gefunden werden kann, der im besten Interesse aller Stakeholder und Aktionäre liegt».